Der demo­kra­ti­sche Backpacker

Foto: flickr/​Kent ChenTou­ris­ten posie­ren im Gefäng­nis für poli­ti­sche Häftlinge.
Foto: Mar­tin Ald­ro­van­diAuto­rin Wu I-Chen stellt ihren Rei­se­füh­rer vor

Der freie Back­pa­cker (自由背包客), so nennt sich der neu­es­te Tai­wan-Rei­se­füh­rer. Anstatt mit Sehens­wür­dig­kei­ten wie dem Palast­mu­se­um, Son­ne-Mond-See oder dem 101-Wol­ken­krat­zer, beschäf­tigt er sich mit der dunk­len Ver­gan­gen­heit der Insel.

Tai­wan ist näm­lich erst seit 26 Jah­ren eine Demo­kra­tie. Zuvor herrsch­te auf der Insel wäh­rend vier Jahr­zehn­ten das Kriegs­recht. Kri­tik an der Regie­rung von Chiang-Kai-Shek und des­sen Sohn und Nach­fol­ger Chiang Ching-kuo wur­de gna­den­los unter­drückt (Asi­en­spie­gel berich­te­te hier und hier).

Ob in der Haupt­stadt Tai­peh oder auf der Grü­nen Insel im Süd­os­ten Tai­wans: Die dik­ta­to­ri­sche Ver­gan­gen­heit hat über­all ihre Spu­ren hin­ter­las­sen. Wie zum Bei­spiel im Mach­ang­ding Memo­ri­al Park in Tai­wans Haupt­stadt. Auf dem frü­he­ren Trai­nings­platz japa­ni­scher Sol­da­ten exe­ku­tier­te spä­ter Chiang-Kai-Sheks Regie­rung wäh­rend vier Jahr­zehn­ten Regimekritiker.

Spuk im Fünf-Ster­ne Hotel?

Dort wo jetzt das Shera­ton Hotel in Tai­peh steht, wur­den bis Ende der sech­zi­ger Jah­re mut­mass­li­che Regime­geg­ner fest­ge­hal­ten, wäh­rend die­se auf ein Urteil war­te­ten. Bis zu fünf­zig Gefan­ge­ne muss­ten sich eine fünf­zig Qua­drat­me­ter klei­ne Zel­le tei­len. Um ver­lo­re­ne See­len zu beru­hi­gen, soll das Fünf-Ster­ne-Hotel zwei gros­se chi­ne­si­sche Kal­li­gra­fi­en in der Lob­by auf­ge­hängt haben. Gerüch­ten zufol­ge, so der Rei­se­füh­rer, soll es dort näm­lich spuken.

Jeden mor­gen sei die Namens­lis­te für die Todes­ur­tei­le aus­ge­ru­fen wor­den, erin­nert sich Kun-Lin Tsai. Tsai ist einer der Über­le­ben­den, die wegen «kom­mu­nis­ti­schen Gedan­ken­guts» fest­ge­nom­men wur­den. Spä­ter wur­de er auf die Grü­ne Insel gebracht, wo er als poli­ti­scher Gefan­ge­ne zehn Jah­re sei­nes Lebens verbrachte.

Es sei ein tol­les Buch, sagt der heu­te 83-jäh­ri­ge, das ihn über­rascht und sehr bewegt habe. Natür­lich gebe es auch ande­re Bücher über jene Zeit, so Tsai gegen­über Asi­en­spie­gel, jedoch nicht in der Form eines Back­pa­cker-Rei­se­füh­rers, der eine jun­ge Gene­ra­ti­on anspreche.

Das Tee­haus der Dissidenten

Foto: flickr/​.HeiGefäng­nis auf der Grü­nen Insel.

Emp­foh­len wird das Buch auch von His­to­ri­ke­rin Chen Tsui­li­an, Pro­fes­so­rin für tai­wa­ni­sche Geschich­te an der Natio­na­len Tai­wan Uni­ver­si­tät. Der Rei­se­füh­rer bie­te den Back­pa­ckern vie­le ver­schie­de­ne Rou­ten, auf denen sie die Geschich­te Tai­wans und den Wil­len sei­ner Bewoh­ner ent­de­cken könnten.

Der Back­pa­cker-Gui­de erteilt aber nicht nur Geschichts­lek­tio­nen, son­dern gibt etwa auch prak­ti­sche Tipps, wo man sich ver­pfle­gen kann. Dazu gehört etwa das Wis­ta­ria-Tee­haus, ehe­mals ein bekann­ter Treff­punkt von Künst­lern und poli­ti­schen Dis­si­den­ten, heu­te eine Gast­stät­te für Tee­kul­tur. Und auf der Grü­nen Insel wer­den neben dem Gefäng­nis und dem Muse­um auch die bekann­ten heis­sen Quel­len oder eine loka­les Des­sert aus Mee­resal­gen vorgestellt.

Geschrie­ben hat den Rei­se­füh­rer die tai­wa­ni­sche Dreh­buch­au­to­rin Wu I-chen, die dafür ein Jahr lang wäh­rend ihrer Frei­zeit die ver­schie­de­nen Orte der Insel bereis­te. Es sei auch eine Rei­se zu ihrer eige­nen Iden­ti­tät als Tai­wa­ne­rin gewe­sen, sagt die Auto­rin auf der Buch­vor­stel­lung gegen­über Asienspiegel.

Das Buch sei aber nicht nur für Tai­wa­ner gedacht, auch Hong­kon­ger und Chi­ne­sen sol­len dadurch mehr über den lan­gen Weg der Insel zur Demo­kra­tie erfah­ren. Auch west­li­che Tai­wan-Besu­cher sol­len vom Rei­se­füh­rer pro­fi­tie­ren, der gesam­te Inhalt ist des­halb auf Chi­ne­sisch und Englisch.

Buch­in­fo:
Chi­ne­si­scher Titel: 自由背包客,台灣民主景點小旅行
Eng­li­scher Titel: On the road to free­dom: A Backpacker’s Gui­de to Taiwan’s Strugg­le for Democracy
Auto­rin: Wu I-Chen
ISBN: 978−986−294−066−2

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