flickr/​aurelio.asiainEin Leben für Japan: Donald Kee­ne in Tokio.

Donald Kee­ne ist der Über­va­ter aller Japa­no­lo­gen. Die japa­ni­sche Spra­che erlern­te er als US-Auf­klä­rungs­of­fi­zier wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs. Sie wür­de ihn nie mehr los­las­sen. Nach sei­ner Zeit bei der Mari­ne wur­de er zum Gelehr­ten für japa­ni­sche Lite­ra­tur und Kul­tur. 56 Jah­re lang lehr­te er als Pro­fes­sor an der renom­mier­ten Colum­bia Uni­ver­si­ty in New York.

In die­ser Zeit hat er über 50 aka­de­mi­sche Bücher in eng­li­scher und japa­ni­scher Spra­che ver­fasst. Die japa­ni­sche Regie­rung zeich­ne­te Kee­ne mehr­fach für sei­ne Ver­diens­te aus. Zuletzt schrieb er 2008 mit Chro­ni­cles of my Life sei­ne Memoiren.

Die Drei­fach­ka­ta­stro­phe vom 11. März ver­än­der­te auch das Leben des mitt­ler­wei­le 89-jäh­ri­gen Donald Kee­ne. Er gab sei­nen Pos­ten als Pro­fes­sor bei der Colum­bia Uni­ver­si­ty auf und zog nach Japan, «für immer», wie er auf einer Pres­se­kon­fe­renz kurz nach sei­ner letz­ten Vor­le­sung in New York ver­kün­de­te. Er woll­te etwas zurück­ge­ben. «Ich woll­te zusam­men mit den Japa­nern durch die­se har­te Zeit. Die Men­schen in Japan haben sich stets gut um mich gekümmert.»

Nach 4 Mona­ten Japaner

In Tokio ange­kom­men, bean­trag­te Kee­ne im Novem­ber 2011 schliess­lich die japa­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. Mit sei­nen 89 Jah­ren schien er sich nicht mehr sicher, ob die­ser Wunsch noch in Erfül­lung gehen wür­de. Denn die Müh­len der japa­ni­schen Immi­gra­ti­ons­be­hör­den mah­len lang­sam. «Mit mei­nen 89 Jah­ren bleibt mir nicht mehr viel Zeit», soll er laut Yomi­uri Shim­bun sei­nen Freun­den gesagt haben.

Für Kee­ne mach­te das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um eine Aus­nah­me. Nach nur 4 Mona­ten War­te­zeit erteil­te es dem US-Bür­ger die japa­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. Aus Donald Kee­ne wur­de Kiin Dona­ru­do, so steht es in der Sil­ben­schrift Kat­aka­na in sei­nem neu­en Pass geschrie­ben. Die japa­ni­sche Öffent­lich­keit nahm ihn mit offe­nen Armen auf.

Für Per­sön­lich­kei­ten wie Kee­ne, die sich über Jahr­zehn­te hin­weg um die japa­ni­sche Kul­tur ver­dient gemacht haben, kann das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um die lang­wie­ri­ge Ein­bür­ge­rungs­pro­ze­dur umge­hen. Auch für Sumo-Rin­ger oder talen­tier­te Fuss­ball­spie­ler gibt es die­se Abkür­zung. Ein sol­cher Weg ist aber die gros­se Ausnahme.

Hohe Hür­den

Die Hür­den für die Erlan­gung der Staats­bür­ger­schaft in einem Land, das kei­ne Immi­gra­ti­on kennt, sind gewöhn­lich hoch, wie die Mai­ni­chi Shim­bun aus­führt. Will ein Aus­län­der Japa­ner wer­den, muss er gewöhn­lich eini­ge Jah­re in Japan gelebt haben und über einen ein­wand­frei­en Leu­mund ver­fü­gen. Steu­ern, Straf­re­gis­ter, Fami­li­en­ge­schich­te, alles wird durchleuchtet.

Hin­zu kom­men gute Kennt­nis­se der japa­ni­schen Spra­che, schrift­lich wie auch münd­lich. Der Bewer­ber muss zudem die Grün­de für sei­nen Ent­schluss über­zeu­gend dar­le­gen kön­nen und sich ver­pflich­ten nach dem Erhalt des Pas­ses min­des­tens 5 Jah­re in Japan zu leben. Über 10 Doku­men­te wird der Bewer­ber am Ende ein­rei­chen müs­sen. Ein Inter­view durch die Behör­den wird eben­falls fäl­lig. Min­des­tens 10 Mona­te dau­ert in Japan ein gewöhn­li­cher Einbürgerungsprozess.

Meist Korea­ner oder Chinesen

Ein­fa­cher geht es übri­gens, wenn min­des­tens ein Eltern­teil oder ein direk­ter Vor­fah­re Japa­ner ist. Gemäss dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bewar­ben sich im letz­ten Jahr 11’008 Aus­län­der für die japa­ni­sche Staats­bür­ger­schaft. Erhal­ten haben den Pass 10’359 Per­so­nen, dar­un­ter 5656 Nord- oder Süd­ko­rea­ner und 3259 Chi­ne­sen. Vie­le von ihnen leben seit Gene­ra­tio­nen im Land.