Screen­shot: Youtube/​elecomnsb1Die Stadt Tomio­ka in der Sperr­zo­ne um das AKW Fukushima

Lan­ge hielt die Regie­rung die Illu­si­on auf­recht, dass die fast 80’000 eva­ku­ier­ten Bewoh­ner der 20-Kilo­me­ter-Sperr­zo­ne um das hava­rier­te AKW Fuku­shi­ma in abseh­ba­rer Zeit zurück­keh­ren könn­ten. Dafür wur­de ein gigan­ti­sches Dekon­ta­mi­nie­rungs-Pro­jekt in Gang gesetzt. Die­sen Monat locker­te die Regie­rung schliess­lich erst­mals die Bestim­mun­gen für die Gemein­den Kawau­chi, Tamu­ra und Mina­m­i­so­ma. Eini­ge die­ser Bewoh­ner dür­fen nun tags­über zurückkehren.

Eine tem­po­rä­re Rück­kehr wird ermög­licht, falls der Grenz­wert von 20 Mil­li­sie­vert pro Jahr nicht über­schrit­ten wird. Das ist immer noch über­durch­schnitt­lich viel. Für eine Per­son ohne strah­len­ex­po­nier­ten Beruf wird eine Belas­tung von 1 Mil­li­sie­vert pro Jahr als gesund­heit­lich ver­tret­bar angesehen.

In 8 wei­te­ren Gemein­den um das AKW Fuku­shi­ma ändert sich jedoch nichts. Die Sperr­zo­ne wird bis auf wei­te­res auf­recht erhal­ten. Für 3 davon haben sich spä­tes­tens seit ver­gan­ge­nem Sonn­tag gar alle Hoff­nun­gen zerschlagen.

Mehr als 20 Jah­re kei­ne Rückkehr

So erklär­te Umwelt­mi­nis­ter Goshi Hoso­no, dass wei­te Tei­le von Oku­ma, Futa­ba und Namie in den nächs­ten 20 Jah­ren nicht mehr bewohn­bar sein wür­den. Es sind die nord­west­lich vom AKW gele­ge­nen Klein­städ­te, die durch die dama­li­gen Wind­ver­hält­nis­se am stärks­ten von der Nukle­ar­ka­ta­stro­phe betrof­fen waren, wie eine Visua­li­sie­rung der Mai­ni­chi Shim­bun aufzeigt.

Somit hat die Regie­rung in Tokio erst­mals ein­ge­stan­den, dass die Sperr­zo­ne in vie­len Gebie­ten meh­re­re Jahr­zehn­te Gül­tig­keit haben wird. Zur­zeit wei­sen allei­ne die Städ­te Futa­ba und Namie Strah­len­wer­te von über 50 Mil­li­sie­vert pro Jahr auf. Gemäss Regie­rungs­an­ga­ben wer­den selbst nach 20 Jah­ren alle 3 betrof­fe­nen Städ­te noch Wer­te über den kri­ti­schen 20 Mil­li­sie­vert aufweisen.

Aus Städ­ten wer­den Zwischenlager

Die Bür­ger­meis­ter der Gemein­den in der Sperr­zo­ne haben ihren Glau­ben an Tokio schon längst ver­lo­ren. Sie befürch­ten, dass ihre Städ­te am Ende zu Zwi­schen­la­gern für ver­seuch­te Erde benutzt wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Umwelt­mi­nis­ter Hoso­no plant in Futa­ba, Namie und Oku­ma gar tem­po­rä­re Lager­stät­ten für alte Brenn­stä­be zu errich­ten, wie die Nik­kei Shim­bun schreibt.

Die betrof­fe­nen Gemein­den füh­ren ihre Ver­wal­tun­gen seit letz­tem Jahr in ver­schie­de­nen Städ­ten in der Regi­on pro­vi­so­risch wei­ter. So ist der Bür­ger­meis­ter von Futa­ba, Kats­ut­a­ka Ido­ga­wa, mit 500 Ein­woh­nern auf ein Schul­ge­län­de in der Prä­fek­tur Saita­ma gezo­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Für die­se Men­schen war der ver­gan­ge­ne Sonn­tag das Ende einer Illu­si­on auf eine bal­di­ge Rückkehr.