Die Nan­king-Abbit­te

Screen­shot: youtube/​Shan­mei KanHatoy­a­ma verneingt sich vor einer Gedenk­ta­fel in Nanjing.

Yukio Hatoy­a­ma war bis im Juni 2010 noch Japans Pre­mier­mi­nis­ter. Bis im ver­gan­ge­nen Jahr war er noch Abge­ord­ne­ter im Unter­haus für die Demo­kra­ti­sche Par­tei. Im Novem­ber folg­te nach Strei­tig­kei­ten mit sei­ner Par­tei der Rück­tritt. Bei den Neu­wah­len im Dezem­ber trat er nicht mehr an.

Aufs Ram­pen­licht mag Yukio Hatoy­a­ma den­noch nicht ver­zich­ten. Beglei­tet von zahl­rei­chen Medi­en mach­te sich der ehe­ma­li­ge Pre­mier­mi­nis­ter auf eine vier­tä­gi­ge Rei­se nach Chi­na auf. Als Pri­vat­per­son auf Ein­la­dung einer aka­de­mi­schen Orga­ni­sa­ti­on, wie er beton­te. Emp­fan­gen wur­de er jedoch wie ein Staats­mann. Die Kame­ras folg­ten ihn auf Schritt und Tritt.

Der Besuch in Nanjing

Zum Schlüs­sel­er­eig­nis wur­de Hatoy­a­mas Besuch in der chi­ne­si­schen Stadt Nan­jing (Nan­king ist die älte­re deut­sche Schreib­wei­se, Anm. d. Red), wo japa­ni­sche Trup­pen im Dezem­ber 1937 nach der Beset­zung rund 200’000 Men­schen ermor­de­ten – im Wes­ten als Nan­king-Mas­sa­ker bekannt. Vor einer Gedenk­stät­te ver­neig­te sich der Ex-Pre­mie­re uns ent­schul­di­ge sich dar­auf für die Gräu­el­ta­ten sei­nes Landes.

«Als Japa­ner füh­le ich mich ver­ant­wort­lich für die­se Tra­gö­die. Ich bin hier, um mich auf­rich­tig zu ent­schul­di­gen», sag­te Hatoy­a­ma der chi­ne­si­schen Pres­se. Er ist nach Toshi­ki Kai­fu und Tomiichi Mura­y­a­ma erst der drit­te Ex-Pre­mier, der Nan­jing besucht hat.

Die Aus­sa­ge ist beson­ders bri­sant, da mit Shin­zo Abe zur­zeit ein Pre­mier­mi­nis­ter in Japan am Ruder ist, der genau wie sein Par­tei­kol­le­ge und Ex-Pre­mier Juni­chi­ro Koi­zu­mi, auch schon den umstrit­te­nen japa­ni­schen Kriegs­schrein Yas­uku­ni besucht hat. Nicht weni­ge von Abes Par­tei­kol­le­gen zwei­feln gar das Nan­jing-Mas­sa­ker an oder ver­harm­lo­sen es als Zwischenfall.

Kri­tik an Tokio

Hatoy­a­ma selbst gab sich in sei­ner Zeit als Pre­mier­mi­nis­ter über­aus chi­n­a­freund­lich (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Er streng­te gar eine poli­ti­sche Annä­he­rung der bei­den Län­der an, die letzt­end­lich scheiterte.

Vor sei­ner Rei­se nach Nan­jing traf sich der Ex-Pre­mier in Bei­jing mit einem Ver­tre­ter des Kon­sul­ta­tiv­kon­fe­renz, dem Bera­ter­stab der chi­ne­si­schen Regie­rung. Dabei mach­te sich Hatoy­a­ma bezüg­lich des Streits und die umstrit­te­nen Sen­ka­ku-Inseln für eine Lösung zwi­schen den bei­den Län­dern stark.

Er kri­ti­sier­te die Hal­tung sei­nes eige­nen Lan­des. «Japans Regie­rung sagt, dass es kei­nen Ter­ri­to­ri­al­streit gebe. Aber offen­sicht­lich gibt es einen.» Bei­de Län­der soll­ten das Pro­blem aner­ken­nen und über den Dia­log zu einer Ant­wort fin­den, so Hatoy­a­ma weiter.

«Ein Lan­des­ver­rä­ter»

Tokio zeig­te sich wenig erfreut über die aus­ge­dehn­te Chi­na-Rei­se des Ex-Pre­miers. Beson­ders ver­är­gert zeig­te sich Japans Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Its­un­ori Onode­ra. Es sei nicht gut, wenn Chi­na die Wor­te Hatoy­a­mas für sei­ne eige­nen Zwe­cke ver­wen­de. «Ich soll­te es zwar nicht sagen, aber für einen Moment kam mir das Wort ‹Lan­des­ver­rä­ter› in den Sinn», zitiert die Yomi­uri Shim­bun Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Onodera.

Chi­nas Medi­en haben der­weil die Ges­te des ehe­ma­li­gen japa­ni­schen Regie­rungs­chefs begrüsst. In zahl­rei­chen Medi­en wur­de gross über ihn berich­tet. Auch Chi­nas Aus­sen­mi­nis­ter lob­te Hatoy­a­ma. Ein sol­cher Besuch sei ein Antrieb für eine gesun­de Ent­wick­lung der Bezie­hun­gen bei­der Länder.

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