«Die Trost­frau­en waren notwendig»

Screen­shot: youtube/​sutei­dxxxttsMacht ger­ne von sich reden: Toru Hashimoto.

Toru Hash­i­mo­to, Osakas Bür­ger­meis­ter und Co-Vor­sit­zen­der der neu im Par­la­ment ver­tre­te­nen Reform­par­tei, weiss mit sei­nem ener­gi­schen Auf­trit­ten und sei­nen simp­len Rezep­ten zu pro­vo­zie­ren. In sei­ner typi­schen Manier riss er an einer Pres­se­kon­fe­renz die anhal­ten­de Debat­te um die Ver­bre­chen Japans im Zwei­ten Welt­krieg an sich.

Es sei eine Tra­gö­die des Krie­ges, die sich nicht wie­der­ho­len dür­fe, aber «die Trost­frau­en waren zu jener Zeit not­wen­dig, um die Ord­nung in der Armee auf­recht­zu­er­hal­ten», zitiert die Yomi­uri Shim­bun Hash­i­mo­to. Aus­ser­dem sei Japan kein Ein­zel­fall gewesen.

Der Begriff der Trost­frau­en ist in Japan ein Euphe­mis­mus für die Frau­en, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs in den besetz­ten Gebie­ten von der japa­ni­schen Armee zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen wur­den. Schät­zungs­wei­se 200’000 Frau­en in Korea und Chi­na waren davon betrof­fen. Die japa­ni­sche Regie­rung tut sich bis heu­te schwer, die­ses Kapi­tel zu the­ma­ti­sie­ren. Eine Mehr­heit der noch leben­den Opfer war­tet bis heu­te auf eine offi­zi­el­le Aner­ken­nung und Ent­schä­di­gung für die began­ge­nen Verbrechen.

Twit­ter-Flut

Einen Tag spä­ter ver­lieh Bür­ger­meis­ter Hash­i­mo­to in einer Flut von mehr als einem Dut­zend Tweets sei­nem Argu­ment Nach­druck. «Es ist kor­rekt, dass die Armee Insti­tu­tio­nen errich­te­te und die Frau­en, die gegen ihren Wil­len Trost­frau­en wur­den, unter elen­den Umstän­den leben muss­ten. Aber so etwas gab es auch in Arme­en ande­rer Länder.»

«In Krie­gen zer­bre­chen sich alle Arme­en der Welt über das Pro­blem der sexu­el­len Bedürf­nis­se ihrer Sol­da­ten den Kopf», schrieb er in einem Tweet. Dies zu kon­trol­lie­ren sei eine rie­si­ge Auf­ga­be für die Armee. Aber zu tun, als ob die Idee der Trost­frau­en eine japa­ni­sche Eigen­art gewe­sen sei, sei schlicht­weg falsch.

Die Metho­de der Konservativen

Hash­i­mo­tos Argu­men­te sind nichts Neu­es. Hin­ter­fra­gen, ver­harm­lo­sen, recht­fer­ti­gen und ver­all­ge­mei­nern – damit ver­är­gern die Kon­ser­va­ti­ven und Natio­na­lis­ten Japans regel­mäs­sig die Nach­bar­län­der Süd­ko­rea und Chi­na in der Debat­te um die Ver­bre­chen des Zwei­ten Weltkriegs.

In sei­ner ers­ten Amts­zeit 2007 mein­te Shin­zo Abe noch, dass es kei­ne Bewei­se dafür gebe, dass damals Zwang auf Frau­en aus­ge­übt wor­den sei. Nach hef­ti­ger Kri­tik aus dem Aus­land folg­te die Ent­schul­di­gung. Es ist übri­gens ein Argu­ment, dass auch Hash­i­mo­to schon ver­wen­det hat.

Kri­tik aus Südkorea

Aus Süd­ko­rea folg­te umge­hen die Reak­ti­on: «Der Miss­brauch von Frau­en in Kriegs­zei­ten ist eine schwe­re Ver­let­zung der inter­na­tio­nal aner­kann­ten Men­schen­rech­te. Die Äus­se­run­gen von Hash­i­mo­to offen­ba­ren einen Man­gel an Ver­ständ­nis für die Men­schen­rech­te der Frau­en», erklär­te ein Pres­se­spre­cher der Regie­rung der Japan Times.

Bang Chung-ja von einer NGO in Osa­ka, die sich dem The­ma der Trost­frau­en ange­nom­men hat, kri­ti­sier­te in der Asahi Shim­bun Hash­i­mo­tos Argu­men­ta­ti­on aufs Schärfs­te: «Damit wird vor­aus­ge­setzt, dass Frau­en und Sex in Krie­gen ein­fach benutzt und nicht als Men­schen Men­schen ange­se­hen werden.»

Auch Hong Lei, Spre­cher im chi­ne­si­schen Aus­sen­mi­nis­te­ri­um, äus­ser­te sich laut der Chi­na Dai­ly mit deut­li­chen Wor­ten zur Ange­le­gen­heit: «Wir sind geschockt und empört über die Bemer­kun­gen des japa­ni­schen Poli­ti­kers, die scham­los die his­to­ri­sche Gerech­tig­keit und das Bewusst­sein der Mensch­heit in Fra­ge stellt.»

Der japa­ni­sche Kabi­netts­se­kre­tär Yoshihi­de Suga wie­der­hol­te der­weil den offi­zi­el­len Stand­punkt der Regie­rung, nach dem die betrof­fe­nen Frau­en ein uner­träg­li­ches Leid erfah­ren mussten.

Vor­schlag an die US-Armee

Toru Hash­i­mo­to scheint die Kri­tik nicht zu stö­ren. Für das US-Mili­tär auf Oki­na­wa, das sich wie­der­holt wegen Ver­bre­chen ihrer Sol­da­ten gegen die Lokal­be­völ­ke­rung ver­ant­wor­ten muss­te, hat er gar noch eine Empfehlung.

Einem höhe­ren US-Mili­tär soll er Anfang Mai auf Oki­na­wa gesagt haben, dass des­sen Sol­da­ten doch mehr Gebrauch vom gesetz­lich erlaub­ten Sex­ge­wer­be in Japan machen soll­ten. Man müs­se sich ja über­le­gen, wo die­se Sol­da­ten, die stän­dig in Extrem­si­tua­tio­nen geschickt wür­den, ihre Ener­gie ablas­sen könn­ten. Aber die poli­ti­sche Kor­rekt­heit ver­bie­te eine sol­che Dis­kus­si­on, schrieb Hash­i­mo­to über Twitter.

Sein ame­ri­ka­ni­scher Gesprächs­part­ner habe freund­lich abge­lehnt. Das Pen­ta­gon bezeich­ne­te Hash­i­mo­tos Vor­schlag als lächer­lich. Dass sich Osakas Bür­ger­meis­ter inter­na­tio­nal so eini­ges ver­spielt hat, steht aus­ser Fra­ge. Es ist aus­ser­dem zu bezwei­feln, dass er mit sol­chen Bemer­kun­gen die Gunst der weib­li­chen Wäh­ler­schaft für sich gewin­nen wird.

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