Foto: flickr/​Lam­sus Cru­soeDer Yas­uku­ni-Schrein in Tokio.

Lan­ge war es ruhig um den Tokio­ter Yas­uku­ni-Schrein. Die hei­li­ge Stät­te, in der Japans Kriegs­to­te inklu­si­ve die ver­ur­teil­ten Kriegs­ver­bre­cher des Zwei­ten Welt­krie­ges geehrt wer­den, hat­te schon lan­ge nicht mehr für inter­na­tio­na­le Schlag­zei­len gesorgt.

Die regie­ren­de Demo­kra­ti­sche Par­tei hat­te seit ihrem Wahl­sieg mit Blick auf die nach­bar­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zu Korea und Chi­na auf einen kon­tro­ver­sen Besuch ver­zich­tet (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch der aktu­el­le Pre­mier­mi­nis­ter Yoshi­hi­ko Noda zog am Jah­res­tag zum Kriegs­en­de vor 67 Jah­ren einen ande­ren Schrein vor.

Doch offen­bar woll­ten sich nicht alle sei­ne Kabi­netts­mit­glie­der an die­se unge­schrie­be­ne Regel hal­ten, wie NHK News berich­tet. Trans­port­mi­nis­ter Yui­chi­ro Hata und Jin Mat­sub­a­ra, Minis­ter für öffent­li­che Sicher­heit und die Ent­füh­rungs-Pro­ble­ma­tik mit Nord­ko­rea, nah­men ohne Ein­wil­li­gung ihres Chefs an der Gedenk­ze­re­mo­nie im Yas­uku­ni-Schrein teil. Zum ers­te Mal seit August 2009 betrat damit wie­der ein Minis­ter die umstrit­te­ne Stätte.

Reak­ti­on auf Inselstreit

Die Reak­tio­nen aus Chi­na und Süd­ko­rea folg­ten prompt. Japan sol­le sich an sein Ver­spre­chen hal­ten, über sei­ne Kriegs­ge­schich­te nach­zu­den­ken, hiess es aus Bei­jing. Seo­ul sprach von einer Akti­on, die «wahr­haft bedau­er­lich» sei.

Der Besuch der Minis­ter Hata und Mat­sub­a­ra kann als Ant­wort auf den kürz­lich wie­der ent­flamm­ten Ter­ri­to­ri­altreit um die Takeshi­ma-Fel­sen zwi­schen Japan und Süd­ko­rea gewer­tet wer­den (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Aus­ser­dem äus­ser­te sich der süd­ko­rea­ni­sche Prä­si­dent Lee Myung-bak einen Tag zuvor mit den Wor­ten, der Ten­no (dt. der japa­ni­sche Kai­ser) sol­le sich für die Ver­gan­gen­heit ent­schul­di­gen, bevor er Korea besu­chen kom­me, berich­tet ANN News. Es feh­le Lee an Anstand, quit­tier­te Mat­sub­a­ra wie­der­um die­se Äusserung.

Japa­ni­sche Medi­en deu­ten den Tabu­bruch auch als Schwä­che­zei­chen von Pre­mier­mi­nis­ter Noda, der sich seit eini­gen Wochen mehr schlecht als recht poli­tisch über Was­ser hält.

Die Koi­zu­mi-Erklä­rung

Die bei­den Minis­ter füg­ten noch an, dass sie als Pri­vat­per­so­nen den Schrein besucht hät­ten. So begrün­de­te auch der lang­jäh­ri­ge Pre­mier­mi­nis­ter Juni­chi­ro Koi­zu­mi sei­ne wie­der­hol­ten Besu­che zwi­schen 2001 und 2006, wel­che die dama­li­gen Bezie­hun­gen mit Chi­na und Korea zum Gefrier­punkt brachten.