Viel Fel­sen: Die Senkaku-Inseln.
In heik­lem Grenzgebiet.

(ma / ja) Der streit­ba­re Gou­ver­neur von Tokio, Shin­t­a­ro Ishiha­ra, mischt sich mit einem über­ra­schen­den Vor­schlag in den Ter­ri­to­ri­al­dis­put um die umstrit­te­ne Sen­ka­ku-Insel­grup­pe ein. Wäh­rend sei­nes USA-Besuchs in Washing­ton sag­te er, dass sei­ne Regie­rung eini­ge der Inseln von ihren Besit­zern abkau­fen wol­le. Die Gesprä­che sei­en weit fort­ge­schrit­ten, so Ishiha­ra gemäss meh­re­ren japa­ni­schen Medienberichten.

Der Gou­ver­neur ver­hand­le der­zeit mit der japa­ni­schen Besit­zer­fa­mi­lie der Inseln Uots­uri­ji­ma, Kita­ko­ji­ma und Min­a­mi­ko­ji­ma, schreibt die Tokyo Shim­bun. Man habe bereits einen Grund­kon­sens gefun­den. Die Kos­ten dafür belau­fen sich gemäss Sank­ei Shim­bun auf zwi­schen 1 und 1,5 Mil­li­ar­den Yen (9,5 bis 14 Mil­lio­nen Euro). Zur­zeit pach­tet der japa­ni­sche Staat die 3 Inseln für jähr­li­che Sum­me von 24 Mil­lio­nen Yen (226’000 Euro). Am 31. März 2013 läuft die­ser Ver­trag aus. Für die­sen Zeit­punkt strebt Ishiha­ra den Über­trag an.

Umstrit­te­ne Inseln

Die Besit­zer­fa­mi­lie lebt gemäss dem Wall Street Jour­nal in der Stadt Omiya in der Prä­fek­tur Saita­ma, nur unweit von Tokio ent­fernt. Die Mini-Inseln gin­gen 1932 vom japa­ni­schen Staat in pri­va­te Hän­de über. Seit 1896 wird die Sen­ka­ku-Insel­grup­pe von der Stadt Ishi­ga­ki auf Oki­na­wa ver­wal­tet. Bewoh­ner gibt es seit den 1940er-Jah­ren kei­ne mehr. Nach dem Krieg gin­gen die Inseln in US-Mili­tär­ver­wal­tung über. Als die Inseln 1972 an Japan zurück­ge­ge­ben wur­den, began­nen die Strei­tig­kei­ten mit Chi­na und Taiwan.

Die Zuge­hö­rig­keit der Sen­ka­ku-Insel­grup­pe nord­öst­lich Tai­wans gilt seit­her als umstrit­ten. Tai­wan rekla­miert sie für sich, doch auch Chi­na und Japan sind der fes­ten Über­zeu­gung, dass die Inseln ihnen gehö­ren. Das Inter­es­se der drei Län­der ist auf das ver­mu­te­te Erd­öl- und Gas­vor­kom­men in der Regi­on zurück­zu­füh­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Reak­ti­on Taiwans

Die japa­ni­sche Regie­rung gab sich zu Ishiha­ras pro­vo­ka­ti­vem Vor­schlag äus­serst wort­karg. Die Inseln sei­en ein offi­zi­el­ler Teil Japans. Man habe mit den Besit­zern regel­mäs­sig Kon­takt. Die Ant­wort von Tai­wans Aus­sen­mi­nis­te­ri­um folg­te jedoch prompt: Die Dia­oyu­tai – wie die Inseln auf Chi­ne­sisch heis­sen – sei­en ein Teil der Repu­blik Chi­na, also Tai­wans, so Minis­te­ri­ums­spre­cher James Chang gegen­über der tai­wa­ni­schen Nach­rich­ten­agen­tur CNA. Das Aus­sen­mi­nis­te­ri­um akzep­tie­re die Aus­sa­gen des Gou­ver­neurs von Tokio nicht. Die japa­ni­schen Behör­den soll­ten die Ange­le­gen­heit vor­sich­tig hand­ha­ben, so Chang, ein ein­sei­ti­ges Vor­ge­hen könn­te den guten Bezie­hun­gen zwi­schen Tai­wan und Japan schaden.

Alles nur Wor­te, schreibt die chi­ne­sisch­spra­chi­ge United Dai­ly News. Tai­pei und Peking rede­ten viel wenn es um ihre Sou­ve­rä­ni­täts­an­sprü­che der Inseln gehe, so die Zei­tung in einem Kom­men­tar. Japan zei­ge dage­gen, dass es auch bereit sei, zu han­deln. Wegen des rech­ten Poli­ti­kers Shin­t­a­ro Ishiha­ra sei­en die Bezie­hun­gen zwi­schen den drei Sei­ten wie­der ein­mal angespannt.

Wie ernst es dem Tokio­ter Gou­ver­neur wirk­lich ist, weiss nie­mand. Ishiha­ra setzt sich seit Jah­ren für die Insel­grup­pe und Japans Ter­ri­to­ri­al­in­ter­es­sen ein. Kein ande­rer Poli­ti­ker ver­steht es bes­ser, mit popu­lis­ti­schen Äus­se­run­gen viel Staub auf­zu­wir­beln (Asi­en­spie­gel berich­te­te) und aus The­men wie den Sen­ka­ku-Inseln einen innen­po­li­ti­schen Vor­teil zu zie­hen. Denn rein tech­nisch gese­hen, wür­de sich an einem Kauf nichts ändern. Ein­zig der japa­ni­sche Besit­zer wür­de wech­seln. Die Ansprü­che von Chi­na und Tai­wan blie­ben unverändert.

Ungu­te Erin­ne­run­gen an 2010

Die Insel­grup­pe befin­det sich rund 100 See­mei­len nord­öst­lich von Tai­wan ent­fernt. Tai­wans Aus­sen­mi­nis­te­ri­um pro­tes­tier­te die­ses Jahr bereits mehr­mals gegen Tokios Benen­nung von bis­her unbe­nann­ten Inseln und Fel­sen der Grup­pe. Tai­wans Regie­rung sag­te, man habe es bis­her nicht für nötig betrach­tet, die klei­ne­ren Inseln zu benen­nen. Den­noch besit­ze man selbst­ver­ständ­lich die Sou­ve­rä­ni­tät über die Inselgruppe.

Auch Peking rekla­miert die Inseln für sich, was zu regel­mäs­si­gen Ver­stim­mun­gen zwi­schen Chi­na und Japan führt. So lös­te 2010 eine Kol­li­si­on zwi­schen einem chi­ne­si­schen Fisch­kut­ter und der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che einen mehr­wö­chi­gen Streit zwi­schen den bei­den Län­dern aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Chi­na hat­te damals die Dia­oyu­tai zu den «zen­tra­len natio­na­len Inter­es­sen» erklärt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).