Die Gyo­za-Haupt­stadt

Foto: flickr/​Trut­hi­nessGyo­za aus Utsunomiya.

Uts­uno­miya mag nur weni­gen aus­län­di­schen Besu­chern ein Begriff sein. Die Haupt­stadt der Prä­fek­tur Tochi­gi im Nor­den von Tokio ist für vie­le ledig­lich eine Zwi­schen­sta­ti­on auf dem Weg ins pit­to­res­ke Nik­ko, wo Japans Sho­gun Toku­ga­wa Ieyasu begra­ben liegt.

Wer sich jedoch für einen Auf­ent­halt in Uts­uno­miya ent­schei­det, der wird nicht um ein Gericht her­um­kom­men. So dreht sich für die 500’000 Ein­woh­ner alles um Gyo­za. Es ist die japa­ni­sche Vari­an­te der chi­ne­si­schen Teig­ta­sche Jiao­zi, die mit gewürz­tem Gemü­se oder Fleisch gefüllt, ange­bra­ten und anschlies­send gedämpft werden.

Über 200 auf Gyo­za spe­zia­li­sier­te Restau­rants zählt Uts­uno­miya, das auch stolz den Über­na­men «Gyo­za-Haupt­stadt» trägt. Selbst eine stei­ner­ne Gyo­za-Sta­tue gibt es am Bahn­hof zu bewun­dern. Doch wie kam es dazu? Eine Legen­de besagt, dass japa­ni­sche Sol­da­ten die Teig­ta­schen-Kul­tur nach dem Zwei­ten Welt­krieg von Chi­na nach Uts­uno­miya brach­ten. Eine ein­fa­che­re Erklä­rung ist, dass die Umge­bung der Stadt seit jeher bekannt für ihren guten Schnitt­lauch ist, eine wich­ti­ge Zutat für die Gyoza.

Die wich­ti­ge Statistik

Letzt­end­lich erlang­te Uts­uno­miya wohl natio­na­le Berühmt­heit dank der 1987 ein­ge­führ­ten Sta­tis­tik, wel­che den jähr­li­chen Kon­sum von Super­markt-Teig­ta­schen pro Haus­halt und Stadt angibt. Wie selbst­ver­ständ­lich führ­te die Haupt­stadt von Tochi­gi zwi­schen 1987 und 2010 die­se Rang­lis­te mit einem ein­zi­gen kur­zen Unter­bruch, 1995, an.

Die Behör­den von Uts­uno­miya nutz­ten die­se Zah­len, um die Stadt als Gyo­za-Mek­ka zu ver­mark­ten. Dies führ­te plötz­lich dazu, dass zahl­rei­che Tou­ris­ten nicht nur am Bahn­hof umstie­gen, son­dern gleich einen kuli­na­ri­schen Aus­flug in die Haupt­stadt von Tochi­gi wag­ten. Die Zahl der Gyo­za-Restau­rants ver­viel­fach­te sich, der Ruf der Gyo­za-Haupt­stadt fes­tig­te sich. Für die loka­le Wirt­schaft wur­de die Teig­ta­sche zu einem zen­tra­len Wirtschaftsfaktor.

Über Jah­re schien Uts­uno­miyas Stel­lung unge­bro­chen – bis 2011 Kon­kur­renz auf­tauch­te. Die Stadt Hama­matsu in der Prä­fek­tur Shi­zuoka hat­te bezüg­lich Gyo­za-Kon­sum ganz über­ra­schend den ers­ten Rang ein­ge­nom­men und ver­tei­dig­te die­sen im Jahr darauf.

In Uts­uno­miya trös­te­te man sich mit der Tat­sa­che, dass der Gyo­za-Kon­sum in den Restau­rants nicht in der Kon­su­men­ten­sta­tis­tik ver­fasst ist. So gese­hen sei man immer noch die Num­mer 1. Man erklär­te sich den Abstieg auf den zwei­ten Rang mit dem all­ge­mei­nen Kon­sum­rück­gang in der Regi­on nach der Drei­fach­ka­ta­stro­phe vom März 2011. Tochi­gi hat­te als Nach­bar­prä­fek­tur von Fuku­shi­ma etwas mehr zu lei­den als ande­re Regionen.

Mis­si­on Rückeroberung

Trotz­dem gab man sich mit dem zwei­ten Rang nicht zufrie­den. Die Rück­kehr zur Num­mer 1 wur­de zur Chef­sa­che erklärt. Mit Wer­be­ver­an­stal­tun­gen und einem Gyo­za-Song ani­mier­te die loka­le Regie­rung ihre Bewoh­ner zu mehr Kon­sum. Die Mass­nah­men haben ihre Wir­kung nicht ver­fehlt. Gemäss der aktu­ells­ten Sta­tis­tik des Innen­mi­nis­te­ri­ums hat Uts­uno­miya im ver­gan­gen Jahr Hama­matsu wie­der überholt.

Laut SBS News gab ein Haus­halt in Uts­uno­miya durch­schnitt­lich 4919 Yen (35.70 Euro) für Gyo­za aus, wäh­rend es in Hama­matsu noch 4155 Yen (30.15 Euro) waren. Medi­en­ge­recht fei­er­ten die Stadt­re­gie­rung und die Goy­za-Restau­rant­füh­rer das zurück­ge­won­ne­ne Selbstvertrauen.

Und auch in Hama­matsu gab man sich als fai­re Ver­lie­rer, wie die Sank­ei Shim­bun berich­tet. Das Resul­tat zei­ge, dass sich Uts­uno­miya von den Fol­gen des Gros­sen Erd­be­bens wirt­schaft­lich wie­der erholt habe, das sei doch eine gute Sache, wur­de betont.

Hama­matsu wird auch aus einem ande­ren Grund die Nie­der­la­ge ohne wei­te­res ver­kraf­ten. Denn die Stadt hat noch einen wei­te­ren Trumpf in der Hand. Ihr Aal aus dem Hama­na-See hat den Ruf der Bes­te des Lan­des zu sein.

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