Folgt bald der nächs­te AKW-Start?

Foto: wikimedia/​ja:User:NewslinerDer Reak­tor 3 des AKW Ika­ta in der Prä­fek­tur Ehi­me auf Shi­ko­ku hat die meis­ten Kon­troll­tests schon hin­ter sich gebracht.

Pre­mier Noda hat nach mona­te­lan­gen Debat­ten am Wochen­en­de die Wie­der­in­be­trieb­nah­me der Reak­to­ren 3 und 4 des AKW Oi gestat­tet. Wäh­rend die Geschäfts­welt in Osa­ka und Strom­pro­du­zent Kan­sai Elec­tric Power auf­at­men, kam es zu Pro­tes­ten vor Nodas Amts­sitz (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bedeu­tet die­ser Schritt nun den Start­schuss für die Wie­der­auf­nah­me aller übri­gen 48 Atom­re­ak­to­ren? Nicht unbedingt.

Die Pro­ze­dur fürs Wie­der­hoch­fah­ren hat sich nach dem AKW-Unfall von Fuku­shi­ma dras­tisch geän­dert. So muss jeder abge­schal­te­te Reak­tor anfäng­lich einen Stress­test bestehen. 20 haben die­sen bereits bestan­den, bei 22 ist er noch im Gan­ge. Danach kon­trol­liert die Nuklea­re und Indus­tri­el­le Sicher­heits­be­hör­de (NISA) des Wirt­schafts- und Indus­trie­mi­nis­te­ri­ums die Resul­ta­te des Stresstests.

Der Nuklea­ren Sicher­heits­kom­mis­si­on (NSC) der Regie­rung fällt die­sel­be Auf­ga­be zu. Am Ende müs­sen die zustän­di­gen Minis­ter der Zen­tral­re­gie­rung sowie die loka­len Behör­den auch noch ihr OK geben. Kri­ti­ker bemän­geln, dass die vor­ge­ge­be­nen Sicher­heits­stan­dards die Leh­ren aus Fuku­shi­ma nicht genü­gend mit­ein­be­zie­hen. Zudem sei­en die Ent­schei­dungs­we­ge zu undurch­sich­tig. Im Fal­le des AKW Oi sei­en vie­le ver­spro­che­nen bau­li­chen Sicher­heits­mass­nah­men noch gar nicht exis­tent (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Hiro­hi­ko Izu­mi­da, Gou­ver­neur der Prä­fek­tu Niiga­ta sprach gar von einem «neu­en Mythos der Sicher­heit», den Tokio erschaf­fe (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Regie­rung zögert

Trotz aller Skep­sis in der Öffent­lich­keit wur­de gemäss jener Kon­troll­pro­ze­dur das AKW Oi wie­der hoch­ge­fah­ren. Nun scheint die Regie­rung aber nicht mehr gewillt zu sein, so fort­zu­fah­ren. Über das Schick­sal der rest­li­chen 48 Atom­re­ak­to­ren wer­de nicht das Kabi­nett ent­schei­den, liess Wirt­schafts­mi­nis­ter Yukio Eda­no gemäss der Yomi­uri Shim­bun wis­sen. Vor­aus­sicht­lich ab August, spä­tes­tens Sep­tem­ber fal­le die­se Auf­ga­be der neu zu schaf­fen­den, unab­hän­gi­gen Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de zu.

Die aus 5 Mit­glie­dern bestehen­de Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de soll künf­tig hel­fen, die bis­he­ri­gen Inter­es­sen­über­schnei­dun­gen zwi­schen Poli­tik und Wirt­schaft zu ver­hin­dern. Das Par­la­ment hat letz­te Woche deren Schaf­fung bewil­ligt. Bevor die Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de ers­te Ent­schei­dun­gen tref­fen kann, muss sie jedoch noch ihre eige­nen Sicher­heits­be­stim­mun­gen defi­nie­ren, 10 wei­te­re Mona­te könn­ten ver­ge­hen. Bis dahin wür­den die 48 Reak­to­ren wei­ter ruhen.

Als nächs­tes wäre wohl der Reak­tor 3 des AKW Ika­ta in der Prä­fek­tur Ehi­me auf Kyus­hu an der Rei­he. Bür­ger­meis­ter Kazu­hi­ko Yama­shi­ta lässt sei­nen Ent­scheid bezüg­lich eines Wie­der­hoch­fah­rens noch offen. Sobald die Regie­rung die Sicher­heit gewähr­leis­te und Ver­ant­wor­tung über­neh­me, wer­de er die­se Ange­le­gen­heit mit den Ein­woh­nern bespre­chen, so Yama­shi­ta gegen­über der Nik­kei Shim­bun.

Der Druck der Wirtschaft

Es ist nicht aus­zu­schlies­sen, dass die Zen­tral­re­gie­rung am Ende dem Druck der Geschäfts­welt, die um jeden Preis mög­li­che Strom­aus­fäl­le ver­hin­dern will, nach­ge­ben und nach dem undurch­sich­ti­gen Prin­zip des AKW Oi ver­fah­ren wird. Zur­zeit scheint es jedoch so, als wol­le sich die Regie­rung bei die­sem The­ma nicht wei­ter die Fin­ger verbrennen.

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