Kei­ne Lust auf Walfleisch

Foto: flickr/​ksuy­inDosen-Wal­fleisch im Tokio­ter Vier­tel Asakusa.

Der Inter­na­tio­na­le Gerichts­hof der UNO hat dem wis­sen­schaft­li­chen Wal­fang in der Ant­ark­tis einen Rie­gel gescho­ben. Japan müs­se ab sofort alle dies­be­züg­li­chen Akti­vi­tä­ten unter­bin­den und die ver­ge­be­nen Lizen­zen zurück­zie­hen, so die Rich­ter in Den Haag. Damit haben sie der Kla­ge Aus­tra­li­ens recht gegeben.

Japan habe nicht bewei­sen kön­nen, dass es den Wal­fang zu wis­sen­schaft­li­chen Zwe­cken betrei­be. Viel eher steck­ten kom­mer­zi­el­le Grün­de dahin­ter. So sei­en allei­ne in den letz­ten acht Jah­ren rund 3600 Zwerg­wa­le in der Ant­ark­tis getö­tet wor­den, gleich­zei­tig aber nur rund zwei wis­sen­schaft­lich über­prüf­te Stu­di­en publi­ziert wor­den. Zudem habe Japan dies­be­züg­lich nie alter­na­ti­ve, nicht-töd­li­che Beob­ach­tungs­me­tho­den in Erwä­gung gezogen.

1986 hat die Inter­na­tio­na­le Wal­fang­kom­mis­si­on die Quo­te für den kom­mer­zi­el­len Wal­fang auf Null gesetzt. Japan schloss sich erst zwei Jah­re spä­ter die­sem Mora­to­ri­um an, nutz­te aber gleich­zei­tig ein Schlupf­loch im Ver­trags­werk, das den Wal­fang zu For­schungs­zwe­cken erlaubt. Es ist auch kein Geheim­nis, dass die­ses Fleisch regel­mäs­sig in den Rega­len der japa­ni­schen Super­märk­te landet.

Japans Reak­ti­on

Japan ent­geg­net den Wal­fang-Geg­nern, unsen­si­bel mit kul­tu­rel­len Tra­di­tio­nen umzu­ge­hen und emp­fin­det die Kri­tik als eine Bevor­mun­dung durch den Wes­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Mit der Kla­ge zwin­ge Aus­tra­li­en Japan die eige­nen kul­tu­rel­len Nor­men auf, lau­te­te die Kri­tik aus Tokio. Stets wird betont, dass Wal­fleisch zur Ess­kul­tur des Lan­des gehö­re. In gewis­sen Regio­nen beruft man sich auf eine 400 Jah­re alte Tra­di­ti­on. Den­noch hat Tokio bereits im Vor­feld ange­kün­digt, das Urteil des UNO-Gerichts akzep­tie­ren zu wollen.

Auf die Ver­sor­gungs­la­ge hat der Ent­scheid von Den Haag nur wenig Ein­fluss. Denn der Ant­ark­tis­fang deckt ledig­lich 20 Pro­zent des jähr­lich umge­setz­ten Wal­fang­flei­sches in Japan ab. Den Rest holt sich Japan aus der Nord­pol-Regi­on, wo wei­ter­hin zu For­schungs­zwe­cken gejagt wer­den darf, aus den eige­nen Küs­ten­ge­bie­ten, wo es nicht ans Mora­to­ri­um gebun­den ist, oder ganz ein­fach aus Importen.

Dabei bie­ten sich Län­der wie Island und Nor­we­gen an, die bis heu­te den kom­mer­zi­el­len Wal­fang betrei­ben und ihre Ware ent­spre­chend bil­lig anbie­ten. Noch viel ent­schei­den­der ist aber, dass Japan auf über 4000 Ton­nen unver­kauf­tem Wal­fleisch sitzt (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Es herrscht schlicht­weg ein Über­an­ge­bot auf dem Markt.

Die Jun­gen essen kein Walfleisch

Denn Japans jün­ge­re Gene­ra­tio­nen hat schon lan­ge kei­ne Lust mehr auf Wal­fleisch. Dies zeigt einer­seits eine 2012 durch­ge­führ­te Stu­die des Nip­pon Rese­arch Cen­ters im Auf­trag des Inter­na­tio­nal Fund for Ani­mal Wel­fa­re. Dem­nach hat­ten 88,8 Pro­zent der Bevöl­ke­rung in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten kein Wal­fleisch gekauft.

Die­ses Umfra­ge­re­sul­tat deckt sich mit dem star­ken Rück­gang der jähr­li­chen Absatz­men­ge von Wal­fleisch in Japan. Auf dem Höhe­punkt 1962 waren es noch 230’000 Ton­nen. Heu­te sind es laut der Mai­ni­chi Shim­bun nur noch beschei­de­ne 5000 Tonnen.

Dem Unter­gang geweiht

Es ist ledig­lich noch eine älte­re Gene­ra­ti­on, die am Wal­fleisch hängt. Für sie war der Mee­res­säu­ger nach dem Zwei­ten Welt­krieg, als das zer­stö­re Japan Hun­ger litt, eine wich­ti­ge Nah­rungs­quel­le. Heu­te ist der Wal­fang nur noch dank mas­si­ver staat­li­cher Sub­ven­tio­nie­rung überlebensfähig.

Mit die­sem jähr­li­chen Mil­lio­nen­zu­stupf wer­den einer­seits eine klei­ne Schicht von Kon­su­men­ten und ande­rer­seits die tra­di­tio­nel­le Wal­fang-Indus­trie des Lan­des bedient. Die­se muss sich nach dem Ent­scheid aus Den Haag damit abfin­den, dass der lang geheg­te Traum von der Rück­kehr zum kom­mer­zi­el­len Wal­fang wohl end­gül­tig geplatzt ist.

Letzt­end­lich wer­den nicht die mora­li­schen Grün­de des Aus­lan­des oder die Urtei­le inter­na­tio­na­ler Gerichts­hö­fe, son­dern die wirt­schaft­li­che Nach­fra­ge den japa­ni­schen Wal­fang erle­di­gen, auch wenn dies noch eini­ge Jah­re dau­ern mag.

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