Die Hälf­te ist geschafft

Foto: Tho­mas Köh­lerDie Hälf­te ist geschafft: Tho­mas Köh­ler wird von den Men­schen in Itoi­ga­wa empfangen.

Herr Köh­ler, die Hälf­te der Stre­cke ist geschafft. Wie füh­len sie sich? Und wie­viel Kilo leich­ter sind Sie inzwischen?

Ich füh­le mich sehr gut und bin nach wie vor noch top moti­viert. Abge­nom­men habe ich nicht mehr als 2 Kilo, denn in Japan gibt es ja so vie­le Köst­lich­kei­ten, dass man auch mit einem hohen Kalo­ri­en­ver­brauch sich gut und gesund ernäh­ren kann.

An alle Leser: Durch die aktu­el­le Lage sind die Ein­nah­men, die die­sen Blog getra­gen haben, weg­ge­bro­chen. Auf­ge­ben wer­de ich nicht. Ich blei­be täg­lich dran, bis die­se Kri­se über­stan­den ist und dar­über hin­aus. Hier­zu brau­che ich Ihre Hil­fe. Jeder Bei­trag trägt dazu bei, dass die­ses täg­li­che Stück Japan auch nach 11 Jah­ren wei­ter­exis­tiert – unab­hän­gig, kos­ten­los und frei von Goog­­le-Wer­be­ban­­nern. Herz­li­chen Dank und blei­ben Sie gesund!

Was hat sich für Sie per­sön­lich seit dem Start ihrer Rei­se vor über 2 Mona­ten verändert?

Nun ja, das ist kei­ne ein­fa­che Frage…bestimmt habe ich mich an einen ande­ren Lebens­rhyth­mus gewöhnt und gehe auch viel gelas­se­ner auf die Leu­te zu, ansons­ten bin ich immer noch derselbe.

Wel­cher Ort hat sie am meis­ten beeindruckt?

Als Ort gefiel mir Yuda­n­a­ka und Itoi­ga­wa sehr gut. Yuda­n­a­ka wegen den Ber­gen und Itoi­ga­wa wegen sei­ner land­schaft­li­chen Viel­falt, mit sei­nen Ber­ge gleich am Meer, den Grün­flä­chen und den Reisfeldern.

Wel­ches war der schöns­te Moment?

Es gab sehr vie­le schö­ne Momen­te, aber das Fest in Itoi­ga­wa war mit sei­ner Herz­lich­keit und Ori­gi­na­li­tät sehr sehr ein­drück­lich und schön. Sogar eine Alp­horn­blä­ser-Grup­pe kam aus Mats­um­o­to ange­reist! Und, eine Dele­ga­ti­on der Schwei­zer Bot­schaft zeig­te auch sehr viel Enga­ge­ment und wir hat­ten wirk­lich eine tol­le Zeit zusammen.

Wel­ches war der schwie­rigs­te Moment?

Mein schwie­rigs­te Moment waren gewis­se Tage vor dem 15. Tai­fun, wo es extrem feucht­heiss war. Kaum waren die Klei­der gewa­schen, kleb­ten sie schon wie­der am Kör­per und trock­ne­ten auch über Nacht nicht. Auch das Über­nach­ten im Zelt war eine Qual, ich konn­te wirk­lich nur weni­ge Stun­den schlafen.

Sie sind in zahl­rei­chen japa­ni­schen Zei­tun­gen erschie­nen, auch im Radio und im Fern­se­hen. Erken­nen Sie die Leu­te mitt­ler­wei­le auf der Strecke?

Manch­mal wer­de ich erkannt, aber nicht viel.

Wie neh­men Sie die Men­schen auf?

Immer sehr posi­tiv, unter­stüt­zend und mit viel Freund­lich­keit. Ich bin nach wie vor erstaunt, wie nett und freund­lich die­se Men­schen hier sind. Das Herz und nicht das Geld zählt in die­sem Land!

Wel­che neu­en Sei­ten von Japan haben Sie kennengelernt?

Ich bin natür­lich schon vor mei­nem Marsch sehr oft nach Japan gereist, des­halb ist für mich nichts wirk­lich neu.

Haben sich mitt­ler­wei­le Spon­so­ren für ihre Rei­se fin­den lassen?

Mam­mut hat mich für den Win­ter gross­zü­gig ein­ge­klei­det, dafür bin ich auch sehr dank­bar. Und, auf mei­nem Blog habe ich ein paar Gön­ner, die ihre Ban­ner für einen Mini­mal­be­trag anbrin­gen konn­ten. Die 60’000er-Klickmarke wird in den nächs­ten Tagen erreicht sein und so auch immer eine inter­es­san­te­re Werbeplattform.

Wie fin­den Sie eigent­lich einen Zelt­platz? Japan ist ja nicht gera­de berühmt fürs Cam­ping. Wie gehen Sie da vor?

Ich ori­en­tie­re mich immer nach Zelt­plät­zen oder den soge­nann­ten Michi-no-eki-Rast­stät­ten, wo ich dann den Chef um Erlaub­nis bit­te mein Zelt auf­zu­schla­gen. Das geht immer ganz gut.

Haben Sie nie ans Auf­ge­ben gedacht? Sind nie Zwei­fel aufgekommen?

Nein, ich habe noch nie ans Auf­ge­ben gedacht. Ich hat­te auch noch nie Zwei­fel, nicht im gerings­ten. Manch­mal den­ke ich sogar, dass es mir zu schnell geht und ich auf kei­ne Fall ans Ende den­ken möch­te. Es ist ein­fach toll in die­sem Land!

Wann wer­den sie unge­fähr das Ziel errei­chen? Wird es ein Fest geben?

Wie bereits erwähnt, möch­te ich noch nicht ans Ziel den­ken. Nun ja, es wird wahr­schein­lich Ende Dezem­ber wer­den, aber ich kann es wirk­lich nicht genau sagen. Es ist auch kein Pro­blem für mich, wenn es Janu­ar wird, denn schliess­lich bin ich nicht an einem Wett­lauf. Ich möch­te jeden Tag das Japan zei­gen, wie ich es sehe und ich freue mich auch, dass mei­ne Absicht ver­stan­den wird, denn Japan kann man ohne Pro­ble­me berei­sen. Ich den­ke schon, dass es in irgend­ei­ner Form ein Fest geben wird. Es hängt vom Zeit­punkt ab, viel­leicht in Tokio mit der Schweiz. Bot­schaft. Aber, es ist noch über­haupt nichts bestimmt, denn die ers­te Wich­tig­keit für mich ist, dass ich gesund am Kap Sata ankom­me und das dau­ert noch eine gan­ze Weile.

Tho­mas Köh­ler mar­schiert von der Nord­spit­ze Hok­kai­dos bis zur Süd­spit­ze Kyus­hus. 2900 Kilo­me­ter wird er bis im Dezem­ber zu Fuss zurück­ge­legt haben, «um posi­ti­ve Signa­le aus Japan zu sen­den und zu zei­gen, dass hier nicht alles Fuku­shi­ma ist.» Denn Japan ist noch immer eine Rei­se wert, ist Rei­se­fach­mann Köh­ler mehr denn je über­zeugt. In einem Blog hält er sei­ne täg­li­chen Erleb­nis­se fest. Und auch für Asi­en­spie­gel bloggt Tho­mas Köh­ler regel­mäs­sig über die Rei­se sei­nes Lebens.

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