flickr/​kar­ma-poli­ceBlick auf die Sky­line von Tokio.

Bis­lang ging die japa­ni­sche Regie­rung davon aus, dass Tokio in den nächs­ten 30 Jah­ren mit einer 70-pro­zen­ti­gen Wahr­schein­lich­keit von einem gros­sen Erd­be­ben bis zur Stär­ke 9 erfasst wird. Die Erd­be­ben­for­scher der Uni­ver­si­tät Tokio haben die­sen Zeit­rah­men nun revi­diert, wie die Asahi Shim­bun berichtet.

Gemäss ihren Berech­nun­gen muss die japa­ni­sche Haupt­stadt in den nächs­ten 4 Jah­ren mit dem schlimms­ten rech­nen. Die Wahr­schein­lich­keit für ein Beben die­ser Grös­sen­ord­nung lie­ge in die­sem Zeit­rah­men bei hohen 70 Pro­zent. Für die nächs­ten 30 Jah­ren liegt der Wert gar bei 98 Prozent.

Der 11. März als Grund

Der Grund dafür ist der 11. März. Das dama­li­ge Beben im Nord­os­ten Japans hat die Insel nicht nur tie­fer gelegt und ver­scho­ben (Asi­en­spie­gel berich­te­te), son­dern auch deut­li­che Spu­ren am Mee­res­bo­den hin­ter­las­sen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Hin­zu kommt die sta­tis­tisch bestä­tig­te Häu­fung klei­ner Beben in der Gross­re­gi­on Tokio seit dem 11. März 2011. Dies sei gemäss den For­schern der Uni­ver­si­tät Tokio ein Hin­weis auf ein gros­ses Erd­be­ben in naher Zukunft. Den genau­en Ort des Epi­zen­trums kön­nen aber selbst die Erd­be­ben­for­scher nicht vorhersagen.

Stark ver­bes­ser­te Prävention

Tokio hat gera­de in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten die Erd­be­ben­prä­ven­ti­on stark aus­ge­baut. Noch 1988 rech­ne­ten die Behör­den mit 150’000 Todes­op­fer, soll­te der­einst das Epi­zen­trum eines grös­se­ren Erd­be­bens unter Tokio lie­gen, wie Wirt­schafts­pro­fes­sor Nobuo Ike­da von der Uni­ver­si­tät Jou­bu in einem Blog­bei­trag schrieb.

Durch die ver­bes­ser­ten Schutz­mass­nah­men für Gebäu­de und Infra­struk­tur konn­te die­se düs­te­re Pro­gno­se in der Zwi­schen­zeit mas­siv redu­ziert werden.2005 ging das Komi­tee für Kata­stro­phen­ver­hü­tung im Fal­le eines Bebens der Stär­ke 7,3 in Tokio noch von 11’000 Toten und 850’000 beschä­dig­ten Häu­sern aus. Der finan­zi­el­le Scha­den wür­de sich laut der Finan­ci­al Times auf 112 Bil­lio­nen Yen (935 Mia. Euro) belaufen.

Das Feu­er als Gefahr

57 Pro­zent der Todes­op­fer wür­den auch nach neus­ten Ein­schät­zun­gen nicht unmit­tel­bar durch das Erd­be­ben, son­dern durch die Fol­gen einer Feu­ers­brunst umkom­men. Bereits bei der Pro­gno­se von 1988 sahen die Behör­den die Brän­de nach dem Beben als die gröss­te Gefahr.

Denn so war es auch beim Gros­sen Kan­to-Erd­be­ben, das am 1. Sep­tem­ber 1923 die gesam­te Stadt Tokio in Schutt und Asche leg­te. Ein Gross­teil der über 100’000 Toten kam damals wegen der aus­ge­bro­che­nen Feu­er ums Leben.