flickr/​david­reidBald schon eine Frau an der Spit­ze? Spit­zen­kan­di­da­tin Tsai Ing-wen

Letz­te Woche gab Tai­wans Oppo­si­ti­ons­par­tei DPP ihre offi­zi­el­le Kan­di­da­tin für die Prä­si­dent­schafts­wah­len im Janu­ar bekannt. Die Par­tei­vor­sit­zen­de Tsai Ing-wen konn­te sich in der Vor­wahl knapp gegen den ehe­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter Su Tseng-chang durch­set­zen. Sie ist damit die ers­te Frau, die fürs Prä­si­dent­schafts­amt kandidiert.

Tsai über­nahm die Füh­rung der Par­tei vor rund 3 Jah­ren, nach­dem die DPP wegen Kor­rup­ti­ons­skan­da­len um Prä­si­dent Chen Shubi­an sowie schlech­ten Wahl­er­geb­nis­sen am Boden lag. Um nichts dem Zufall zu über­las­sen, beauf­trag­te die DPP Ende April fünf Mei­nungs­in­sti­tu­te, die wäh­rend zwei Tagen Tai­wans Wäh­ler befrag­ten. Tsai führ­te im Ergeb­nis mit rund einem Pro­zent Vor­sprung gegen­über dem ehe­ma­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter Su Tseng-chang, berich­te­te die tai­wa­ni­sche Nach­rich­ten­agen­tur CNA.

Kon­tro­ver­se um sexu­el­le Orientierung

Vor der Tele­fon­um­fra­ge for­der­te der ehe­ma­li­ge DPP-Vor­sit­zen­de und bekann­te Demo­kra­tie­ak­ti­vist Shi Ming-teh die ledi­ge Tsai auf ihre sexu­el­le Ori­en­tie­rung bekannt zu geben (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Tsai wei­ger­te sich Shis Fra­ge zu beant­wor­ten und sag­te, sie wol­le sich nicht zur Kom­pli­zin der sexu­el­len Unter­drü­ckung machen.

Anstatt ihr zu scha­den, hät­ten Shis Vor­wür­fe ihr wohl eher genützt, fan­den eini­ge TV-Kom­men­ta­to­ren. Ins­be­son­de­re bei jun­gen Tai­wa­nern und ledi­gen Frau­en hät­te Tsa­is Reak­ti­on ihr womög­lich zu Sym­pa­thie­punk­ten ver­hol­fen. Die 54-jäh­ri­ge konn­te sich auch als umwelt­freund­li­che Poli­ti­ke­rin prä­sen­tie­ren. So setz­te sie sich gegen den Bau eines umstrit­te­nen Petro­che­mie­werks in Mit­tel­tai­wan ein und ver­kün­de­te, dass Tai­wan bis 2025 ein atom­strom-frei­es Land wer­den sol­le, so die tai­wa­ni­sche Tages­zei­tung The Liber­ty Times.

Chi­na-Poli­tik entscheidend

Am meis­ten unter­schei­det sich die DPP gegen­über der Regie­rungs­par­tei Kuomin­tang (KMT) aber in ihrem kri­ti­schen Umgang mit Fest­land­chi­na. Unter Prä­si­dent Ma Ying-jeou haben sich Tai­wans Bezie­hun­gen zu Fest­land­chi­na merk­lich ver­bes­sert. So kam ein Han­dels­ab­kom­men zwi­schen bei­den Sei­ten der Tai­wan­stras­se zustan­de, in dem Zöl­le abge­baut und Inves­tio­nen erleich­tert wer­den. Aus­ser­dem sor­gen chi­ne­si­sche Besu­cher für einen Boom in der tai­wa­ni­schen Tourismusindustrie.

Doch vor allem in Tai­wans Süden, der als DPP-Hoch­burg gilt, sieht man die enge­ren Bezie­hun­gen zum gros­sen Nach­bar skep­tisch und hofft auf ein Ende von Mas Amts­zeit. Tsai Ing-wens Par­tei wirft dem Prä­si­den­ten vor, mit sei­nem chi­na-freund­li­chen Kurs Tai­wans Sou­ve­rä­ni­tät zu opfern. Die Oppo­si­ti­on ver­weist unter ande­rem auf die 1500 Rake­ten, die die Volks­re­pu­blik auf Tai­wan gerich­tet hat. Chi­na sieht die Insel als abtrün­ni­ge Pro­vinz, die es wenn nötig mit mili­tä­ri­scher Gewalt von einer for­mel­len Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung abhal­ten will.