News aus Japan. Von Jan Knüsel.

Der verstrahlte Apfel

Die folgenreiche Karikatur. (Auszug: International Herald Tribune)

Die folgenreiche Karikatur. (Auszug: International Herald Tribune)

Es ist die Szene, in der die eifersüchtige Stiefmutter in Gestalt einer alten Bäuerin Schneewittchen den giftigen Apfel anbietet. «Da schneide ich den Apfel in zwei Teile; den roten iss du, den weißen will ich essen», spricht die Alte. Schneewittchen kann nicht widerstehen und greift zu. «Kaum hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es tot zur Erde.»

Die International Herald Tribune veröffentlichte am 21. April eine Karikatur mit genau dieser Szene. Mit dem kleinen Unterschied, dass Schneewittchen durch eine grosse Lupe schauend und einer Zeitung mit der Überschrift «Japan radioaktive Verstrahlung» in der Hand, kritisch nachhakt: «Wart, bist du aus Japan?»

Das japanische Konsulat in New York hatte gar keine Freude an dieser Publikation und hinterlegte bei der New York Times, der Besitzerin der IHT,  einen schriftlichen Protest. Die Karikatur könne unbegründete Ängste bezüglich der Sicherheit japanischer Nahrungsmittel hervorrufen, so die Begründung.

Die Reaktion und die Antwort

Die International Herald Tribune reagierte unverzüglich. In einer schriftlichen Stellungnahme, die sie in der Montagsausgabe publizierte, bedauerte sie das «verfehlte Urteilsvermögen» bei der Auswahl. Die Karikatur sei «beleidigend für Japaner und andere».

Die Verwechslung. (Auszug: International Herald Tribune)

Die Verwechslung. (Auszug: International Herald Tribune)

«Wir wissen diese zügige Antwort der IHT zu schätzen», erklärte sich Yasuhisa Kawamura vom japanischen Konsulat in New York auf Anfrage von NHK World zufrieden. In Japan würden keine radioaktiv verseuchten Lebensmittel auf den Markt kommen, betonte er weiter.

Der erneute Lapsus

Kaum schien die Sache begraben, passierte der Japan-Ausgabe der International Herald Tribune am 25. April der nächste Lapsus, wie die Sankei Shimbun bemerkte. So schrieb die Sportseite ein Artikel über die japanische Eiskunstläuferin Mao Asada. Auf dem dazugehörigen Bild war aber nicht die Japanerin, sondern ihre südkoreanische Konkurrentin und Olympiasiegerin Kim Yu-na zu sehen. Auch in der Bildlegende war von Asada die Sprache.

Die Bildredaktion aus Hongkong sei für den Fehler verantwortlich, schrieb die IHT der Sankei Shimbun als Erklärung. «Jenes internationale Schneewittchen-Blatt» heisst die international renommierte International Herald Tribune inzwischen in den japanischen Medien.

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