Das Ende einer Shopping-Ära

Foto: wikimedia/​Lom­bro­soDas Matsuz­a­ka­ya im Tokio­ter Quar­tier Gin­za gibts nicht mehr.

88 Jah­re lan­ge war das Kauf­haus Matsuz­a­ka­ya ein Wahr­zei­chen des Tokio­ter Ein­kaufs­quar­tiers Gin­za. Letz­te Woche schloss der Gigant sei­ne Tore, um Platz für ein neu­es Ein­kaufs­zen­trum machen. Es ist das Ende einer Ära.

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Nur ein Jahr nach dem Gros­sen Erd­be­ben von Tokio eröff­ne­te das Kauf­haus Matsuz­a­ka­ya 1924 in Gin­za sei­ne Tore. Es wur­de zum japa­ni­schen Vor­rei­ter einer west­li­chen Einkaufskultur.

Hier durf­ten die Gäs­te mit den Schu­hen den Ein­kaufs­tem­pel betre­ten – ein Novum, das damals eine gros­se Kon­tro­ver­se aus­lös­te. Bei Matsuz­a­ka­ya gab es auch die ers­ten Lift-Damen, die spä­ter zu einem Muss in allen japa­ni­schen Kauf­häu­sern wurden.

Die Vor­rei­ter­rol­le

Als 1925 die Kon­kur­ren­ten Mats­u­ya und 1930 Mit­suko­shi eben­falls in Gin­za eröff­ne­ten, wur­de das Quar­tier voll­ends zum Puls­ge­ber und Aus­hän­ge­schild des schi­cken Tokios. Nichts war für die­se Kauf­häu­ser extra­va­gant genug. Selbst ein Zoo auf dem Dach des Matsuz­a­ka­ya gab es.

Der Zwei­te Welt­krieg berei­te­te dem Kauf­haus-Boom ein vor­läu­fi­ges Ende. Das Gebäu­de von Matsuz­a­ka­ya wur­de bei einem alli­ier­ten Bom­ben­an­griff teil­wei­se zerstört.

Nach dem Krieg folg­te die Wie­der­eröff­nung. Mit der Hoch­wachs­tums­pha­se kamen für Matsuz­a­ka­ya die gol­de­nen Jah­re. Das Kauf­haus wur­de zu einem Sym­bol des Aufschwungs.

Der lang­sa­me Niedergang

Das Plat­zen der Wirt­schafts­bla­se Ende der 1980er-Jah­re lei­te­te für Matsuz­a­ka­ya Gin­za schliess­lich den lang­sa­men Nie­der­gang ein. Die Pio­nier war in die Jah­re gekom­men. Die Ein­kaufs­lust der Kon­su­men­ten war vor­bei. Die mode­be­wuss­ten Tokio­ter hat­te schon lan­ge ande­re Quar­tie­re in Beschlag genom­men. Das gan­ze Ein­kaufs­quar­tier stürz­te in eine Identitätskrise.

Erst mit dem Umzug der «Fast Fashion»-Läden (Asi­en­spie­gel berich­te­te) wie Uni­q­lo, H&M, Zara, Aber­crom­bie & Fitch oder Fore­ver 21 ver­pass­te sich Gin­za eine neue, fri­sche Iden­ti­tät (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Selbst Apple ent­schloss sich, in die­sem Tra­di­ti­ons­vier­tel sei­nen Flagship­sto­re zu eröffnen.

Uni­q­lo-Besit­zer Tada­shi Yanai bezeich­net Gin­za inzwi­schen als den attrak­tivs­ten Ort in Asi­en. Für das alte Kauf­haus Matsuz­a­ka­ya blieb hier kei­nen Platz. Gegen die Prei­se der Bil­lig­mo­de-Anbie­ter konn­te es nicht kon­kur­rie­ren. Der Umsatz fiel laut NHK News letz­tes Jahr auf 10,2 Mil­li­ar­den Yen (78 Mil­lio­nen Euro). Das war noch ein Fünf­tel im Ver­gleich zum Rekord­jahr 1990.

Neue Plä­ne

J. Front Retailing, dem Betrei­ber der Matsuz­a­ka­ya-Häu­ser, blieb nichts ande­res übrig als einen Schluss­strich zu zie­hen. Der Gin­za-Able­ger muss nun Neu­em Platz machen.

In den nächs­ten vier Jah­ren ent­steht hier ein neu­er 13-stö­cki­ger Ein­kaufs­kom­plex mit sechs Unter­ge­schos­sen. Ob Matsuz­a­ka­ya wie­der dabei sein wird, ist noch nicht ent­schie­den. Gut mög­lich also, dass die Tra­di­ti­ons­ge­schich­te weitergeht.

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