Zurück­hal­tend feiern?

flickr/​shibuya246Kirsch­blü­ten im Ueno-Park.

In Japan wird Anfang April im gan­zen Land der Früh­ling ein­ge­läu­tet. Unter den Kirsch­blü­ten in den gros­sen Parks tref­fen sich Freun­de und Arbeits­kol­le­gen zu einem feucht-fröh­li­chen Fest. Hana­mi, Blu­men­schau, nen­nen es die Japa­ner. Doch die­ses Jahr ist alles anders.

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«Wir bit­ten Sie um Zurück­hal­tung bei Fest­lich­kei­ten», heisst es auf einer Tafel im Tokio­ter Ueno Park, wo jedess 1,5 Mil­lio­nen Men­schen hin­pil­gern, um die weis­se Pracht der 1200 Kirsch­bäu­me zu bewun­dern. «Nur wegen der Kirsch­blü­ten­zeit ist jetzt nicht der Moment, um etwas zu trin­ken und ange­nehm zu plau­dern», mahnt Tokios Gou­ver­neur Shin­t­a­ro Ishiha­ra gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Jiji, der für eine 4. Amts­zeit kandidiert.

Jis­hu­ku, Selbst­be­schrän­kung, ist ange­sagt in der Haupt­stadt­re­gi­on. Strom­un­ter­bre­chun­gen und teil­wei­se Lie­fer­eng­päs­se für gewis­se Nah­rungs­mit­tel und Was­ser zwin­gen die Tokio­ter dazu (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch für das Kirsch­blü­ten­fest gilt nun Jis­hu­ku.

Kei­ne Vorbereitungen

Die Behör­den in ver­schie­de­nen Bezir­ken ver­zich­ten dar­auf, Beleuch­tun­gen, pro­vi­so­ri­sche Müll­ei­mer und Toi­let­ten in den Kirsch­blü­ten-Parks zu instal­lie­ren. Ein Gross­teil der mobi­len Toi­let­ten muss­te zudem in die Kri­sen­re­gi­on ver­schifft wer­den, wie die Asahi Shim­bun eine Mit­tei­lung der Stadt­be­hör­de von Mus­a­s­hi­no, west­lich von Tokio, zitiert.

Die Mei­nun­gen über die Zurück­hal­tung bezüg­lich des Kirsch­blü­ten­fes­tes sind jedoch geteilt. Die Jis­hu­ku-Frak­ti­on meint, dass gera­de jetzt der Moment der Tokio­ter gekom­men sei, um die Soli­da­ri­tät mit der Kri­sen­re­gi­on zum Aus­druck zu brin­gen. Gou­ver­neur Ishiha­ra, berüch­tigt für sei­ne gewag­ten Aus­sa­gen, ver­glich die der­zei­ti­ge Lage mit der Nach­kriegs­zeit, als es ein «schö­nes Gefühl der Soli­da­ri­tät» unter den Japa­nern gege­ben habe.

Man sehnt sich nach Normalität

Ande­re mei­nen jedoch, dass gera­de jetzt das Leben wei­ter­ge­hen müs­se. «In schwie­ri­gen Zei­ten ist es nur natür­lich, dass man sich nach einer fröh­li­chen Stim­mung sehnt», erklärt der Schrift­stel­ler Rui Yoshi­da der Asahi Shim­bun. Er sieht die Hana­mi-Fest­lich­kei­ten durch­aus als etwas Posi­ti­ves an. «Wenn die Men­schen gesell­schaft­li­chen Umgang pfle­gen, kom­men Gesprä­che in Gang.» So wür­den womög­lich Hilfs­ak­tio­nen entstehen.

Yoshi­da, der über Bars und Rei­sen schreibt, macht gleich­zei­tig noch einen prak­ti­schen Vor­schlag: «Eine rich­ti­ge Form der Unter­stüt­zung wäre Sake aus der betrof­fe­nen Regi­on zu trinken.»

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