Der auf­ge­scho­be­ne Atomausstieg

Foto: IAEA Image­bankDer Aus­lö­ser: Mit­ar­bei­ter der Inter­na­tio­na­len Atom­ener­gie-Orga­ni­sa­ti­on besu­chen das AKW-Gelän­de von Fuku­shi­ma im Okto­ber 2011.

Auf dem Papier scheint es klar zu sein: Japans Regie­rung will aus der Atom­ener­gie aus­stei­gen. Dies berich­tet FNN News, dem ein offi­zi­el­ler Regie­rungs­ent­wurf zur künf­ti­gen Gestal­tung der Ener­gie­po­li­tik vorliegt.

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Dar­in heisst es, dass die Regie­rung alle mög­li­chen Mit­tel ein­set­zen wer­de, um «bis in die 2030er-Jah­re» auf Atom­ener­gie kom­plett ver­zich­ten zu kön­nen. In den nächs­ten Tagen soll der Ent­wurf offi­zi­ell kom­mu­ni­ziert wer­den. Den USA, mit dem Japan ein Koope­ra­ti­ons­ab­kom­men für die Nukle­ar­ener­gie pflegt, hat die Regie­rung bereits ihre Absich­ten mitgeteilt.

Haupt­vor­aus­set­zun­gen dafür ist die Limi­tie­rung der Lauf­zeit von AKW auf 40 Jah­re. Zudem wer­den kei­ne neu­en Reak­to­ren mehr gebaut. Bestehen­de AKW wer­den genutzt, aber nur wenn sie in Stress­tests für sicher befun­den wurden.

Gros­ses Investitionsprogramm

Um die Ener­gie­wen­de zu schaf­fen, will die Regie­rung in den nächs­ten Jah­ren 84 Bil­lio­nen Yen (834 Mil­li­ar­den Euro) in Strom­spar­mass­nah­men inves­tie­ren. Damit soll der Ener­gie­ver­brauch um 19 Pro­zent des Niveaus von 2010 redu­ziert wer­den. Zudem wer­den 38 Bil­lio­nen Yen (377 Mil­li­ar­den Euro) für die Ent­wick­lung und den Bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en ver­wen­det. Spe­zi­ell auf die Was­ser­kraft will der Staat set­zen. Um das Acht­fa­che sol­len die Kapa­zi­tä­ten in die­sem Bereich aus­ge­baut werden.

Auch die Regio­nen, die stark vom Betrieb ihrer loka­len Atom­kraft­wer­ke oder nuklea­ren Wie­der­ver­wer­tungs­an­la­gen abhän­gig sind, sol­len mit Sub­ven­ti­ons­pro­gram­men für die Umstel­lung auf neue Wirt­schafts­sek­to­ren unter­stützt wer­den. So könn­te bei­spiels­wei­se der Schnell­brü­ter Mon­ju in der Prä­fek­tur Fukui zu einem Reak­tor für wis­sen­schaft­li­che For­schung umge­nutzt werden.

Die Sor­gen der USA

Rich­tig zufrie­den stel­len wird die­se neu ent­wor­fe­ne Ener­gie­po­li­tik nie­man­den wirk­lich. Die gros­sen Atom­ener­gie­staa­ten USA, Frank­reich, und Gross­bri­tan­ni­en sor­gen sich um die Ent­wick­lung der Rohstoffpreise.

«Soll­te die dritt­gröss­te Volks­wirt­schaft auf Atom­ener­gie ver­zich­ten, wird das auch einen Ein­fluss auf den Preis des Erd­öls haben», liess sich Washing­ton gemäss Tokyo Shim­bun zitie­ren. Da immer noch 48 Reak­to­ren abge­schal­tet sind, ist der Import von Gas und Erd­öl in Japan bereits mas­siv angestiegen.

Die japa­ni­schen AKW-Bau­er wie Toshi­ba, Mitsu­bi­shi oder Hita­chi haben bereits reagiert. Sie set­zen voll auf den Export ihrer Tech­no­lo­gie in Schwel­len­län­der (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Zwei­fel der Anti-AKW-Gegner

Ob sich die Anti-AKW-Bewe­gung, die sich in den letz­ten Mona­ten in Japan eta­bliert hat, mit dem Ent­wurf zufrie­den geben wird, ist zu bezwei­feln. Zu unklar sind die For­mu­lie­run­gen, zu weit weg die Ziel­set­zun­gen. Der Plan wirkt in ihren Augen wie eine poli­ti­sche Ausrede.

Der Aus­stieg wird auf die 2030er-Jah­re ange­setzt ohne einen kla­ren Zeit­punkt zu benen­nen. Gin­ge es allei­ne nach der Begren­zung von 40 Jah­ren Lebens­zeit pro AKW, wären im Jahr 2030 noch gan­ze 20 Reak­to­ren im Betrieb. 2035 noch 9, 2039 5 und im Jahr 2045 noch 4. Eine kürz­li­che Umfra­ge ergab jedoch, dass rund die Hälf­te der Japa­ner einen kom­plet­ten Aus­stieg bis zum Jahr 2030 wün­schen, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berich­te­te.

Ob zudem ein Wie­der­hoch­fah­ren der zur­zeit still­ge­leg­ten Reak­to­ren für die­se Grup­pie­run­gen über­haupt eine Opti­on ist, steht eben­falls auf einem ande­ren Blatt geschrieben.

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