flickr/​ben vSei­ne Mei­nung inter­es­siert Japan: Ein Buch über Oba­ma in einer japa­ni­schen Buchhandlung.

Japan hält viel von den Befind­lich­kei­ten der Ame­ri­ka­ner. So führt das renom­mier­te Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Gal­lup seit 1960 im Auf­trag des japa­ni­schen Aus­sen­mi­nis­te­ri­ums all­jähr­lich eine Umfra­ge in den USA durch. Dabei geht es um die ein­fa­che Fra­ge, wenn die Ame­ri­ka­ner als wich­tigs­ten Part­ner in Asi­en betrach­ten. 1200 nor­ma­le Bür­ger sowie 200 ein­fluss­rei­che Per­so­nen aus Poli­tik und Wirt­schaft müs­sen sich dabei zwi­schen «Japan», «Chi­na», «Russ­land», «einem ande­ren Land» oder «nie­man­dem» entscheiden.

Letz­tes lag Chi­na bei bei­den befrag­ten Grup­pen ein­sam an der Spit­ze. Zum ers­ten Mal seit 1975 über­hol­te Chi­na damit in bei­den Umfra­gen Japan. Nun hat das Pen­del wie­der in die ande­re Rich­tung umge­schla­gen. In der jüngs­ten Umfra­ge hal­ten 50 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner wie­der Japan als wich­tigs­ten Part­ner. Chi­na liegt mit 39 Pro­zent nur an 2. Stelle.

Die mög­li­chen Gründe

Das japa­ni­sche Aus­sen­mi­nis­te­ri­um ver­mu­tet gemäss der Yomi­uri Shim­bun, dass die inten­si­ve US-Bericht­erstat­tung über die Fol­gen des ver­hee­ren­den Tsu­na­mi vom 11. März 2011 einen Ein­fluss auf die Umfra­ge hat­te. Die USA spiel­ten mit ihrer mili­tär­lo­gis­ti­schen Unter­stüt­zung in jenen Tagen eine wich­ti­ge Rol­le. Die soge­nann­te Ope­ra­ti­on Tomo­da­chi brach­te den Ame­ri­ka­nern in Japan viel Sym­pa­thi­en ein (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ein wei­te­rer Grund für die erneu­te japa­ni­sche Spit­zen­po­si­ti­on könn­te aber auch aus einem rein umfra­ge­tech­ni­schen Grund erfolgt sein. So sind im Ver­gleich zum letz­ten Jahr die Zahl der Ant­wor­ten von 7 auf die tra­di­tio­nel­len 5 Kate­go­ri­en zurück­ge­stutzt wor­den. Eine Reduk­ti­on, die Japan offen­bar gehol­fen hat.

Die Mei­nung der Einflussreichen

Japan scheint offen­bar beim Nor­mal­bür­ger bes­ser anzu­kom­men als bei den Poli­ti­kern. So hat die Grup­pe der ein­fluss­rei­chen US-Per­sön­lich­kei­ten zum drit­ten Mal in Fol­ge mit 54 Pro­zent die auf­stre­ben­de Wirt­schafts­macht Chi­na und nicht Japan, das auf 40 Pro­zent kam, zum wich­tigs­ten US-Part­ner in Asi­en gekürt. Das heisst jedoch nicht, dass Washing­ton mit Peking einen neu­en Freund hat. Denn 81 Pro­zent der­sel­ben Grup­pe hal­ten die US-Trup­pen­prä­senz in Japan sowie den dazu­ge­hö­ri­gen Sicher­heits­ver­trag nach wie vor für wichtig.