Bild: sun​-field​.comEin Bild aus bes­se­ren Zei­ten: Der Sun­field Nihon­matsu Golfklub.

Das Sun­field Nihon­matsu Golf­klub liegt exakt 45 Kilo­me­ter vom hava­rier­ten AKW Fuku­shi­ma 1 ent­fernt. Es han­delt sich um kein Sperr­ge­biet, doch seit dem 12. März hat kein Gol­fer mehr den Rasen betre­ten. Wie die Asahi Shim­bun Wee­kly Area berich­tet, woll­te man die Anla­ge im Juli wie­der­eröff­nen, doch die Stadt­be­hör­den von Niho­matsu mas­sen auf dem Gelän­de eine Radio­ak­ti­vi­tät von 2,91 Mikro­sie­vert pro Stun­de. Eine unab­hän­gi­ge Mess­fir­ma bestä­tig­te einen extrem hohen Cäsiums-Gehalt.

Die bei­den Besit­zer­fir­men des Sun­field Nihon­matsu Golf­klubs klag­ten in der Fol­ge den AKW-Betrei­ber Tep­co ein. Der Kon­zern sol­le für die Dekon­ta­mi­nie­rung des Golf­ge­län­des und eine Ent­schä­di­gung aufkommen.

Die Argu­men­te von Tepco

Tep­co sah dies jedoch ganz anders und lis­te­te dabei eine gan­ze Rei­he von dreis­ten Argu­men­ten auf. Die vom AKW Fuku­shi­ma 1 aus­ge­tre­te­nen und her­un­ter­ge­fal­le­nen radio­ak­ti­ven Sub­stan­zen gehör­ten nicht Tep­co, son­dern den betrof­fe­nen Land­be­sit­zern, liess der Kon­zern gemäss Asahi Shim­bun Wee­kly Area verlauten.

Aus­ser­dem sei­en die Mess­me­tho­den der Stadt anzu­zwei­feln und ohne­hin sei die gemes­se­ne Radiao­ak­ti­vi­tät auf dem Golf­platz kei­ne Gefahr für die Gesund­heit. Die natür­li­che Strah­lung sei auf ande­ren Golf­plät­zen die­ser Welt höher.

Das wider­sprüch­li­che Urteil

Das Bezirks­ge­richt Tokio wies Tep­cos Argu­men­te über den Besit­zer der Radio­ak­ti­vi­tät und die Zwei­fel an den Mess­me­tho­den zwar zurück. Gleich­zei­tig jedoch befrei­te das Gericht den AKW-Kon­zern von der Ver­ant­wor­tung, für die Dekon­ta­mi­na­ti­on aufzukommen.

Noch gebe es kei­ne klar fest­ge­leg­ten Leit­li­ni­en über die genau Vor­ge­hens­wei­se bei der Dekon­ta­mi­nie­rung der Böden, zitiert die Nach­rich­ten­agen­tur Jiji News das Gerichts­ur­teil. Das Gericht kön­ne daher Tep­co nicht anord­nen, die Säu­be­rungs­ar­bei­ten vor­zu­neh­men. Die Ver­ant­wor­tung der Dekon­ta­mi­nie­rung lie­ge beim Staat.

Auch die For­de­rung nach Ent­schä­di­gung für den Golf­klub wur­de zurück­ge­wie­sen. Die Radio­ak­ti­vi­tät sei mit 2,91 Mikro­sie­vert pro Stun­de unter dem Grenz­wert von 3,8 Mikro­sie­vert gele­gen. Der Golf­klub kön­ne durch­aus betrie­ben werden.

Urteil wei­ter­ge­zo­gen

Die Golf­klub­be­sit­zer haben das Urteil inzwi­schen an die nächs­te Instanz wei­ter­ge­zo­gen. Die Argu­men­ta­ti­on von Tep­co sei empö­rend. Man habe den Betrieb ein­ge­stellt, um die Ange­stell­ten und die Kun­den zu schüt­zen. Auch die Behör­den befürch­ten bei einer Bestä­ti­gung die­ses Urteils einen Prä­ze­denz­fall, der die künf­ti­gen Kos­ten für die Dekon­ta­mi­nie­rung ins Uner­mess­li­che stei­gen las­sen könnte.

Bereits jetzt sind die Behör­den dran in der gan­zen Prä­fek­tur Fuku­shi­ma bis zu 28 Mil­lio­nen Kubik­me­ter Erde abzu­tra­gen. Die Regie­rung rech­net allei­ne dafür mit einem Auf­wand von min­des­tens 9 Mil­li­ar­den Euro. Ein End­la­ger für die ver­seuch­te Erde gibt es noch nicht (Asi­en­spie­gel berich­te­te).