Screen­shot: ANN NewsHoher Besuch: Die letzt­jäh­ri­ge Gedenk­ver­an­stal­tung zur Wie­der­her­stel­lung der Souveränität.

«Shu­ken kai­fu­ku no hi» oder «den Tag der Wie­der­her­stel­lung der Sou­ve­rä­ni­tät» erleb­te Japan am 28. April 1952 mit der Unter­zeich­nung des Frie­dens­ver­trags von San Fran­cis­co. Das Abkom­men regel­te die Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen mar­kier­te den offi­zi­el­len Schluss­punkt der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zeit. Japan erhielt damit die Sou­ve­rä­ni­tät zurück und trat gleich­zei­tig in eine bis heu­te andau­ern­de Sicher­heits­al­li­anz mit Washing­ton ein.

Neben­bei wur­den wich­ti­ge Fra­gen der Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen und des Ter­ri­to­ri­al­an­sprü­che geklärt. Es war vor­nehm­lich ein Ver­trag Japans mit der west­li­chen Welt. Wich­ti­ge Nach­barn wie die Volks­re­pu­blik Chi­na, die bei­den Koreas waren nicht ein­ge­la­den, die Sowjet­uni­on ver­wei­ger­te die Unter­schrift. Mit der Repu­blik Chi­na auf Tai­wan wur­de am sel­ben Tag ein sepa­ra­ter Frie­dens­ver­trag geschlos­sen. Der Ver­trag lös­te alte Pro­ble­me und schuf gleich­zei­tig neue.

Abes Gedenk­tag

Über Jahr­zehn­te hin­weg mach­te sich Japan nicht viel aus die­sem Tag, bis Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe letz­tes Jahr die Idee hat­te, dar­aus einen fei­er­li­chen Gedenk­tag zu machen. Der 28. April soll künf­tig Japan «ein neu­es Gefühl der Hoff­nung und der Ent­schlos­sen­heit für die Zukunft» ver­mit­teln, sag­te Abe an einem eigens orga­ni­sier­ten Anlass in Tokio, an dem neben knapp 400 Poli­ti­kern und offi­zi­el­len Ver­tre­ten auch das Kai­ser­paar teil­nahm. Er wol­le aus Japan ein star­kes und ent­schie­de­nes Land machen, auf wel­ches ande­re Län­der sich ver­las­sen können.

Kri­ti­ker monier­ten, dass der Pre­mier sich damit eine Büh­ne schaf­fen wol­le für sei­ne kon­ser­va­tiv-natio­na­lis­ti­sche Agen­da, wel­che die Reform der Frie­dens­ver­fas­sung zum Ziel hat. Auch die Anwe­sen­heit des Kai­ser­paars, das sich gewöhn­lich aus poli­tisch heik­len Ange­le­gen­hei­ten her­aus­hält, wur­de nicht von allen gern gesehen.

«Tag der Beleidigung»

Einer Regi­on Japans miss­fie­len die Fei­er­lich­kei­ten vom 28. April 2013 beson­ders. Für Oki­na­wa, die Insel­grup­pe zwi­schen der Süd­in­sel Kyus­hu und Tai­wan, war jener 28. April 1952 kein Tag zum Fei­ern. Wäh­rend Japan die Sou­ve­rä­ni­tät wie­der­erlang­te blieb Oki­na­wa wei­te­re zwan­zig Jah­re unter ame­ri­ka­ni­scher Verwaltung.

Erst 1972 wur­de die Insel­grup­pe mit der Haupt­stadt Naha wie­der offi­zi­ell ein Teil Japans. Ein Gross­teil der japa­ni­schen US-Stütz­punk­te befin­det sich bis heu­te auf Oki­na­wa, was regel­mäs­sig zu Span­nun­gen mit der loka­len Bevöl­ke­rung führt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Rund 26’000 US-Trup­pen sind hier stationiert.

In Oki­na­wa sprach man ent­spre­chend von einem «Tag der Belei­di­gung». Gou­ver­neur Hiroka­zu Nakai­ma sag­te sei­ne Teil­nah­me aus Angst vor Pro­tes­ten ab und ent­sand­te statt­des­sen sei­nen Vertreter.

Ein Jahr spä­ter hat es sich Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe offen­bar noch­mals über­legt mit die­sem neu­en Gedenk­tag. Es wer­de am 28. April kei­nen Anlass zur Fei­er der Wie­der­her­stel­lung der Sou­ve­rä­ni­tät geben, wie die Nik­kei Shim­bun berich­tet. Es wer­de kei­ne Zere­mo­nie geben, weil die­se bereits letz­tes Jahr statt­ge­fun­den habe, so die knap­pe Regie­rungs­mit­tei­lung. Viel­mehr wol­le man alle fünf oder zehn Jah­re die­sen Gedenk­tag abhalten.

Streit um Basenverlegung

Shin­zo Abe will es sich offen­bar nicht noch mehr mit Oki­na­wa ver­spie­len, nach­dem er Washing­ton ver­spro­chen hat­te, die US-Mari­ne­ba­sis Futen­ma in Gino­wan auf Oki­na­wa wei­ter nord­wärts nach Nago zu ver­le­gen. Die Regie­rung auf Oki­na­wa hat­te hier­für die Bewil­li­gung erteilt bei Heno­ko, das zur Stadt Nago gehört, eine Land­auf­schüt­tung vor­zu­neh­men. Im Gegen­zug ver­sprach Abe eine saf­ti­ge Geld­sprit­ze für die wirt­schaft­li­che arme Präfektur.

Eine ers­te Eini­gung zwi­schen Japan und den USA für eine Ver­le­gung der lär­min­ten­si­ven Futen­ma-Basis, die inmit­ten der Stadt Gino­wan liegt, reicht bis ins Jahr 1996 zurück. Zahl­rei­che Pre­miers sind an die­ser Auf­ga­be geschei­tert (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Shin­zo Abe will nun aber vor­wärts machen. Er hat die Rech­nung jedoch nicht mit der tra­di­tio­nell star­ken Pro­test­be­we­gung gegen die US-Mili­tär­ba­sen gemacht.

Der Bür­ger­meis­ter von Nago, Sus­u­mu Ina­mi­ne, wehrt sich mit Unter­stüt­zung der loka­len Bevöl­ke­rung gegen die Ver­le­gungs­plä­ne in sei­ne Regi­on. Mit die­ser Hal­tung hat er erst Ende Janu­ar sei­ne Wie­der­wahl gesi­chert gegen einen Kan­di­da­ten, der hin­ter Abes Plä­nen stand. Für Tokio war die Wahl Ina­mi­nes eine schmerz­li­che Nie­der­la­ge. Im Novem­ber ste­hen zudem in der Prä­fek­tur Oki­na­wa die Gou­ver­neurs­wah­len an.

Eine fei­er­li­che Gedenk­ver­an­stal­tung zur Wie­der­her­stel­lung der Sou­ve­rä­ni­tät am 28. April hät­te die Bezie­hun­gen Tokios mit Oki­na­wa nur wei­ter ver­schlim­mert. Ent­spre­chend hat Shin­zo Abe ganz ohne gros­sen Auf­ruhr sei­ne Ver­an­stal­tung für sei­ne kon­ser­va­ti­ve Wäh­ler­ba­sis abge­sagt. Mit Oki­na­wa möch­te es sich der Pre­mier offen­bar nicht verscherzen.