Screen­shot: Youtube/​Kono­ha­Don­bu­riRet­tungs­ar­bei­ter auf dem Gelän­de des AKW Fuku­shi­ma I.

Exakt 8 Mona­te nach der Tsu­na­mi-Kata­stro­phe wur­den erst­mals Jour­na­lis­ten auf das Gelän­de des hava­rier­ten AKW Fuku­shi­ma I gelas­sen. Für Betrei­ber Tep­co ging es dar­um zu zei­gen, dass die Arbei­ten vor­an gehen und alles so weit in Ord­nung ist.

Das J-Vil­la­ge, die ehe­ma­li­ge von Tep­co finan­zier­te natio­na­le Sport­aus­bil­dungs­stät­te, ist zu einem logis­ti­schen Haupt­zen­trum für die Ret­tungs­ar­bei­ten gewor­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Hier ist der offi­zi­el­le, streng bewach­te Ein­gang zur 20-Kilo­me­ter-Sperr­zo­ne (ein Video dazu hier).

Eine rosi­ge Welt

Im J-Vil­la­ge wer­den die Ret­tungs­ar­bei­ten emp­fan­gen und anhand neu­es­ter, den Jour­na­lis­ten prä­sen­tier­ten Maschi­nen auf Strah­lung getes­tet. Eine neu ein­ge­rich­te­te Schlaf­stät­te und ein Kan­ti­ne sol­len die Ruhe­pau­sen ange­neh­mer machen.

Täg­lich sind hier 2100 Arbei­ter am Werk, um die Fol­gen der drei Kern­schmel­zen ein­zu­däm­men. Einer von ihnen bestä­tigt gegen­über ANN News, dass alles ein biss­schen bes­ser gewor­den ist. «Man sieht, dass sich die Lage hier sta­b­li­siert hat.»

Unzu­frie­den­heit unter den Rettungsarbeitern

Doch hin­ter der rosi­gen Fas­sa­de herrscht Unzu­frie­den­heit und Unsi­cher­heit, wie die Japan Times berich­tet. So haben Ret­tungs­ar­bei­ter dem Lokal­a­bge­ord­ne­ten der Gross­stadt Iwa­ki, die am süd­li­chen Küs­ten­rand der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma liegt, von äus­serst schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen berichtet.

Vie­le der Ret­tungs­ar­bei­ter sind bei Sub­un­ter­neh­men von Tep­co ange­stellt. Oft fehlt es ihnen an einer Arbeits- und Kran­ken­ver­si­che­rung. Ein Umstand, der ille­gal ist, aber ger­ne vor­kom­me. Zudem berich­ten eini­ge, dass sie ihren Arbeits­ver­trag nur münd­lich abge­schlos­sen hätten.

Gefähr­li­cher Ver­schleiss an Fachkräften

Ein wei­te­res Pro­blem ist der unglaub­li­che Ver­schleiss an Arbeits­kräf­ten. Wenn ein Ret­tungs­ar­bei­ter ein­mal die kri­ti­sche Strah­len­li­mi­te erreicht hat, wird er von den Sub­un­ter­neh­mern ein­fach ent­las­sen – ohne jeg­li­che Garan­ti­en für eine wei­te­re Beschäf­ti­gung oder eine zusätz­li­che Betreu­ung. Bei 40 Mil­li­sie­vert ist gewöhn­lich Schluss.

Mit den zahl­rei­chen Abgän­gen ver­liert Tep­co gleich­zei­tig auch viel gut aus­ge­bil­de­te Ret­tungs­ar­bei­ter, die zuneh­mend durch uner­fah­re­ne Kol­le­gen ersetzt wer­den müs­sen. Dabei wären Fach­kräf­te bit­ter nötig, um den Gefah­ren­herd unter Kon­trol­le zu halten.

Mensch­li­ches Versagen

Unter die­sen Umstän­den erhöht sich lang­fris­tig die Gefahr eines mensch­li­chen Feh­lers, der zu wei­te­ren Kom­pli­ka­tio­nen füh­ren könn­te. «Rund 90 Pro­zent der Unfäl­le in einem AKW pas­sie­ren durch mensch­li­ches Ver­sa­gen», erklärt Yuki­te­ru Naka, der mit sei­ner Fir­ma selbst Ret­tungs­ar­bei­ter ins AKW-Are­al ent­sen­det, der Japan Times. «Mensch­li­ches Ver­sa­gen bedeu­tet meis­tens, dass es an erfah­re­nen Arbei­tern fehlt, wel­che die Situa­ti­on unter Kon­trol­le hal­ten könnten.»