Die Suche nach den Schuldigen

Foto: IAEA Image­bankMit­ar­bei­ter der Inter­na­tio­na­len Atom­ener­gie-Orga­ni­sa­ti­on besu­chen das AKW-Gelän­de von Fuku­shi­ma im Okto­ber 2011.

Der AKW-Unfall von Fuku­shi­ma ist zwei­fel­los die gröss­te Kata­stro­phe der japa­ni­schen Nach­kriegs­ge­schich­te. Die Jus­tiz scheint das bis­lang wenig geküm­mert zu haben. Auch über 1 Jahr nach der Kata­stro­phe hat sie sich noch damit befasst. Kla­gen wur­den regel­mäs­sig igno­riert. Nun kommt jedoch Bewe­gung in die Sache.

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Die Staats­an­walt­schaft hat erst­mals Ermitt­lun­gen auf­ge­nom­men, in denen die Umstän­de der Kri­se genau geklärt wer­den sol­len. Den Aus­schlag für die Unter­su­chun­gen gaben ver­schie­de­ne Straf­an­zei­gen – dar­un­ter eine von 1324 Ein­woh­nern aus der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma – und der Anfang Juli ver­öf­fent­lich­te Bericht der Par­la­ments, wonach die Kata­stro­phe in mensch­li­chem Ver­sa­gen zu fin­den sei (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Über 20 Per­so­nen unter Beschuss

Im Zen­trum der Ermitt­lun­gen ste­hen der AKW-Betrei­ber TEP­CO und die staat­li­che Nuklea­re und Indus­tri­el­le Auf­sichts­be­hör­de, wie die Nik­kei Shim­bun berich­tet. Gegen über 20 Per­so­nen aus die­sen Krei­sen rich­tet sich die Straf­an­zei­ge der Ein­woh­ner aus Fukushima.

Ihnen wird Fahr­läs­sig­keit im Umgang mit der Kata­stro­phe vor­ge­wor­fen. Sie hät­ten es trotz War­nun­gen ver­passt, das AKW genü­gend vor einem gewal­ti­gen Erd­be­ben und Tsu­na­mi zu schüt­zen. Zudem hät­ten sie nach dem Unfall mit der Vor­ent­hal­tung zen­tra­ler Infor­ma­tio­nen die Bevöl­ke­rung radio­ak­ti­ver Strah­lung aus­ge­setzt. Dies habe schliess­lich zu Ver­let­zun­gen und zum Tod von eva­ku­ier­ten Per­so­nen geführt.

In einer wei­te­ren Straf­an­zei­ge wer­den auch Vor­wür­fe gegen den dama­li­gen Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan erho­ben, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Er habe nach dem Tsu­na­mi zu wenig schnell die Ent­lüf­tung des radio­ak­ti­ven Dampfs ange­ord­net und damit die Was­ser­stoff­ex­plo­si­on mit­ver­ur­sacht, bei denen AKW-Arbei­ter ver­letzt wurden.

Ärger in der Bevölkerung

Der Unmut in der japa­ni­schen Bevöl­ke­rung ist gross, dass bis heu­te nie­mand die Ver­ant­wor­tung für den immensen Scha­den der AKW-Kata­stro­phe über­nom­men und die Jus­tiz sich lan­ge davon fern­ge­hal­ten hat.

Selbst der kri­ti­sche Par­la­ments­be­richt beschul­digt kei­ne Per­son beim Namen. Er schreibt viel­mehr von einem Ver­sa­gen, das kul­tu­rel­le Ursprün­ge hat. Eine Bemer­kung, die stark kri­ti­siert wur­de (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die­ses pas­si­ve Ver­hal­ten des Staa­tes hat dazu bei­ge­tra­gen, dass die Anti-Bewe­gung in Japan immer grös­se­ren Zulauf erhält (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Schwie­ri­ge Beweislage

Das bis­he­ri­ge Zögern der Staats­an­walt­schaft hat jedoch sei­ne Grün­de, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­tet. Es müs­se der schwie­ri­ge Beweis erbracht wer­den, dass die benann­ten Ange­klag­ten die Sicher­heits­lü­cke und Natur­ge­fah­ren für das AKW Fuku­shi­ma klar vor­aus­ge­se­hen und trotz­dem bewusst auf zusätz­li­che Sicher­heits­mass­nah­men ver­zich­tet hätten.

Schliess­lich müs­se mit Fak­ten wei­ter begrün­det wer­den, dass die Ver­let­zun­gen und Todes­fäl­len bei der Eva­ku­ie­rung der Bevöl­ke­rung eine direk­te Fol­ge die­ser Fahr­läs­sig­keit sei.

Die Geschich­te zeigt, dass dies kei­ne ein­fach Auf­ga­be sein wird. In ähn­li­chen Fäl­len, in denen gegen die höchs­ten Ver­ant­wor­tungs­trä­ger ermit­telt wur­den, wie beim JAL-Flug­zeug­un­glück von 1985 oder dem Zug­un­glück von 2005 in Osa­ka, blieb die Staats­an­walt­schaft jeweils erfolglos.

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