Aus­zug: TBS NewsDer über­dach­te Sand­kas­ten: Spie­len im Gebäudeinnern.

In der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma sor­gen sich die Eltern um ihre Kin­der. In einem Fünf­tel der Schu­len aus­ser­halb der Sperr­zo­ne ist die radio­ak­ti­ve Strah­lung teil­wei­se bedenk­lich hoch. Hier lag der Wert an eini­gen Tagen bei gut 20 Mil­li­sie­vert pro Jahr, wie die Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg berich­tet. Das ist soviel, wie einem Arbei­ter in einem Atom­kraft­werk jähr­lich zuge­mu­tet wird (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch Grund­schu­len unter­lie­gen seit April die­sem Wert.

Bei drei Vier­tel der Schu­len in der Prä­fek­tur wer­den Mess­wer­te von 0,6 Mikro­sie­vert pro Stun­de ange­zeigt. Das ist immer noch weit unter dem erlaub­ten Grenz­wert von 3,8 Mikro­sie­vert pro Stun­de, aber den­noch 10 Mal so viel wie in Schu­len der Innen­stadt Tokios. Soll­te selbst die­ser Grenz­wert kurz­fris­tig über­stie­gen wer­den, bedeu­te dies für die Gesund­heit kei­ne Gefahr, heisst es bei der Regierung.

Spie­len im Innern

Der Unter­richt wird in den betrof­fe­nen Schu­len unter stren­gen Auf­la­gen wei­ter­ge­führt. So zum Bei­spiel in einer Pri­mar­schu­le in der Stadt Date, die 60 Kilo­me­ter vom hava­rier­ten AKW weg­liegt. Nur eine Stun­de pro Tag dür­fen sich die Kin­der im Frei­en auf­hal­ten. Die Fens­ter blei­ben geschlos­sen. Anstatt Röcke tra­gen die Mäd­chen Hosen.

Auch in einem Kin­der­gar­ten beim Fuku­shi­ma Col­le­ge in der gleich­na­mi­gen Stadt prä­sen­tiert sich ein ähn­li­ches Bild. Hier spie­len die Kin­der in einem Sand­kas­ten in einer Turn­hal­le mit Erde, die aus der Prä­fek­tur Chi­ba her­an­ge­karrt wur­de, wie TBS News in einer Repor­ta­ge zeigt.Die Schuh­ab­la­ge vor dem Ein­gang wird sorg­fäl­tig mit einem schüt­zen­den Plas­tik abge­deckt. Die Ober­flä­che des Bodens im Innen­hof wur­de bereits abge­tra­gen. Die Grenz­wer­te sei­en hier nicht über­schrit­ten wor­den, ver­si­chert die Schul­lei­tung. Es hand­le sich hier um rei­ne Sicher­heits­mass­nah­men für die Kinder.

Besorg­te Eltern

Die Beden­ken der Eltern und Erzie­her sind damit jedoch nicht aus der Welt geschafft. Hier wür­den Grenz­wer­te für Erwach­se­ne für Kin­der ange­wandt, lau­tet die häu­figs­te Kri­tik. Pro­fes­sor Tosh­i­so Kosa­ko, ein Bera­ter der Regie­rung, trat aus genau die­sem Grund Ende April zurück. Der fest­ge­leg­te Grenz­wert von 20 Mil­li­sie­vert pro Jahr für Grund­schu­len sei nicht verantwortbar.

Auch eine Mut­ter zeigt sich laut der Mai­ni­chi Shim­bun an einem Infor­ma­ti­ons­abend in Fuku­shi­ma ähn­lich besorgt: «Auch nach der Was­ser­stoff­ex­plo­si­on Mit­te März, als die Strah­len­wer­te am höchs­ten waren, hat­te die Regie­rung rein gar nichts unter­nom­men.» Der Regie­rung mag sie kei­nen Glau­ben mehr schen­ken: «Soll­ten unse­ren Kin­dern in Zukunft etwas zustos­sen, wird es wohl heis­sen, dass man dies nicht vor­her­se­hen konn­te.» Aus die­sem Grund for­dert eine Eltern­grup­pe in einer Peti­ti­on von Gou­ver­neur Yuhi Sato die beson­ders betrof­fe­nen Kin­der­gär­ten und Pri­mar­schu­len vor­sichts­hal­ber umzu­sie­deln. Noch hat Sato kei­ne Ent­schei­dung getroffen.

Inzwi­schen hat die Regie­rung in Tokio gemäss der Asahi Shim­bun als eine Sicher­heits­mass­nah­me in den Schul­hö­fen meh­re­ren Schu­len und Kin­der­gär­ten in der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma begon­nen, die Ober­flä­che der Erde sys­te­ma­tisch abzu­tra­gen. Aus­ser­dem wür­den Kli­ma­an­la­gen instal­liert, wo die Fens­ter nicht geöff­net wer­den dürfen.