Foto: Mar­tin Ald­ro­van­diEin Spa­zier­gang unter Hundefreunden.

Tai­wans Innen­mi­nis­te­ri­um hat die Lokal­re­gie­run­gen ange­wie­sen, Parks auch für Hun­de zu öff­nen. Als Grund gab das Minis­te­ri­um an, dass Hun­de ein Recht auf freie Bewe­gung hät­ten. Die Vier­bei­ner haben es in Tai­wan in den ver­gan­ge­nen Jah­ren weit gebracht, vom rei­nen Wach­hund oder sogar Fleisch­lie­fe­ran­ten, sind sie vor allem in den Städ­ten ein Familienmitglied.

Ver­bots­schil­der in Mit­tel- und Süd­tai­wan soll­ten Hun­de aus bestimm­ten Parks fern­hal­ten. Das rief Tier­schüt­zer und Haus­tier­lieb­ha­ber auf den Plan, die dar­in eine Dis­kri­mi­nie­rung von Hun­den sahen. Nun hat das Innen­mi­nis­te­ri­um eine Direk­ti­ve her­aus­ge­ge­ben, dass Hun­de nicht gene­rell aus öffent­li­chen Parks fern­ge­hal­ten wer­den dür­fen, mel­det die chi­ne­sisch­spra­chi­ge Liber­ty Times.

Solan­ge es sich nicht um gefähr­li­che Hun­de hand­le bezie­hungs­wei­se die Hun­de an der Lei­ne geführt wür­den, heisst es in der Mit­tei­lung des Minis­te­ri­ums, dürf­ten Park­be­su­che Hund und Besit­zer nicht ver­wehrt werden.

Ein Hun­de-Boom

In Tai­wan wer­den die Vier­bei­ner inzwi­schen als Teil der Fami­lie ange­se­hen. Es gibt Yoga-Klas­sen, Restau­rants spe­zi­ell für Hun­de und 5-Ster­ne-Res­sort kom­plett mit Online­vi­deo­über­wa­chung für das Herr­chen zu Hau­se. In Tai­peh wid­met sich sogar eine gan­ze Bäcke­rei ihrer vier­bei­ni­gen Kund­schaft und bie­tet ihnen von Bio­kek­sen bis zum Geburts­tags­ku­chen alles an was das Hun­de­herz begehrt.

Das war jedoch nicht immer so: Ins­be­son­de­re loka­le Behör­den sahen in Hun­den lan­ge eine Pla­ge. Bis vor 1998, als das gel­ten­de Tier­schutz­ge­setz in Kraft trat, durf­ten Städ­te und Land­krei­se streu­nen­de Hun­de nach ein­ge­nem Ermes­sen ein­fan­gen und töten. Huang Qin­grong vom tai­wa­ni­schen Tier­schutz­ver­ein erin­nert sich an beson­ders grau­sa­me Tötungs­me­tho­den. «Sie wur­den ertränkt, ver­gif­tet, tot­ge­schla­gen, manch­mal ein­fach auf einer Müll­kip­pe ent­sorgt», sagt Huang gegen­über Radio Tai­wan Inter­na­tio­nal.

Mikro­chips gesetz­lich vorgeschrieben

Hun­de­hal­ter set­zen ihre Tie­re inzwi­schen nicht mehr so schnell aus, wenn sie ihnen zu müh­sam wer­den, sagt Huang. Mikro­chips mit Daten über den Hun­de­hal­ter sind mitt­ler­wei­le gesetz­lich vor­ge­schrie­ben. Der Tier­schutz­ver­ein schätzt, dass inzwi­schen etwa die Hälf­te der Hun­de einen sol­chen Chip in sich trägt.

Dies habe mit­ge­hol­fen die Anzahl der einst rund 600’000 Stras­sen­hun­de auf der­zeit rund 200’000 zu redu­zie­ren, sagt Huang. Die von den Behör­den ein­ge­fan­ge­nen Tie­re ver­blei­ben min­des­tens 12 Tage im Tier­heim. Erst wenn sich bis dahin kein neu­er Besit­zer fin­det, dür­fen sie ein­ge­schlä­fert werden.

Ein lan­ges Leben

Den Hun­den, die nicht im Tier­heim lan­den, ist dage­gen ein immer län­ge­res Leben beschert. Die Natio­na­le Tai­wan Uni­ver­si­tät unter­such­te die häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen von Hun­den in Tai­peh und kam dabei zum Schluss, dass sich die­se immer mehr den Todes­ur­sa­chen der Men­schen anglei­chen. Herz- und Nie­ren­ver­sa­gen, gefolgt von Krebs sei­en die drei häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen von Hun­den in der Haupt­stadt, so die For­scher. Tod durch Ver­gif­tung oder anste­cken­de Krank­hei­ten, spiel­ten dage­gen eine sehr gerin­ge Rolle.

Auch für ihr Fleisch wer­den die Hun­de nicht mehr getö­tet – zumin­dest nicht offi­zi­ell. Vor über zehn Jah­ren hat Tai­wans Par­la­ment ein Gesetz ver­ab­schie­det, mit dem der Ver­zehr von Hun­de­fleisch ver­bo­ten wur­de. Das Schlach­ten von Hun­den kann zudem mit bis zu 1 Mil­li­on Tai­wan Dol­lar – umge­rech­net rund 25’000 Euro – bestraft werden.