Foto: twitter/​@garasyahokawaAuf dem Weg zu Nodas Amts­sitz: Im Hin­ter­grund ist das japa­ni­sche Par­la­ment zu sehen.

Seit März pro­tes­tie­ren sie jeden Frei­tag vor Pre­mier­mi­nis­ter Yoshi­hi­ko Nodas Amts­sitz gegen die Atom­po­li­tik, gegen das Wie­der­hoch­fah­ren der Mei­ler. Bei der ers­ten Demons­tra­ti­on waren es noch beschei­de­ne 300 Per­so­nen. Woche für Woche ist die­se Zahl ange­wach­sen. Nach­dem Noda die Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Reak­to­ren 3 und 4 des AKW Oi ange­ord­net hat­te, scheint die­se Bewe­gung zusätz­li­chen Schwung erhal­ten zu haben. Letz­ten Frei­tag­abend ver­sam­mel­ten sich Tau­sen­de von Men­schen in Tokio.

Auf dem Geh­steig vor dem Amts­sitz dräng­ten sich die Demons­tran­ten auf über 1 Kilo­me­ter Län­ge zusam­men. Die Orga­ni­sa­to­ren spre­chen von 45’000 Teil­neh­mern. Die Poli­zei schätzt wie gewöhn­lich die Zahl tie­fer, auf 11’000. Jeden­falls waren die Pro­tes­te so gross, dass sie die Titel­sei­ten eini­ger gros­ser Tages­zei­tun­gen schmückten.

Der 27-jäh­ri­ge Kran­ken­pfle­ger Tai­chi Hira­no hat als einer der Orga­ni­sa­to­ren die­se Bewe­gung auf­ge­baut. Die sozia­len Medi­en haben ihm dabei gehol­fen. «Die meis­ten Demons­tran­ten wur­den über Twit­ter auf­merk­sam», sagt er. Seit März ist er regel­mäs­sig dabei. Hira­no hat es geschafft, die Demons­tra­tio­nen in die bevöl­ke­rungs­rei­chen Vier­tel zu brin­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Poli­ti­ker gegen Referendum

«Wenn wir jetzt nicht unse­re Stim­me erhe­ben, dann ist das so, als wür­den wir dem Ent­scheid Nodas zustim­men», erklär­te ein Teil­neh­mer der Tokyo Shim­bun. «Es ist die wüten­de Stim­me des Vol­kes», fass­te ein Teil­neh­mer das hohe Auf­kom­men gegen­über TV Asahi zusam­men. Es ist der Frust, von der Poli­tik nicht ernst genom­men zu wer­den. Nur 2 Tage zuvor stimm­te das Lokal­par­la­ment von Tokio gegen ein Refe­ren­dum zur AKW-Fra­ge, nach­dem 320’000 Unter­schrif­ten ein­ge­reicht wor­den waren (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch in Osa­ka ver­hielt es sich gleich.

Trotz­dem geben die Initi­an­ten nicht auf. In der Prä­fek­tur Niiga­ta, wo mit Tep­cos Kashi­wa­za­ki-Kari­wa das gröss­te AKW Japans steht, hat soeben eine 2-mona­ti­ge Unter­schrif­ten­samm­lung für ein loka­les Refe­ren­dum begon­nen. Auch in der Prä­fek­tur Shi­zuoka, wel­che das expo­nier­te AKW Hamao­ka beher­bergt (Asi­en­spie­gel berich­te­te), wer­den wohl genü­gend Unter­schrif­ten zusammenkommen.

Eda­nos Aussage

Die Poli­tik hält der­weil nichts von sol­chen Vor­ha­ben. Es gebe kurz­fris­tig kei­ne Alter­na­ti­ven zu den Atom­kraft­wer­ken, heisst es. Im Moment ste­hen in Tokio vier Sze­na­ri­en für die AKW-Poli­tik der Zukunft zur Debat­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Ein­zig Wirt­schafts­mi­nis­ter Yukio Eda­no hat sich die­se Woche in einem Radio­in­ter­view vor­ge­wagt. «Ich habe schon immer die Mei­nung ver­tre­ten, dass wich­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten per Refe­ren­dum ent­schie­den wer­den soll­ten», sag­te Eda­no gemäss Wall Street Jour­nal zur Fra­ge, ob er eine Abstim­mung zur Atom­po­li­tik befürworte.