Fel­sen für 14 Mil­lio­nen Euro.
Die Sen­ka­ku-Inseln zwi­schen Japan, Chi­na und Taiwan.

Für Tokios Gou­ver­neur Shin­t­a­ro Ishiha­ra hört die Poli­tik nicht in der Haupt­stadt-Regi­on auf. Wenn es um die natio­na­len Inter­es­sen geht, dann will der 80-jäh­ri­ge Poli­ti­ker immer ein Wört­chen mit­re­den. So auch beim Ter­ri­to­ri­al­dis­put um die Sen­ka­ku-Insel­grup­pe vor Taiwan.

Im April kün­dig­te er bei einem Besuch in Washing­ton medi­en­ge­recht an, gleich 3 in Pri­vat­be­sitz ste­hen­de Inseln in die­ser Regi­on für rund 14 Mil­lio­nen Euro kau­fen und unter die Obhut von Tokio stel­len zu wol­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te), sobald der Pacht­ver­trag zwi­schen dem in der Prä­fek­tur Saita­ma leben­den Besit­zer und dem japa­ni­schen Staat am 31. März 2013 abge­lau­fen sei.

Nun hat Ishiha­ra noch eine Insel zu sei­ner Ein­kaufs­in­sel hin­zu­ge­fügt. Um die Sache zu ver­ein­fa­chen, wol­le er auch noch die vier­te Sen­ka­ku-Haupt­in­sel Kuba­shi­ma kau­fen, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Die­se gehört der Schwes­ter des Besit­zers der 3 ande­ren Inseln. Es wäre zu kom­pli­ziert, wenn eine Insel noch in ande­ren Hän­den wäre. «Ich bin über­zeugt, dass wir alle 4 Inseln zusam­men kau­fen kön­nen», liess er die Medi­en wissen.

Seit 1932 in Privatbesitz

Die Sen­ka­ku-Inseln gin­gen 1932 vom japa­ni­schen Staat in pri­va­te Hän­de über. Seit 1896 wird die Sen­ka­ku-Insel­grup­pe von der Stadt Ishi­ga­ki auf Oki­na­wa ver­wal­tet. Bewoh­ner gibt es seit den 1940er-Jah­ren kei­ne mehr. Nach dem Krieg gin­gen die Inseln in US-Mili­tär­ver­wal­tung über. Als die Inseln 1972 an Japan zurück­ge­ge­ben wur­den, began­nen die Strei­tig­kei­ten mit Chi­na und Taiwan.

Die Zuge­hö­rig­keit der Sen­ka­ku-Insel­grup­pe nord­öst­lich Tai­wans gilt seit­her als umstrit­ten. Tai­wan rekla­miert sie für sich, doch auch Chi­na und Japan sind der fes­ten Über­zeu­gung, dass die Inseln ihnen gehö­ren. Das Inter­es­se der drei Län­der ist auf das ver­mu­te­te Erd­öl- und Gas­vor­kom­men in der Regi­on zurück­zu­füh­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Popu­lis­ti­scher Schachzug

Ishiha­ra will mit sei­nem Kauf­an­ge­bot die japa­ni­schen Sou­ve­rä­ni­täts­an­sprü­che über die Insel­grup­pe unter­strei­chen. Der streit­ba­re Poli­ti­ker ver­steht es wie kein ande­rer mit popu­lis­ti­schen Äus­se­run­gen zu aus­sen­po­li­ti­schen The­men sein Pro­fil zu schär­fen und sei­nen innen­po­li­ti­schen Vor­teil dar­aus zu ziehen.

Denn rein tech­nisch gese­hen, wür­de sich bei einem Kauf nichts ändern. Ein­zig der japa­ni­sche Besit­zer wür­de wech­seln. Die Ansprü­che von Chi­na und Tai­wan blie­ben unver­än­dert. Ent­spre­chend wort­karg gibt sich die japa­ni­sche Regie­rung. Man schweigt lie­ber dar­über, anstatt wei­ter Öl ins Feu­er zu giessen.

Die War­nung des Botschafters

Trotz­dem ist nicht allen poli­ti­schen Ver­tre­tern wohl bei die­ser Sache. In einem Gespräch mit der Finan­ci­al Times äus­ser­te sich Japans Bot­schaf­ter in Chi­na, Uichi­ro Niwa, besorgt über das Vor­ge­hen des Tokio­ter Gou­ver­neurs. «Soll­te gemäss Ishiha­ras Plan gehan­delt wer­den, wird dies zu einer schwer­wie­gen­den Kri­se in den Bezie­hun­gen zwi­schen Japan und Chi­na füh­ren», warn­te Niwa.

Für Ishiha­ra schien die­se Aus­sa­ge die per­fek­te Steil­vor­la­ge zu sein. «Niwa soll­te erst einen Kom­men­tar abge­ben, nach­dem er mehr über sein Land gelernt hat», bemerk­te er pro­vo­ka­tiv. Auch die Zen­tral­re­gie­rung in Tokio zeig­te sich wenig erfreut über die per­sön­li­chen Mei­nungs­äus­se­rung ihres Diplo­ma­ten. Am Ende war es Bot­schaf­ter Niwa, der sich in einem Brief ans Aus­sen­mi­nis­te­ri­um für sei­ne Äus­se­run­gen ent­schul­dig­te. So etwas wer­de nicht wie­der vor­kom­men, ver­sprach er darin.

Gou­ver­neur Shin­t­a­ro Ishiha­ra wird sich über das poli­ti­sche Thea­ter freuen.