Screen­shot: Al-Jaze­e­ra Bal­kansWeit weg von Pjöng­jang: Kim Han-sol.

Ein­zig sei­ne run­den Backen und sei­ne Bril­le erin­nern an den ver­stor­be­nen Gross­va­ter und nord­ko­rea­ni­schen Macht­ha­ber Kim Jong-il. Ansons­ten hat der 16-jäh­ri­ge Kim Han-sol nur weni­ge Gemein­sam­kei­ten. In der Stadt Mostar in Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na besucht er seit Okto­ber letz­ten Jah­res eine inter­na­tio­na­le Schu­le. Der Bal­kan­staat unter­hält freund­schaft­li­che Bezie­hun­gen mit Nordkorea.

Hier hat der bos­ni­sche Able­ger von Al-Jaze­e­ra Kim Han-sol für ein Por­trät auf­ge­spürt. Sein Eng­lisch ist flies­send. Er scheint sich gut ein­ge­lebt zu haben. Sei­ne Freun­de kom­men aus aller Welt. Man könn­te mei­nen, er sei ein gewöhn­li­cher Austauschstudent.

Der 16-Jäh­ri­ge besucht in Mostar das United World Col­le­ge, das sich die Ver­mitt­lung von Welt­of­fen­heit und Tole­ranz zum Ziel gesetzt hat. Bei Kim Han-sol scheint das Pro­gramm zu wir­ken. «Durch die Erzäh­lun­gen mei­ner Schul­freun­de aus aller Welt hat sich mei­ne per­sön­li­che Ein­stel­lung geän­dert. Ich habe eine neue Denk­wei­se ange­nom­men», sagt er dem Sen­der. Bevor er an die Uni­ver­si­tät gehe, wol­le er zudem noch Frei­wil­li­gen­ar­beit leisten.

Berüch­tig­ter Vater

Kim Han-sol ist kaum noch in Nord­ko­rea. Sein Vater Kim Jong-nam, der Erst­ge­bo­re­ne von Kim Jong-il, hat es sich mit der Dik­ta­to­ren­fa­mi­lie ver­spielt, als er 2001 nach einem Besuch im Tokio­ter Dis­ney­land wegen eines gefälsch­ten Pas­ses ver­haf­tet und nach Chi­na depor­tiert wur­de. Seit­her lebt er in Macao und Peking.

Der japa­ni­sche Jour­na­list Yoji Gomi publi­zier­te Anfang des Jah­res ein Buch mit einer Zusam­men­stel­lung von Gesprä­chen mit Kim Jong-nam. Dar­in kri­ti­siert der Erst­ge­bo­re­ne von Kim Jong-il die nord­ko­rea­ni­sche Nach­fol­ge­re­ge­lung um sei­nen jün­ge­ren Bru­der Kim Jong-un (Asi­en­spie­gel berich­te­te).