flickr/​ryuugakuseiMen­schen im Tokio­ter Bahn­hof Shin­juku nach dem Beben vom 11. März.

Am 11. März 2011 beb­te vor der Nord­ost­küs­te Japans die Erde mit der Stär­ke 9. Exper­ten sind sich einig, dass dies nicht das gros­se Kan­to-Erd­be­ben war, wovor sich Tokio seit 30 Jah­ren fürch­tet. Die Chan­ce, dass sich in den nächs­ten Jah­ren nicht unweit der japa­ni­schen Haupt­stadt ein gros­ses Erd­be­ben ereig­net, ist noch ein­mal gestiegen.

1854 ereig­ne­te sich bei der Prä­fek­tur Shi­zuoka, 120 Kilo­me­ter süd­west­lich von Tokio, das letz­te soge­nann­te Tokai-Erd­be­ben der Stär­ke 8,4. Die Wahr­schein­lich­keit, dass es in den nächs­ten 30 Jah­ren erneut zu einem Beben in die­sem Aus­mass kommt, liegt laut den japa­ni­schen Behör­den bei 87 Pro­zent, wie der New Sci­en­tist schreibt.

Die düs­te­ren Pro­gno­sen von 1988

Tokio hat die Erd­be­ben­prä­ven­ti­on in den letz­ten Jahr­zehn­ten stark aus­ge­baut. Denn das nächs­te Beben kommt bestimmt. Der schlimms­te Fall für die Haupt­stadt wäre, wenn das Epi­zen­trum gleich unter Tokio selbst zu lie­gen kom­men wür­de. Dann hät­te bereits ein Erd­be­ben der Stär­ke 7 fata­le Fol­gen. Seit 1987 ist dies nicht mehr pas­siert. Durch­schnitt­lich muss alle 23 Jah­re mit einem sol­chen Fall gerech­net werden.

Noch 1988 rech­ne­ten die Behör­den mit 150’000 Todes­op­fer, soll­te der­einst das Epi­zen­trum eines grös­se­ren Erd­be­bens unter Tokio lie­gen, wie Wirt­schafts­pro­fes­sor Nobuo Ike­da von der Uni­ver­si­tät Jou­bu in einem Blog­bei­trag schreibt. Durch die ver­bes­ser­ten Schutz­mass­nah­men für Gebäu­de und Infra­struk­tur konn­te die­se düs­te­re Pro­gno­se in der Zwi­schen­zeit mas­siv redu­ziert werden.

Brän­de als gröss­te Gefahr

2005 ging das Komi­tee für Kata­stro­phen­ver­hü­tung im Fal­le eines Bebens der Stär­ke 7,3 in Tokio noch von 11’000 Toten und 850’000 beschä­dig­ten Häu­sern aus. Der finan­zi­el­le Scha­den wür­de sich laut der Finan­ci­al Times auf 112 Bil­lio­nen Yen (935 Mia. Euro) belau­fen. 57 Pro­zent der Todes­op­fer wür­den durch die Fol­gen einer Feu­ers­brunst ster­ben. Bereits bei der Pro­gno­se von 1988 erwar­te­ten die Behör­den die Brän­de nach dem Beben als die gröss­te Gefahr.

Dabei stellt sich die Fra­ge, wo man bei einem Erd­be­ben am sichers­ten wäre. Oft wird hier­bei das Erd­be­ben von Kobe (Asi­en­spie­gel berich­te­te) im Jahr 1995 als Bei­spiel hin­zu­ge­zo­gen. Damals wur­den vie­le der über 6000 Todes­op­fer von ein­ge­stürz­ten Stock­wer­ken begra­ben. Heu­te gel­ten die moder­nen japa­ni­schen Hoch­häu­ser, sowie auch die leich­ten Holz­haus­struk­tu­ren bei einem Beben als kaum ein­sturz­ge­fähr­det, wie Pro­fes­sor Ike­da in einem zwei­ten Bei­trag aus­führt. Bei einem Brand wür­den die Holz­häu­ser natür­lich kei­nen Schutz bieten.

Wo es gefähr­lich ist

Das gröss­te Pro­blem bezüg­lich der Ein­sturz­ge­fahr sind die Wohn­häu­ser, die vor 1981 gebaut wur­den. Damals erlies­sen die Behör­den stren­ge­re Vor­schrif­ten zum Bau von Wohn­blö­cken. Gera­de die Häu­ser, die auf Säu­len ste­hen, um im Erd­ge­schoss ein offe­nes Park­feld ste­hen zu haben, gel­ten als beson­ders gefähr­lich. Nicht sel­ten sackt das kom­plet­te Gebäu­de bei einem Erd­be­ben ein.

Über­ra­schen­der­wei­se gel­ten gemäss Ike­da unter­ir­di­sche Orte gera­de bei einem Erd­be­ben als äus­serst sicher. Wie die Erfah­rung zeigt, kommt es in den U-Bah­nen oder Unter­füh­run­gen kaum zu Schä­den, weil sich die Schwin­gun­gen bei einem Erd­be­ben auf der Ober­flä­che abspie­len. Bei einem Tsu­na­mi besteht jedoch die Gefahr einer Über­schwem­mung. Doch so sei selbst bei einem Tokai-Erd­be­ben nicht mit einem Tsu­na­mi bis ins Zen­trum der Haupt­stadt zu rechnen.