Japans Tabu-The­ma

Eine lang­sa­me Öff­nung: Seit zwei Jah­ren gibt es die Tokyo Rain­bow Pri­de. Foto: flickr/​deca­yof­the­an­gel

In Japans Gross­städ­ten Tokio und Osa­ka gibt es leben­di­ge Gay-Sze­nen. Wer schwul ist, der muss nicht wie in ande­ren Län­dern um sein Leben fürch­ten. Homo­se­xua­li­tät wird hier auch nicht von reli­gi­ös-kon­ser­va­ti­ven Bewe­gun­gen bekämpft. Eine offe­ne Dis­kri­mi­nie­rung gibt es nicht.

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Dies hat jedoch nicht mit einer beson­de­ren Offen­heit oder Auf­ge­klärt­heit, son­dern viel­mehr mit Gleich­gül­tig­keit zu tun. Denn in Japans Gesell­schaft wird Homo­se­xua­li­tät kaum the­ma­ti­siert. Eine poli­ti­sche Dis­kus­si­on dar­über exis­tiert nicht. Die Öffent­lich­keit nimmt die The­ma­tik nur am Ran­de wahr. So zie­hen es vie­le Schwu­le und Les­ben vor, auf ein Outing im Freun­des­kreis oder in der Fami­lie zu verzichten.

Eine Mehr­heit gegen die Ehe-Öffnung

Ent­spre­chend schwer tut man sich mit der Aner­ken­nung der gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe. Das japa­ni­sche Gesetz kennt zwar kein Ver­bot von homo­se­xu­el­len Bezie­hun­gen. Hei­rat wird aber gemäss Arti­kel 24 der Ver­fas­sung als «ein Akt basie­rend auf der gemein­sa­men Zustim­mung der bei­den Geschlech­ter» defi­niert und schliesst so eine gleich­ge­schlecht­li­che Ehe aus. Auch eine ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft gibt es in Japan nicht.

Und wenn die Japa­ner zum The­ma befragt wer­den, zeigt sich eine Mehr­heit skep­tisch. So hat eine lan­des­wei­te Mei­nungs­um­fra­ge gemäss der Nishi Nip­pon Shim­bun erge­ben, dass 52,4 Pro­zent der Japa­ner die Homo-Ehe ableh­nen. 42,3 Pro­zent befür­wor­ten sie. Gar 61,5 Pro­zent der Befrag­ten haben eine Abnei­gung gegen die Homosexualität.

Tai­wan geht die The­ma­tik anders an

In Tai­wan ist das The­ma poli­tisch schon viel wei­ter gedie­hen. Bereits wur­den Geset­zes­ent­wür­fe für die Homo-Ehe ein­ge­bracht, die zu einer inten­si­ven, öffent­li­chen Debat­te geführt haben (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Rund die Hälf­te von Tai­wans Bewoh­ner befür­wor­ten die Ehe-Öff­nung. Selbst Pro­mi­nen­te set­zen sich offen für die Rech­te der Homo­se­xu­el­len ein (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Gleich­zei­tig bleibt der Weg zur gesetz­li­chen Aner­ken­nung der gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft stei­nig, der Gesetz­ent­wurf im Par­la­ment ist noch immer hängig.

Eine Fra­ge des Alters

Die Mei­nungs­um­fra­ge in Japan deu­tet gleich­zei­tig an, dass sich auch hier nicht alles im Still­stand ist. Immer­hin sehen 74,6 Pro­zent ein, dass die Gesell­schaft mit sexu­el­len Min­der­hei­ten nicht fair umgeht. Aus­ser­dem ist die Ein­stel­lung zur Homo-Ehe eine Alters­fra­ge. Denn 70 Pro­zent der Befrag­ten zwi­schen 20 und 40 Jah­ren unter­stüt­zen die gleich­ge­schlecht­li­che Hei­rat. Gleich­zei­tig sind 70,9 Pro­zent der über 60-jäh­ri­gen Japa­ner gegen eine ent­spre­chen­de Liberalisierung.

Doch alle Zustim­mung nützt nichts, wenn kei­ne gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Dis­kus­si­on in Gang gebracht wird. Und bis dahin ist es für Japan noch ein lan­ger Weg.

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