Der Musik­be­trug

Screen­shot: youtube/​dou­ga­ta­no­siiDer Kom­po­nist, der kei­ner ist: Mamo­ru Samuragochi.

Mamo­ru Samu­ra­gochi Lebens­ge­schich­te war so schön, das kei­ner dar­an zwei­fel­te. Der heu­te 50-jäh­ri­ge Musi­ker wird in den 1990er-Jah­ren mit ver­schie­de­nen klas­si­schen Kom­po­si­tio­nen zu Video­spie­len, wie bei­spiels­wei­se Resi­dent Evil, berühmt. Dass er gehör­los ist hält ihn nicht vom Kom­po­nie­ren ab.

Die «Sin­fo­nie No. 1, Hiro­shi­ma», wel­che die Opfer des Atom­bom­ben­ab­wurfs ehrt, ver­hilft ihm zum end­gül­ti­gen Durch­bruch in Japan. Über 180’000 Mal wur­de die CD ver­kauft. Für klas­si­sche Musik ist dies ein Grosserfolg.

Selbst das renom­mier­te Time Maga­zi­ne wid­met ihm 2001 einen Arti­kel mit dem Titel «Songs of Silence». Mamo­ru Samu­ra­gochi habe mit einer rei­chen, struk­tu­rier­ten Sym­pho­nie ein Video­spiel mit bana­lem Inhalt in eine Geschich­te epi­schen Aus­mas­ses ver­wan­delt, heiss es darin.

Samu­ra­gochi gab sich im Gespräch mit dem Maga­zin sehr beschei­den. Er kom­po­nie­re seit dem 10. Alters­jahr. Mit 24 begin­nen die Pro­ble­me mit dem Hören. Der Gehör­ver­lust sei jedoch das gröss­te Geschenk Got­tes gewe­sen, lässt er Time Maga­zi­ne wis­sen. Samu­ra­gochi wird zum Beet­ho­ven des digi­ta­len Zeit­al­ters gekürt. Sein wil­des, lan­ges Haar zemen­tiert die­ses Image. Selbst Japans öffent­lich-recht­li­cher Sen­der NHK wid­met ihm eine aus­führ­li­che Dokumentation.

Der Ghost­wri­ter

Doch offen­bar war die Geschich­te zu schön, um wahr zu sein. Als Eis­kunst­läu­fer Dai­suke Taka­ha­shi ankün­dig­te, bei den Olym­pi­schen Spie­len in Sot­schi ein von Samu­ra­gochi kom­po­nier­tes Stück zu ver­wen­den, moch­te Taka­shi Niiga­ki nicht mehr län­ger schweigen.

Es hand­le sich hier um einen Betrug, liess Niiga­ki die Medi­en wis­sen. Der 43-jäh­ri­ge Lehr­be­auf­trag­te an der renom­mier­ten Tokio­ter Toho Gaku­en School of Music habe als enger Ver­trau­ter von Samu­ra­gochi über die letz­ten 18 Jah­re hin­weg des­sen Musik kom­po­niert. Rund zwan­zig Stü­cke sei­en es gewesen.

Bereits letz­ten Mai moch­te Niiga­ki nicht mehr der Kom­pli­ze sein. Doch Samu­ra­gochi droh­te mit Selbst­mord, falls Niiga­ki mit dem Kom­po­nie­ren auf­hö­ren wür­de. Und so ging die unge­woll­te Zusam­men­ar­beit noch eine Wei­le weiter.

Screen­shot: youtube/​oricon­of­fi­ci­alTaka­shi Niiga­ki bei der Pressekonferenz.

Weder Kom­po­nist noch gehörlos?

Samu­ra­gochi hat den Betrug in einer Medi­en­mit­tei­lung zuge­ge­ben. Er ent­schul­dig­te sich bei sei­nen Fans. Doch sei­ne Ver­si­on hör­te sich leicht anders an. Er kön­ne durch­aus kom­po­nie­ren und habe jeweils die gros­se Idee gelie­fert habe, wäh­rend Niiga­ki dann die Fein­ar­beit erle­digt habe. Bei der Hälf­te sei­ner Stü­cke habe er wegen sei­nes Gehör­ver­lusts Hil­fe bezo­gen. Niiga­ki habe sei­ne eige­nen Grün­de gehabt, wie­so er nicht als Kom­po­nist öffent­lich genannt wer­den wollte.

Dies brach­te bei Niiga­ki das Fass zum Über­lau­fen. Am nächs­ten Tag mach­te er sich dar­an, den Mythos Samu­ra­gochi in einer Pres­se­kon­fe­renz kom­plett zu demon­tie­ren. Japans Beet­ho­ven sei nicht mal in der Lage Par­ti­tu­ren zu schrei­ben. So sei er immer mehr in die Sache hin­ein­ge­rutscht. Der zuneh­men­de Rum­mel um Samu­ra­gochi habe ihm nicht gepasst.

Aus­ser­dem sei bei ihm nie das Gefühl auf­ge­kom­men, dass Samu­ra­gochi nichts hören kön­ne. Man habe nor­ma­le Gesprä­che geführt. Nur ganz am Anfang sei­en Hand­zei­chen zum Ein­satz gekom­men. Offen­sicht­lich hör­te sich Samu­ra­gochi die auf­ge­nom­me­nen Kom­po­si­tio­nen auch an und kom­men­tier­te diese.

Nicht gut bezahlt

Am Ende ent­schul­dig­te sich Niiga­ki öffent­lich bei den Käu­fern der Musik für den Betrug. Als Ghost­wri­ter habe er eben­falls zur Legen­den­bil­dung bei­ge­tra­gen. Reich ist Niiga­ki mit dem heim­li­chen Kom­po­nie­ren übri­gens nicht gewor­den. Beschei­de­ne 7 Mil­lio­nen Yen (rund 50’500 Euro) hat er von Samu­ra­gochi wäh­rend der gan­zen Zeit erhalten.

Das Label Nip­pon Colum­bia hat inzwi­schen reagiert und die Plat­ten­ver­käu­fe ein­ge­stellt. Die Stadt Hiro­shi­ma will Samu­ra­gochi laut TBS News die 2008 ver­lie­he­ne Ehren­ur­kun­de ent­zie­hen. Es stellt sich zuletzt die Fra­ge, ob die Musik auch ohne den Mythos Samu­ra­gochi den Fans gefal­len hätte?

Update, 7. März 2013

Mamo­ru Samu­ra­gochi hat sich in einer lan­gen Pres­se­kon­fe­renz für sei­ne Ver­ge­hen ent­schul­digt. Mit kur­zem Haar­schnitt und ohne Son­nen­bril­le trat er vor die Medi­en. Samu­ra­gochi drü­cke sich auch sehr gut aus und hören konn­te er offen­sicht­lich auch genug. Sein Hör­ver­mö­gen habe sich in den letz­ten drei Jah­ren wie­der ver­bes­sert. Ein ärzt­li­cher Test hat­te erge­ben, dass er zwar Hör­pro­ble­me hat, die­se ihn aber nicht als gehör­los qua­li­fi­zie­ren. Er habe mit Taka­shi Niiga­ki über 18 Jah­re lan­ge zusam­men­ge­ar­bei­tet. Er ent­schul­dig­te sich bei sei­nen Fans für sein Ver­hal­ten. Gleich­zei­tig zeig­te er sich ent­täuscht über die Reak­ti­on von Niiga­ki. Die­ser habe Unwahr­hei­ten über ihn ver­brei­tet, so Samuragochi.

Foto: youtube/​米中仲良し にのまい日本Samu­ra­gochi wäh­rend sei­ner Pressekonferenz.
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