«Schlag­wör­ter genü­gen nicht»

flickr/​San­do­CapAus­stieg wann? Ein Anti-AKW-Pla­kat in Tokio.

Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan ver­kün­de­te in einer Grund­satz­er­klä­rung den stu­fen­wei­sen Aus­stieg Japans aus der Kern­ener­gie (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Abhän­gig­keit von der Kern­kraft müs­se schritt­wei­se gesenkt wer­den, so dass in Zukunft eine Gesell­schaft ver­wirk­licht wer­den kön­ne, die ohne Atom­kraft­wer­ke auskomme.

Einen Tag spä­ter prä­zi­sier­te Kabi­nett­se­kre­tär Yukio Eda­no die Aus­sa­gen sei­nes Chefs. Eine Gesell­schaft ohne Atom­kraft sei ledig­lich eine Hoff­nung für die fer­ne Zukunft. Kans Bemer­kung sei viel­mehr als Beginn einer natio­na­len Debat­te zu ver­ste­hen. Dies scheint dem Pre­mier­mi­nis­ter bes­tens gelun­gen zu sein. In Leit­ar­ti­keln nah­men die gros­sen japa­ni­schen Tages­zei­tun­gen bereits vor der Prä­zi­sie­rung Eda­nos aus­führ­lich Stel­lung zum Thema.

Loben­de und kri­ti­sche Worte

«Es han­delt sich hier um eine gros­se poli­ti­sche Kehrt­wen­de», bezeich­ne­te die Asahi Shim­bun die Erklä­rung von Nao­to Kan. Die gros­se Tages­zei­tung begrüs­se und unter­stüt­ze die Absich­ten des Pre­mier­mi­nis­ters. Es sei zwei­fel­los so, dass sich alter­na­ti­ve Ener­gi­en sprung­haft ver­brei­ten und die Abhän­gig­keit der AKW ver­rin­gert wer­den müs­se. Auch die Mai­ni­chi Shim­bun «schätzt und unter­stützt» die Grund­satz­re­de von Nao­to Kan. Damit enden aber die loben­den Worte.

Zu vie­les ist am Tag nach Kans Aus­stiegs­plä­nen unklar. «Bei der Rede von Nao­to Kan fehlt es an kon­kre­tem», fährt die Mai­ni­chi Shim­bun fort und fragt kri­tisch nach: «Wann genau meint er mit ‹in der Zukunft›?» Und wie genau wol­le er die alter­na­ti­ven Ener­gi­en fördern?

Die Tages­zei­tung hat ihre Zwei­fel, dass der Atom­aus­stieg auch wirk­lich im Kabi­nett aus­führ­lich dis­ku­tiert wur­de. So habe der Pre­mier vor­be­merkt, dass es sich bei die­sen Wor­ten um sei­ne per­sön­li­chen Gedan­ken hand­le. «Es ist daher unge­wiss, ob es sich um ein Poli­tik der Regie­rung han­delt.» Mit dem bal­di­gen Rück­tritt von Nao­to Kan sei daher zu befürch­ten, dass «der Atom­aus­stieg mit sei­ner per­sön­li­chen Mei­nungs­äus­se­rung endet.»

Was meint die Regie­rungs­par­tei dazu?

Auch der Asahi Shim­bun fehlt es an poli­ti­schem Kon­sens inner- und aus­ser­halb der Regie­rungs­par­tei. «Es han­delt sich hier um einen plötz­li­chen Ent­scheid des Pre­miers.» Hier sei­en nicht wie üblich lan­ge Dis­kus­sio­nen zwi­schen Kabi­nett und der Regie­rungs­par­tei der Demo­kra­ten (DPJ) vorausgegangen.

Gera­de die DPJ habe in der Ver­gan­gen­heit eine unbe­stän­di­ge Linie in der Ener­gie­po­li­tik ver­folgt. Als Oppo­si­ti­ons­par­tei bezeich­ne­te sie die Kern­kraft als «Über­gangs­en­er­gie», als Regie­rungs­par­tei unter Kan wur­de plötz­lich der Aus­bau der Atom­ener­gie beschlos­sen und der Ver­kauf der Tech­no­lo­gie ins Aus­land als Wachs­tums­stra­te­gie fest­ge­legt. Und nun die erneu­te Kehrt­wen­de. Die DPJ müs­se daher grund­le­gend über ihre Posi­ti­on dis­ku­tie­ren, schreibt die Asahi Shim­bun. «Ansons­ten blei­ben die Wor­te des Pre­miers eine Fiktion.»

Die Kri­tik der Yomi­uri Shimbun

Nicht nur als Fik­ti­on, son­dern als «unver­ant­wort­lich» bezeich­net die gröss­te japa­ni­sche Tages­zei­tung, die Yomi­uri Shim­bun, die Wor­te von Nao­to Kan. Der Pre­mier scha­de mit die­sem Ent­scheid der Wirt­schaft. Die Unter­neh­men wür­den durch die höhe­ren Strom­prei­se ins Aus­land zie­hen. «Um den Nie­der­gang der Wirt­schaft zu ver­hin­dern, ist es unver­meid­lich, dass wir die AKW wei­ter­be­trei­ben», fol­gert die Yomi­uri Shim­bun. Sie ver­mu­tet hin­ter dem Ver­spre­chen von Kan den Ver­such, sei­ne Amts­zeit zu ver­län­gern. «Eine Effekt­ha­sche­rei, die nur für viel Cha­os sorgt.»

Auch die Asahi Shim­bun warnt vor lee­ren Ver­spre­chun­gen: «Nach dem der schlimms­te Atom­un­fall Rea­li­tät wur­de, genü­gen Schlag­wör­ter nicht mehr.» Die Tages­zei­tung for­dert die kon­kre­te Aus­ar­bei­tung einer Aus­stiegs­po­li­tik. Die­se müs­se unab­hän­gig von der Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit zum gemein­sa­men Ziel erklärt wer­den. Nur so kön­ne der ein­ge­schla­ge­ne Weg, unge­ach­tet davon, wer der nächs­te Pre­mier­mi­nis­ter wer­de, kon­se­quent beschrit­ten werden.

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