Ein Pen­del auf dem Wolkenkratzer

Foto: flick/​wallygDas 225 Meter hohe Shin­juku Mit­sui Buil­ding (links) war zwi­schen 1974 und 1978 das höchs­te Gebäu­de Japans.

Zwar gel­ten Japans Hoch­häu­ser als äus­serst erd­be­ben­si­cher, den­noch ist es nicht ange­nehm star­ke Erschüt­te­run­gen im 10. Stock zu erle­ben. Die Schwan­kun­gen, denen das Hoch­haus aus­ge­setzt ist, sind oft erheb­lich. Vie­le Men­schen bekla­gen in den Tagen danach ähn­lich der See­krank­heit Schwin­del­ge­füh­le und Desorientierung.

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Gera­de nach dem gros­sen Erd­be­ben vom 11. März 2011 beklag­ten sich vie­le über die­se Sym­pto­me. «Jis­hin­yoi» nen­nen die Japa­ner die­ses Phä­no­men, die «Erd­be­ben-Trun­ken­heit».(Asi­en­spie­gel berich­te­te). Auch Tai­fu­ne kön­nen Wol­ken­krat­zer ähn­lich stark zum Schwan­ken brin­gen und ent­spre­chen­des Unwohl­sein bei den Betrof­fe­nen hervorrufen.

Der Schwin­gungs­dämp­fer

Ein soge­nann­ter Schwin­gungs­dämp­fer bringt Abhil­fe. Dies ist nichts ande­res als ein Pen­del in Form einer meh­re­ren Ton­nen schwe­ren Gewichts. In den obers­ten Eta­gen eines Wol­ken­krat­zers instal­liert, sorgt es dafür, die Gebäu­de­schwin­gun­gen bei Erd­be­ben und star­ken Win­den dämpft.

Die Kugel pen­delt dabei in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung der seis­mi­schen Bewe­gung. Damit wird Ener­gie absor­biert und das schwan­ken­de Gebäu­de aus­ba­lan­ciert. Die­se Tech­no­lo­gie gehört inzwi­schen zum Stan­dard in allen moder­nen Wol­ken­krat­zern und Hän­ge­brü­cken. Der Burj Kha­li­fa in Dubai, das höchs­te Gebäu­de der Welt, besitzt gleich 11 sol­cher Schwingungsdämpfer.

Im 508 Meter hohen Tai­pei-101-Wol­ken­krat­zer in der tai­wa­ni­schen Haupt­stadt exis­tiert der­weil das welt­weit gröss­te Pen­del. Eine 660 Ton­nen schwe­re Kugel zwi­schen dem 87. und 92. Stock sorgt hier für die Balan­ce bei grös­se­ren Erschüt­te­run­gen. Die maxi­mal auf­tre­ten­den Schwan­kun­gen wer­den damit um 50 Pro­zent reduziert.

Eine Lösung für alle Hochhäuser

Noch lan­ge nicht alle Hoch­häu­ser ver­fü­gen jedoch über die­se aus­ge­feil­te Tech­no­lo­gie. Nun bie­ten zwei japa­ni­sche Fir­men eine Lösung an, bei der sich auch älte­re Gebäu­de damit aus­rüs­ten las­sen. Der Bau­pro­jekt­ent­wick­ler Mit­sui Fudo­san und die Bau­fir­ma Kaji­ma Corp haben laut der Ken­set­su News ein Schwin­gungs­dämp­fer ent­wi­ckelt, der sich ganz ein­fach auf dem Dach eines Hoch­hau­ses instal­lie­ren lässt.

Ein ton­nen­schwe­res Stahl­pen­del sorgt dabei für das Gleich­ge­wicht des Gebäu­des bei Erschüt­te­run­gen. Die Schwin­gun­gen kön­nen damit laut den Her­stel­lern selbst bei einer Magnitu­den­stär­ke 9 um bis 60 Pro­zent redu­ziert wer­den. Gleich­zei­tig wird auch die fühl­ba­re Zeit der Vibra­tio­nen verringert.

Japans gröss­te Vorrichtung

Auf dem 55-stö­cki­gen Mit­sui Buil­ding im Tokio­ter Stadt­teil Shin­juku wird nun die ers­te Vor­rich­tung die­ser Art in Japan ange­bracht. Gleich sechs Pen­del mit einem Ein­zel­ge­wicht von je 300 Ton­nen wer­den bis im April 2015 auf dem Dach instal­liert. Die 1800 Ton­nen ent­spre­chen 3 Pro­zent des Gesamt­ge­wichts des Gebäu­des. 5 Mil­li­ar­den Yen (38 Mil­lio­nen Euro) kos­tet das Vorhaben.

Die Betrei­ber des Hoch­hau­ses, das 1974 erbaut wur­de, hof­fen damit für das nächs­te Erd­be­ben gerüs­tet zu sein, wie er gegen­über der Nik­kei Shim­bun aus­führt. Die Erschüt­te­run­gen vom 11. März 2011 steckt den Betrof­fe­nen offen­bar noch tief in den Kno­chen. Das Mit­sui Buil­ding blieb zwar unver­sehrt, den­noch waren die Gebäu­de­schwan­kung damals erheblich.

Man wol­le mit der neu­en Instal­la­ti­on die Erd­be­ben­si­cher­heit noch ein­mal ver­bes­sern. Aus­ser­dem gehe es dar­um, dass man den Betrieb auch nach einer Natur­ka­ta­stro­phe auf­recht­erhal­ten könne.

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