Der Atom-Minis­ter

Foto: Wikimedia/​DAJFNobute­ru Ishiha­ra bei einer Wahl­ver­an­stal­tung im Jahr 2010.

Wäh­rend sich Pre­mier­mi­nis­tier Shin­zo Abe gemäss Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen der LDP und Juni­or­part­ner Kom­ei­to offi­zi­ell an die Ent­schei­de der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de (NRA) bezüg­lich der Sicher­heit und des Wie­der­hoch­fah­ren der abge­schal­te­ten AKW-Reak­to­ren hal­ten will, deu­tet sei­ne Kabi­netts­be­set­zung auf eine Zukunft hin, die voll und ganz auf die nuklea­re Ener­gie setzt.

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So ist der neue Umwelt­mi­nis­ter – und damit zustän­dig für die Sicher­heit der Atom­re­ak­to­ren – nie­mand Gerin­ge­rer als der 55-jäh­ri­ge Nobute­ru Ishiha­ra. Wenn es um Fra­gen der Atom­po­li­tik geht, wird er neben Pre­mier Abe und Wirt­schafts­mi­nis­ter Tosh­imit­su Mote­gi eine Schlüs­sel­fi­gur sein. Er ist der Sohn von Tokios Ex-Gou­ver­neur und neu­em Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker im Par­la­ment Shin­t­a­ro Ishiha­ra. Wie der Vater ist auch der Sohn ein Poli­ti­ker, der sich popu­lis­tisch kon­ser­va­tiv gibt und die AKW als wich­ti­ge Stüt­ze für die Ener­gie­po­li­tik sieht. Bereits unter Koi­zu­mi amte­te der 55-Jäh­ri­ge als Minister.

Ein unvor­sich­ti­ger Fukushima-Vergleich

Nobute­ru Ishiha­ra for­dert unmiss­ver­ständ­lich das Wie­der­hoch­fah­ren der zur­zeit 48 abge­schal­te­ten Reak­to­ren, sofern die­se die Stress­tests bestan­den haben. Einen lang­fris­ti­gen Aus­stieg bis 2040, wie es Pre­mier­mi­nis­ter Yoshi­hi­ko Noda vor­schlug, hal­tet Ishiha­ra für nichts Gutes, ja gar als etwas «Unver­ant­wort­li­ches». Die Anti-AKW-Bewe­gung stem­pelt Ishiha­ra als «Mas­sen­hys­te­rie» ab.

In die Bed­rouil­le kam der frü­he­re Fern­seh­jour­na­list, als er im Sep­tem­ber 2012 in einer TV-Sen­dung das AKW Fuku­shi­ma mit «Sati­an» gleich­stell­te, wie Spo­ni­chi berich­te­te. So wur­de die Stät­te genannt, in der die AUM-Sek­te das Saringas für den Ter­ror­an­griff auf die Tokio­ter U-Bahn 1995 her­stell­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die Medi­en bezeich­ne­ten ihn für sei­ne unvor­sich­ti­gen Ver­gleich als rück­sichts­los gegen­über den Opfern der AKW-Kata­stro­phe. Wenig spä­ter ent­schul­dig­te sich Ishiha­ra. Es habe sich ledig­lich um einen Ver­spre­cher gehandelt.

Ishiha­ra selbst hat­te im Sep­tem­ber als Kan­di­dat für den Vor­sitz der regie­ren­den Libe­ral­de­mo­kra­ten (LDP) Ambi­tio­nen auf das Pre­mier­mi­nis­ter­amt gehegt, unter­lag dabei aber Shin­zo Abe deut­lich. Sei­ne Beset­zung wird auch als stra­te­gi­scher Schach­zug des Pre­miers ange­se­hen, um den poten­ti­el­len Unru­he­stif­ter in die Ver­ant­wor­tung zu neh­men und ruhig zu stellen.

Abe macht Druck

Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe hat der­weil der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de ein Ulti­ma­tum gestellt. Inner­halb von 3 Jah­ren müs­se ent­schie­den sein, ob alle zur­zeit 48 abge­schal­te­ten Reak­to­ren wie­der hoch­ge­fah­ren wür­den. NRA-Chef Shu­ni­chi Tan­a­ka sag­te in einem Inter­view mit der Asahi Shim­bun, dass die­se Vor­ga­be schlicht­weg nicht zu erfül­len sei. Man brau­che mehr Zeit.

Aus­ser­dem wer­de die NRA auch kei­ne AKW mehr hoch­fah­ren, die über einer akti­ven Ver­wer­fungs­li­nie lägen. Dies könn­te auch, die der­zeit ein­zi­gen 2 ange­schal­te­ten Reak­to­ren im AKW Oi, Prä­fek­tur Fukui, betref­fen. Eine wei­te­re geo­lo­gi­sche Unter­su­chung ist der­zeit im Gange.

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