Ein Gou­ver­neur gegen TEPCO

Foto: flickr/​shinyaiDas AKW Kashi­wa­za­ki-Kari­wa in der Prä­fek­tur Niigata.

Ab Mon­tag gilt in Japans Atom­welt eine neue Zeit­rech­nung. Dann tre­ten die stren­ge­ren Sicher­heits­vor­schrif­ten der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de (NRA) in Kraft. Bereits haben vier AKW-Betrei­ber ange­kün­digt, unver­züg­lich Anträ­ge zum Wie­der­hoch­fah­ren von ins­ge­samt 12 Reak­to­ren zu stel­len (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Noch ste­hen 48 der 50 Reak­to­ren in Japan still.

Zu den Antrags­stel­lern gehört auch TEP­CO, Betrei­ber des hava­rier­ten AKW Fuku­shi­ma 1. Neben dem AKW Fuku­shi­ma 2, das kaum je wie­der hoch­ge­fah­ren wird (Asi­en­spie­gel berich­te­te), besitzt der Kon­zern in der Prä­fek­tur Niiga­ta sein letz­tes noch funk­tio­nie­ren­des AKW.

Dabei ist Kashi­wa­za­ki-Kari­wa nicht irgend­ein AKW, son­dern gleich das leis­tungs­stärks­te der Welt. Gleich 7 Reak­to­ren umfasst es. TEP­CO möch­te mög­lichst schnell wie­der die Reak­to­ren 6 und 7 von Kashi­wa­za­ki-Kari­wa in Betrieb neh­men. Denn der Kon­zern kämpft mit immensen finan­zi­el­len Schwierigkeiten.

Die Geld­pro­ble­me von TEPCO

Die Kos­ten für die Ret­tungs­ar­bei­ten im AKW Fuku­shi­ma 1, die finan­zi­el­len Ent­schä­di­gun­gen für die Opfer sowie der teu­re Betrieb von kon­ven­tio­nel­len Wär­me­kraft­wer­ken haben TEP­CO zwei Jah­re in Fol­ge in tief­ro­te Zah­len gestürzt. 7,78 Mil­li­ar­den US-Dol­lar beträgt der Ver­lust seit 2011. Nur die Ver­staat­li­chung hat das Unter­neh­men vor dem Kol­laps geret­tet. Die Ban­ken dro­hen der­weil den Geld­hahn zuzu­dre­hen, soll­te TEP­CO ein wei­te­res Jahr Ver­lus­te schrei­ben. Mit Kashi­wa­za­ki-Kari­wa soll alles bes­ser wer­den, so die Hoff­nung des Konzerns.

Dass aus­ge­rech­net der Haupt­ver­ant­wort­li­che der Nukle­ar­ka­ta­stro­phe als einer der ers­ten wie­der den AKW-Betrieb in Japan auf­neh­men möch­te, stösst vie­len in der Prä­fek­tur Niiga­ta sau­er auf. In den letz­ten zwei Jah­ren hat sich in der Bevöl­ke­rung akti­ven Wider­stand gegen den AKW-Koloss gebil­det (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Der Wider­stand des Gouverneurs

Das Unver­ständ­nis reicht bis in die poli­ti­sche Spit­ze der Prä­fek­tur Niiga­ta. Der unab­hän­gi­ge Gou­ver­neur Hiro­hi­ko Izu­mi­da hat für einen japa­ni­schen Poli­ti­ker unge­wöhn­lich klar sei­nen Wider­wil­len gegen den TEP­CO-Antrag zum Aus­druck gebracht.

«TEP­COs Plan, ein Gesuch zum Wie­der­hoch­fah­ren ein­zu­rei­chen ohne dabei sei­ner Ver­ant­wor­tung nach­zu­kom­men, wird in der Bevöl­ke­rung auf kein Ver­ständ­nis stos­sen. Der Betrei­ber schul­det der Lokal­be­vö­ke­rung eine Erklä­rung», zitiert die Mai­ni­chi Shim­bun den Gouverneur.

Izu­mi­da wirf TEP­CO vor, die genau­en Ursa­chen der AKW-Kata­stro­phe bis zum heu­ti­gen Tag nicht unter­sucht zu haben. Solan­ge sich die­se Hal­tung nicht ände­re, kom­me für ihn ein Wie­der­hoch­fah­ren von Kashi­wa­za-Kari­wa nicht in Frage.

Gespräch mit den Bürgermeistern

TEP­CO-Prä­si­dent Nao­mi Hiro­se hat zwar ange­kün­digt das Gespräch mit Gou­ver­neur Izu­mi­da zu suchen. Die­ser hat aber bereits erklärt, dass er nicht über die Wie­der­in­be­trieb­nah­me von Kashi­wa­za-Kari­wa spre­chen möch­te. Die Bür­ger­meis­ter der bei­den Städ­te Kashi­wa­za und Kari­wa, in denen das AKW liegt, gaben sich zurück­hal­tend. Man möch­te zuerst die Erklä­rung von TEP­CO anhö­ren. In jedem Fall habe die Sicher­heit der Bevöl­ke­rung Priorität.

Theo­re­tisch wür­de TEP­CO die Bewil­li­gung durch die Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de für die Wie­der­in­be­trieb­nah­me aus­rei­chen. Doch ohne eine Zustim­mung der Lokal­be­völ­ke­rung wird es für die Poli­ti­ker kaum mög­lich sein, einen sol­chen Schritt gutzuheissen.

Update, 8. Juli 2013

Die Ankün­di­gung von Gou­ver­neur Izu­mi­da zeigt Wir­kung. TEP­CO hat beschlos­sen, sei­nen Antrag auf Wie­der­hoch­fah­ren von 2 Reak­to­ren im AKW Kashi­wa­za-Kari­wa bis auf Wei­te­res zu verschieben.

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