Eine Lang­na­se zu viel

Screen­shot: youtube/​japan CMLang­na­se und blon­de Haa­re: Die umstrit­te­ne ANA-Werbung.

Eigent­lich hät­te es eine humo­ris­ti­sche Wer­bung wer­den sol­len. Doch nun muss sich die Flug­ge­sell­schaft ANA im Aus­land den Vor­wurf des Ras­sis­mus gefal­len lassen.

August 2020 – Die­ser Blog kann ohne die Unter­stüt­zung der Leser nicht über­le­ben. Mit einem frei­wil­li­gen Abo tra­gen Sie dazu bei, dass die­ses täg­li­che Stück Japan auch nach 11 Jah­ren wei­ter­exis­tiert – unab­hän­gig, kos­ten­los und frei von Goog­­le-Wer­bun­­gen. Herz­li­chen Dank! Ich blei­be täg­lich dran, bis die­se Kri­se über­stan­den ist und dar­über hinaus.

Ein 30-sekün­di­ger Wer­be­spot mit dem japa­ni­schen Schau­spie­ler Hide­to­shi Nis­hi­ji­ma und dem Komi­ker Hide­to­mo Masu­no macht auf das neu aus­ge­bau­te Lang­stre­cken­an­ge­bot der ANA auf­merk­sam. Dar­in freu­en sie sich als Pilo­ten im Flug­ha­fen Hane­da über die neu­en Destinationen. 

Als Masu­no eine freu­di­ge Umar­mung still­schwei­gend aus­schlägt, wirft Nis­hi­ji­ma ihm eine typisch japa­ni­sche Reak­ti­on vor und meint dar­auf: «Lass uns das Image der Japa­ner ändern!». «Klar doch!» ent­geg­net ihm Masu­no mit einer blon­den Perü­cke und einer lan­gen Plas­tik­na­sen im Gesicht (sie­he Wer­be­spot unten).

Die Kri­tik folgt prompt

«Wir woll­ten die Japa­ner dazu ermu­ti­gen öfters ins Aus­land zu gehen», mein­te ein Pres­se­spre­cher von ANA laut NHK News. Es soll­te eine Auf­for­de­rung an die Japa­ner sein, sich der Welt zu öff­nen. «Ändern wir das Image der Japa­ner!» so der Titel der Werbung. 

Die Air­line scheint die Rech­nung ohne ihre Kun­den gemacht zu haben. Seit der Aus­strah­lung erhält die Flug­ge­sell­schaft zahl­rei­che Anru­fe, auch auf Twit­ter und Face­book ist eine inten­si­ve Debat­te dar­über ent­brannt. ANA wird vor­ge­wor­fen, sich mit den blon­den Haa­ren und der lan­gen Nase ras­sis­ti­scher Moti­ve zu bedie­nen. Ande­re fin­den die Sache harm­los, ja sogar lustig.

Das Kli­schee der Langnase

Seit der Ankunft der Por­tu­gie­sen in Japan im 16. Jahr­hun­dert wer­den die Euro­pä­er in Gemäl­den und Kari­ka­tu­ren ger­ne als «Lang­na­sen» dar­ge­stellt. Auch die Wer­be­in­dus­trie in Japan nutzt die­ses Motiv. Selbst ein Aus­län­der­mas­ken-Set mit einer lan­gen Plas­tik­na­se und blau­en Kon­takt­lin­sen für Kos­tüm­par­tys gibt es in Japan zu kau­fen. «Hal­lo, ich bin ein Aus­län­der!» heisst es auf der Ver­pa­ckung.

Dass die­ser Humor nicht über­all gleich gut ankommt, muss­te ANA nun am eige­nen Leib erfah­ren. Die Air­line hat sich ent­schul­digt und die Aus­strah­lung des Wer­be­spots nach der Flut kri­ti­scher Kom­men­ta­re gestoppt. Man wer­de die Wer­bung ent­spre­chend anpas­sen. Die Sze­ne mit der Perü­cke und Nase wer­de ersetzt.

Noch ein Ausrutscher

Doch so ein­fach scheint die ange­kün­dig­te Kor­rek­tur­mass­nah­me nicht zu wer­den. Bereits hän­gen in den Zügen in Tokio zahl­rei­che Pla­ka­te der neu­en Wer­be­kam­pa­gne. Dar­auf wer­den nicht nur West­ler, son­dern gleich alle ange­flo­ge­nen Län­der von den japa­ni­schen Wer­be­trä­gern klischiert.

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