Japans ver­las­se­ne Einkaufsstrassen

Eine Shatta-gai in Beppu.
Eine Shat­ta-gai in Bep­pu. Foto: flickr/​karinckarinc

Die soge­nann­ten Sho­ten­gai (商店街) waren über Jahr­zehn­te hin­weg die Zen­tren der japa­ni­schen Klein­städ­te. In die­sen tra­di­tio­nel­len Ein­kaufs­pas­sa­gen, die nicht sel­ten über­dacht sind, reih­ten sich wäh­rend den wirt­schaft­lich gol­de­nen Jah­re ein Laden an den ande­ren. Lan­ge lie­fen die Geschäf­te, die oft von Fami­li­en geführt wer­den, gut. Die­se gol­de­nen Zei­ten sind jedoch schon lan­ge vorbei.

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Seit mitt­ler­wei­le über zwan­zig Jah­ren erle­ben die Ein­kaufs­pas­sa­gen einen rasan­ten Nie­der­gang. Vie­le Klein­lä­den mach­ten Kon­kurs. Aus den Sho­ten­gai sind die Shat­ta-gai (シャッター街) oder Shat­ta-dori (シャッター通り) gewor­den. Geschäfts­stras­se, wo sich ein geschlos­se­ner Fens­ter­la­den an den ande­ren reiht.

Die Grün­de für den Niedergang

Zu die­ser Ent­wick­lung führ­te einer­seits die rasan­te Moto­ri­sie­rung des Lan­des. Die Ver­brei­tung des Autos führ­te dazu, dass immer mehr Geschäf­te ent­lang den see­len­lo­sen Haupt- und Natio­nal­stras­sen in den Vor­or­ten der Städ­te eröff­net wur­den. Spä­ter kam der Bau von gros­sen Super­märk­ten und Kauf­häu­sern hin­zu, die mit kos­ten­lo­sen Park­plät­zen die Kun­den anlocken.

Mit dem Plat­zen der Wirt­schafts­bla­se 1989 ver­lo­ren die Sho­ten­gai noch ein­mal vie­le Kun­den. Öffent­li­che Insti­tu­tio­nen wie Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Kran­ken­häu­ser wur­den vom teu­ren und beeng­ten Zen­trum in bil­li­ge­re Vor­or­te ver­legt. Die loka­len Ein­kaufs­pas­sa­gen hat­ten ihren eins­ti­gen Stel­len­wert eingebüsst.

Heu­te sind vie­le Ein­kaufs­stras­sen in Japans Vor­or­ten und länd­li­chen Städ­ten wie leer gefegt. Die Instand­hal­tung der Ein­kaufs­pas­sa­gen wird ver­nach­läs­sigt, die gan­ze Gegend ver­liert zuneh­mend an Attrak­ti­vi­tät, ver­bun­den mit allen nega­ti­ven Fol­gen für die Wirt­schaft und das Sozialleben.

Die Wie­der­be­le­bung des Zentrums

Die Regie­rung hat nun ange­kün­digt, mit einem neu­en Gesetz zur Wie­der­be­le­bung der Stadt­zen­tren die­ser Nega­tiv­spi­ra­le ent­ge­gen­zu­wir­ken. Läden und Super­märk­te in den Ein­kaufs­stras­sen sol­len laut der Asahi Shim­bun von Sub­ven­tio­nen und Steu­er­sen­kun­gen profitieren.

60 bis 90 zu bestim­men­de Ein­kaufs­stras­sen und Quar­tie­re im Land wer­den in den Genuss die­ses Pro­gramms kom­men. Damit sol­len auch die mög­li­chen Fol­gen der Ein­füh­rung der Mehr­wert­steu­er­erhö­hung ab April abge­fe­dert werden.

Macht­los gegen die Landflucht

Eini­ge Städ­te in Japan gehen bereits auf eige­ne Faust gegen die Aus­höh­lung ihrer Zen­tren vor, indem sie ihre Ein­kaufs­pas­sa­gen wie­der attrak­ti­ver gestalten.

Mit Licht­shows, Kon­zer­ten und öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen wer­den die Men­schen zurück in die tra­di­tio­nel­len Ein­kaufs­stras­sen gelockt. In Naha auf Oki­na­wa ist die leben­di­ge Haupt­stras­se sonn­tags für den Ver­kehr gesperrt. In Aom­ori wird der­weil ver­sucht, die Dezen­tra­li­sie­rung mit dem Bau von öffent­li­chen Gebäu­den und staat­li­chen Woh­nun­gen im Stadt­kern zu stoppen.

Gegen eine Ent­wick­lung sind jedoch alle länd­li­chen Städ­te macht­los. Die Über­al­te­rung der Gesell­schaft führt unwei­ger­lich dazu, dass immer mehr jun­ge Leu­te in der Hoff­nung auf Arbeit in die gros­sen urba­nen Zen­tren Japans zie­hen. Und ohne Men­schen wird auch mit der bes­ten Mass­nah­me kei­ne loka­le Ein­kaufs­pas­sa­ge mehr belebt.

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