flickr/​World Eco­no­mic ForumEin Gross­ver­die­ner unter den Regie­rungs­chefs: Sin­ga­purs Pre­mier­mi­nis­ter Lee Hsien-Loong.

Wäh­rend hoch ver­schul­de­te euro­päi­sche Län­der mit dras­ti­schen Spar­mass­nah­men hart um einen aus­ge­gli­che­nen Staats­haus­halt rin­gen, schwim­men ande­re Staa­ten regel­recht im Geld. So ver­zeich­nen die ehe­ma­li­gen bri­ti­schen Kolo­ni­en Hong­kong und Sin­ga­pur regel­mäs­sig Bud­get­über­schüs­se. In Hong­kong ging das letz­tes Jahr sogar soweit, dass die chi­ne­si­sche Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on all sei­nen 6 Mil­lio­nen Bür­gern 6000 HK-Dol­lar (608 Euro) in Cash auszahlte.

Auch die Hong­kon­ger Regie­rung will vom Geld­se­gen pro­fi­tie­ren. Geht es nach ihrer Vor­stel­lung, sol­len ihre Minis­ter künf­tig 332’260 HK-Dol­lar (33’670 Euro) pro Monat ver­die­nen, das sind rund 404’000 Euro im Jahr. Der Auf­schlag zum bis­he­ri­gen Salär wür­de gan­ze 8,1 Pro­zent betra­gen. Hong­kongs Regie­rungs­chef, der soge­nann­te Chief Exe­cu­ti­ve, wür­de neu 448’000 Euro pro Jahr ver­die­nen, wie das Wall Street Jour­nal berich­tet. Die Regie­rung begrün­det den Vor­schlag damit, dass ihre Ange­stell­ten in den letz­ten 10 Jah­ren kei­ne ein­zi­ge Lohn­auf­bes­se­rung erhal­ten hätten.

Top-Ver­die­ner in Singapur

Selbst mit dem bis­he­ri­gen Lohn gehö­ren die Mit­glie­der von Hong­kongs Exe­cu­ti­ve welt­weit zu den poli­ti­schen Top-Ver­die­nern. Geschla­gen wird der Chief Exe­cu­ti­ve von sei­nem Amts­kol­le­gen in Sin­ga­pur. Dort ver­dient Pre­mier­mi­nis­ter Lee Hsi­en Loong umge­rech­net 2,2 Mil­lio­nen Sin­ga­pur-Dol­lar (1,36 Mil­lio­nen Euro), selbst nach­dem gemäss Guar­di­an sein Lohn Anfang die­ses Jah­res um 36 Pro­zent gekürzt wur­de. Sei­ne Minis­ter ver­die­nen mit 865’000 Euro eben­falls über­durch­schnitt­lich gut.

Kri­ti­ker die­ses Sys­tems sagen, dass die Ein­kom­mens­sche­re in den letz­ten Jah­ren ste­tig grös­ser gewor­den sei. Die Amts­trä­ger in Sin­ga­pur und Hong­kong wür­den inzwi­schen ein Viel­fa­ches mehr als der Durch­schnitts­ver­die­ner einkassieren.

Bei­de Staa­ten begrün­den die gross­zü­gi­ge Lohn­po­li­tik für ihre höchs­ten Amts­trä­ger damit, dass dies das wirk­sams­te Mit­tel gegen die Kor­rup­ti­on sei. Gera­de beim Auf­bau des moder­nen Sin­ga­purs in den 1960er-Jah­ren hat­te sich die­se Mass­nah­me bewährt. Heu­te sol­len die hohen Gehäl­ter dafür sor­gen, dass der öffent­li­che Dienst beim Kampf um die bes­ten und kom­pe­ten­tes­ten Leu­te nicht das Nach­se­hen gegen die Kon­kur­renz aus der Pri­vat­wirt­schaft hat.

Beschei­de­ne Löh­ne in Europa

So betrach­tet, hören sich die Gehäl­ter der Staats­chefs grös­se­rer Län­der gera­de­zu beschei­den an. Gut im Ren­nen lie­gen noch der US-Prä­si­dent mit 400’000 US-Dol­lar (314’000 Euro) und der japa­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter mit umge­rech­net 270’000 Euro. Bei den euro­päi­schen Kol­le­gen fällt die Kur­ve jedoch rasant ab.

Die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin ver­dient noch rund 220’000 Euro, der bri­ti­sche Pre­mier gut 143’000 Pfund (177’000 Euro). Der neue fran­zö­si­sche Prä­si­dent François Hol­lan­de will in der Kri­se offen­bar mit gutem Vor­bild vor­an­ge­hen. So hat er sein Gehalt soeben von 19’000 auf 13’300 Euro pro Monat redu­ziert. Ob in Hong­kong und Sin­ga­pur ein öffent­li­cher Amts­trä­ger für eine sol­che Sum­me arbei­ten würde?