Oki­na­wa im Visier Chinas

Screen­shot: youtube/​NewChinaChannelZwi­schen Japan und Chi­na: Die Ryukyu-Inseln.

Wem gehört Oki­na­wa? Die­se Fra­ge stell­ten sich die zwei chi­ne­si­sche Aka­de­mi­ker Zhang Hai­peng und Li Guo­qiang in der People’s Dai­ly (Ren­min Ribao), dem offi­zi­el­len Blatt der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei. Die­se Fra­ge müss­te aus einer his­to­ri­schen Sicht noch­mals über­dacht wer­den, kamen sie zum Schluss. Die bei­den gehö­ren dem staat­li­chen Thinktank Chi­ne­se Aca­de­my of Soci­al Sci­en­ces an.

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Die Ryukyu-Inseln, zu der die Haupt­in­sel Oki­na­wa gehört, hät­ten als eigen­stän­di­ge Mon­ar­chie über Jahr­hun­der­te Tri­but an Chi­na bezahlt. 1879 habe das impe­ria­lis­ti­sche Japan schliess­lich die Mon­ar­chie abge­schafft und die Insel­grup­pe als Prä­fek­tur Oki­na­wa ein­ver­leibt. Des­halb sei es durch­aus ange­bracht, die Zuge­hö­rig­keit der Insel­grup­pe in Fra­ge zu stellen.

Screen­shot: Ren­min RibaoDer umstrit­te­ne Arti­kel aus der People’s Daily.

Oki­na­wa als Spiel­ball der Grossmächte

Die Insel­grup­pen um Oki­na­wa mit rund 1,4 Mil­lio­nen Ein­woh­nern bil­den den süd­lichs­ten Teil Japans. Die US-Armee besitzt hier einen Gross­teil all ihrer Stütz­punk­te in Japan. Rund zwei Drit­tel der 40’000 im Land sta­tio­nier­ten US-Sol­da­ten sind auf Okinawa.

Die Ryukyu-Inseln waren über Jahr­hun­der­te eine Mon­ar­chie, die stets im Ein­fluss­be­reich Japans und Chi­na stand. Um die guten Han­dels­be­zie­hun­gen und eine Auto­no­mie auf­recht­zu­er­hal­ten, leis­te­te das klei­ne König­reich nicht nur Chi­na, son­dern auch Japan über Jahr­hun­der­te Tri­but­zah­lun­gen. Dabei übte die ehe­ma­li­ge japa­ni­sche Pro­vinz Sats­u­ma eine star­ke Kon­trol­le über Oki­na­wa aus, das zu einem wich­ti­gen Han­dels­um­schlag­platz zwi­schen Chi­na und dem iso­lier­ten Japan wurde.

In der Moder­ni­sie­rungs­zeit Japans wur­den die Inseln ab 1879 zu einer offi­zi­el­len Prä­fek­tur des Lan­des umge­wan­delt und die Ryukyu-Mon­ar­chie end­gül­tig abge­schafft. Im Zwei­ten Welt­krieg erober­ten die USA unter schwers­te Ver­lus­ten die Insel. 27 Jah­re blieb Oki­na­wa unter ame­ri­ka­ni­scher Kon­trol­le. 1972 folg­te die Rück­ga­be an Japan, inklu­si­ve der umstrit­te­nen Sen­ka­ku/­Dia­oyu-Inseln, die auch Chi­na und Tai­wan für sich bean­spru­chen. Durch die Sicher­heits­al­li­anz mit Japan haben sich die USA bis heu­te eine star­ke Prä­senz auf der geo­stra­te­gisch bedeut­sa­men Insel­grup­pe gesichert.

Die Reak­ti­on aus Tokio

Japans Kabi­netts­se­kre­tär Yoshihi­de Saga kri­ti­sier­te den Arti­kel in der People’s Dai­ly. Soll­te die­ser die offi­zi­el­le Sicht der chi­ne­si­schen Regie­rung reflek­tie­ren, wür­de er ent­schie­den dage­gen pro­tes­tie­ren, zitiert ihn die Yomi­uri Shim­bun. Es gebe kei­nen Zwei­fel, dass Oki­na­wa his­to­risch und nach inter­na­tio­na­lem Recht Teil Japans seien.

Chi­nas Aus­sen­mi­nis­te­ri­um ant­wor­te­te, dass die­ser Arti­kel ledig­lich im Namen zwei­er Wis­sen­schaft­ler geschrie­ben wor­den sei, ver­zich­te­te aber mit einem diplo­ma­ti­schen Wort­laut auf eine kla­re Hal­tung. «Die Geschich­te der Ryukyu-Inseln sind schon län­ger ein aka­de­mi­sches Pro­blem», sag­te Pres­se­spre­che­rin Hua Chun­y­ing und fuhr fort: «Ich wie­der­ho­le, dass die Dia­oyu-Inseln (Sen­ka­ku-Inseln) Teil von Chi­nas Ter­ri­to­ri­um sind und nie Teil von Ryukyu oder Oki­na­wa waren.»

Was steckt dahinter?

Dass über Oki­na­wa auch in Zukunft nicht ver­han­delt wird, weiss auch Chi­na. Viel­mehr muss der Zei­tungs­kom­men­tar als ein stra­te­gi­sches Mit­tel im Legi­ti­ma­ti­ons­kampf um die umstrit­te­nen Sen­ka­ku-Inseln süd­lich von Oki­na­wa gewer­tet wer­den. Seit Mona­ten lei­den die poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen der bei­den Län­der durch die Strei­tig­kei­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der His­to­ri­ker Wil­ly Wo-Lap Lam von der Chi­ne­se Uni­ver­si­ty of Hong­kong erklärt es der Nach­rich­ten­agen­tur Bloom­berg fol­gen­der­mas­sen: «Das ist eine psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung und eine klas­si­sche chi­ne­si­sche Ver­hand­lungs­art. Indem man den Ein­satz erhöht, soll der Geg­ner ein­ge­schüch­tert werden.»

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