Screen­shot: youtube/​nekoarisHiroyu­ki Kuriha­ra nimmt für sei­nen Bru­der Stellung.

(jak/ma) Eine Insel zu besit­zen, ist kein Ding der All­täg­lich­keit. Und der Herr über eine der welt­weit umstrit­tens­ten Insel­grup­pe zu sein, schon gar nicht. Doch genau die­ses Schick­sal ist dem 70-jäh­ri­gen Herrn Kuriha­ra aus Tokio widerfahren.

Er ist der stol­ze Eigen­tü­mer von 3 der 5 Inseln zwi­schen Tai­wan und Oki­na­wa, die er noch bis März 2013 dem japa­ni­schen Staat ver­pach­tet hat. Dar­über hin­aus besitzt auch sei­ne Schwes­ter noch eine Sen­ka­ku-Insel, die der­zeit das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um pach­tet. Die Fünf­te gehört dem Staat.

Der heu­te 70-Jäh­ri­ge hat kei­ne Nach­kom­men. Auf der Suche nach einer Nach­fol­ge­re­ge­lung ist er auf die Regie­rung der Haupt­stadt Tokio getrof­fen. Mit deren Gou­ver­neur, Shin­t­a­ro Ishiha­ra, ver­han­delt er der­zeit über einen Ver­kauf (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die natio­na­le Regie­rung unter Druck

Das Ange­bot lös­te in den chi­ne­si­schen und tai­wa­ni­schen Medi­en hef­ti­ge Reak­tio­nen aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Ishiha­ra, der ger­ne aus­sen­po­li­ti­sche heik­len The­men zu sei­ner innen­po­li­ti­schen Pro­fi­lie­rung auf­nimmt, über­rum­pel­te damit Pre­mier­mi­nis­ter Yoshi­hi­ko Noda. Die­ser geriet in der Fol­ge unter Druck und unter­brei­te­te Herrn Kuriha­ra ein eige­nes Angebot.

Der 70-Jäh­ri­ge will jedoch nichts davon wis­sen. Haupt­ver­hand­lungs­part­ner blei­be Gou­ver­neur Ishiha­ra. Dies ver­kün­de­te stell­ver­tre­tend sein jün­ge­rer Bru­der, Hiroyu­ki Kuriha­ra, in einer Pres­se­kon­fe­renz des For­eign Correspondent’s Club in Tokio. «Es ist nicht unse­re Art, den Ver­hand­lungs­part­ner plötz­lich zu wech­seln. Das wäre unhöf­lich», liess der 65-Jäh­ri­ge die Medi­en wissen.

Das Ver­spre­chen an den Vorbesitzer

Die Fami­lie Kuriha­ra ist stolz, die Inseln zu besit­zen. Sie hat­te 1972 die Sen­ka­ku von Zen­ji Koga, dem ers­ten Besit­zer und Ver­wal­ter der Inseln über­nom­men. Das Ver­spre­chen war, die Inseln in der Fami­lie zu behal­ten und im Fal­le eines Ver­kau­fes einer staat­li­chen Kör­per­schaft wei­ter­zu­ver­kau­fen. Pri­va­te Offer­ten in den letz­ten Jahr­zehn­ten sei­en ent­spre­chend aus­ge­schla­gen worden.

Nun scheint der Fami­lie die Nach­kom­men aus­zu­ge­hen. Des­halb sei man auf das Ver­hand­lungs­an­ge­bot aus Tokio ein­ge­gan­gen, so Hiroyu­ki Kuriha­ra. «Das ein­zi­ge Ver­spre­chen war, dass wir die Inseln nicht an den pri­va­ten Sek­tor ver­kau­fen würden.»

Reak­tio­nen in Chi­na und Taiwan

In den chi­ne­si­schen Medi­en wur­de eben­falls über Kuriha­ras Pres­se­kon­fe­renz berich­tet. Die Begrif­fe Insel­be­sit­zer oder auch Insel­ver­kauf wer­den mit Anfüh­rungs­zei­chen ver­se­hen, da für Peking die Inseln ein­deu­tig zu Chi­na gehö­ren. So beschreibt die Tages­zei­tung Guang­zhou Ribao Kuriha­ra als selbst­er­nann­ten Eigen­tü­mer. Zu Chi­na gehö­ren­der Grund und Boden darf weder an Tokio noch an die natio­na­le Regie­rung ver­kauft werden.

Vie­le chi­ne­si­sche Medi­en wie etwa das New­s­por­tal Huan­qiu zitie­ren den Japa­ner Mura­ta Tadayo­shi, Pro­fes­sor an der Yoko­ha­ma Natio­nal Uni­ver­si­ty, der in sei­nem Buch über den Insel­streit eben­falls der Mei­nung sei, dass die Insel­grup­pe ein Teil Chi­nas sei.

In Tai­wan hat man der­weil noch ande­re Sor­gen. Obwohl auch die Repu­blik Chi­na die Insel­grup­pe für sich bean­sprucht, wol­le man dies nicht gemein­sam mit Peking tun, so die tai­wa­ni­sche Regie­rung. Ein Vor­schlag Anfang Monat von chi­ne­si­schen Aka­de­mi­kern, Tai­peh und Peking soll­ten hier zusam­men span­nen, wies Tai­wans Aus­sen­mi­nis­te­ri­um letz­te Woche noch ein­mal zurück.

Lan­ge Geschichte

Seit 1896 gehö­ren die Sen­ka­ku-Inseln zur Vewal­tungs­zo­ne der Stadt Ishi­ga­ki auf Oki­na­wa. Die Insel­grup­pe gin­gen 1932 vom japa­ni­schen Staat in pri­va­te Hän­de über. Bewoh­ner gibt es seit den 1940er-Jah­ren kei­ne mehr darauf.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg gin­gen die Inseln in US-Mili­tär­ver­wal­tung über. Als die Inseln 1972 an Japan zurück­ge­ge­ben und damit auch an die Pri­vat­be­sit­zer wie­der über­tra­gen wur­den, began­nen die Strei­tig­kei­ten mit Chi­na und Tai­wan. Bei­de Län­der bean­spru­chen die Sou­ve­rä­ni­tät über Sen­ka­ku. Das star­ke Inter­es­se an den kar­gen Inseln ist auf das ver­mu­te­te Erd­öl und Gas­vor­kom­men zurückzuführen.

Kei­ne Fra­ge des Geldes

Um Geld geht es der Fami­lie Kuriha­ra übri­gens nicht, wie das Fami­li­en­mit­glied Kuriha­ra den Medi­en zu ver­si­chern ver­sucht. «Wir haben die Inseln damals nicht aus wirt­schaft­li­chen Grün­den gekauft. Nun befürch­ten wir jedoch, dass die Leu­te den­ken, wir ver­kau­fen die Insel aus Geldgier.»

Die­se Sor­ge wird sich kaum aus der Welt schaf­fen las­sen. Über den Ver­kaufs­preis wird zwar noch ver­han­delt. In einer ers­ten Schät­zung war bereits von 14 Mil­lio­nen Euro die Rede.