Wikimedia/​Nekosuki600Auf einem fast 15 Meter hohen Sockel gebaut: Das AKW Onagawa.

Das Dorf Ona­ga­wa in der Prä­fek­tur Miya­gi wur­de am 11. März 2011 hart vom Tsu­na­mi getrof­fen. Das Zen­trum wur­de kom­plett zer­stört. Rund 1000 der 10’000 Bewoh­ner star­ben an jenem ver­hee­ren­den Tag. Gleich­zei­tig liess sich in der glei­chen Stadt eine noch grös­se­re Kata­stro­phe ver­hin­dern. Das AKW Ona­ga­wa über­stand die Wel­le im Ver­gleich zu Fuku­shi­ma rela­tiv schad­los. Dabei lag das Epi­zen­trum des Erd­be­bens der Stär­ke 9 nur 75 Kilo­me­ter weit weg.

Obwohl auch im AKW Ona­ga­wa kurz­zei­tig Was­ser ein­drang und ein Feu­er in einem Tur­bi­nen­ge­bäu­de beim Reak­tor Num­mer 3 aus­brach, konn­te die Situa­ti­on unter Kon­trol­le gebracht wer­den. Das Kraft­werk wur­de her­un­ter­ge­fah­ren. Einen Monat spä­ter folg­ten jedoch wei­te­re Schwie­rig­kei­ten. Nach einem Nach­be­ben am 7. April über­nah­men Not­strom­ag­gre­ga­te die Küh­lung, wobei meh­re­re Liter kon­ta­mi­nier­tes Was­ser über den Rand eines Abkling­be­ckens auf den Boden schwapp­te. Erst am 10. April funk­tio­nier­te die exter­ne Strom­zu­fuhr wieder.

Letz­ten Endes kamen die Betrei­ber von Toho­ku Elec­tric mit einem Schock weg. Eine par­al­le­le Ent­wick­lung zur Kata­stro­phe von Fuku­shi­ma, nur 120 Kilo­me­ter wei­ter süd­lich, konn­te trotz der Hef­tig­keit des Tsu­na­mi ver­hin­dert wer­den. Kurz nach dem 11. März wur­de das AKW-Gelän­de sogar kurz­zei­tig zu einer Not­un­ter­kunft für rund 240 Per­so­nen aus der Stadt. Die­se ver­gleichs­wei­se glück­li­chen Umstän­de hat das AKW Ona­ga­wa der Weit­sich­tig­keit eines Man­nes zu ver­dan­ken, der bereits 1986 verstarb.

Die Beharr­lich­keit von Yano­suke Hirai

Der 1902 gebo­re­ne Inge­nieur Yano­suke Hirai war ver­ant­wort­lich für die Bau­pla­nung des AKW Ona­ga­wa, das 1980 fer­tig gestellt wur­de. In die­ser Funk­ti­on setz­te er sich als Ein­zi­ger für einen umfas­sen­den Tsu­na­mi-Schutz des Bau­werks ein.

Hirai beharr­te dar­auf, dass das AKW auf einem 14,8 Meter hohen Sockel gebaut wer­den müs­se, wäh­rend sei­ne Kol­le­gen 12 Meter für adäquat hiel­ten, erzählt Jour­na­list Takao Yama­da für die Mai­ni­chi Shim­bun jene Tage in einem aus­führ­li­chen Arti­kel nach. Immer­hin hiel­ten die Betrei­ber in Fuku­shi­ma 10 Jah­re zuvor einen 10 Meter hohen Sockel für mehr als aus­rei­chend, war damals ein Argu­ment der Mehrheit.

Der Inge­nieur berief sich der­weil auf his­to­ri­sche Quel­len, wonach im Jahr 869 ein rie­si­ger Tsu­na­mi die Stel­le bei Ona­ga­wa heim­ge­sucht hat­te. Am Ende setz­te sich Hirais Beharr­lich­keit und Über­zeu­gungs­kraft durch. Toho­ku Elec­tric bau­te ent­spre­chend sei­nen Vor­ga­ben. Er soll­te recht behal­ten. Die Rie­sen­wel­le vom 11. März 2011 erreich­te in der Bucht von Ona­ga­wa eine Höhe von 13 Metern. Das AKW Ona­ga­wa kam mit einem blau­en Auge davon.

Wochen der Entscheidung

Bis heu­te sind die Reak­to­ren von Ona­ga­wa abge­schal­tet. In Japan ist der­zeit nur noch ein Reak­tor des AKW Toma­ri auf Hok­kai­do in Betrieb. Am 5. Mai wird auch die­ses vom Netz gehen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Exper­ten prü­fen der­zeit anhand von Stress­tests die Sicher­heit der AKW.

Die Lokal­re­gie­run­gen zwei­feln an den Ergeb­nis­sen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Bevöl­ke­rung lässt sich nicht mehr an der Nase her­um­füh­ren. Die Regie­rung um Yoshi­hi­ko Noda zögert (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es steht viel auf dem Spiel. Daher ist zu hof­fen, dass die Ver­ant­wort­li­chen so beharr­lich und über­zeugt wie ein Yano­suke Hirai die Sicher­heit von Kern­kraft­wer­ken hinterfragen.