Schwan­ger ins Onsen

Foto: flickr/​rich115Ein Onsen beim Fuji.

Wie damals die Römer haben die Japa­ner die Bade­kul­tur ver­in­ner­licht. Das Land der Vul­ka­ne besitzt eine Unmen­ge an Bädern, die von natür­li­chen, heis­sen Quel­len gespeist wer­den. Onsen heis­sen die­se auf Japa­nisch. Sie ent­span­nen und sind gut für die Gesund­heit. Selbst die Medi­zin ver­schreibt für die Behand­lung gewis­ser Lei­den ein regel­mäs­si­ges Bad im Onsen.

August 2020 – Die­ser Blog kann ohne die Unter­stüt­zung der Leser nicht über­le­ben. Mit einem frei­wil­li­gen Abo tra­gen Sie dazu bei, dass die­ses täg­li­che Stück Japan auch nach 11 Jah­ren wei­ter­exis­tiert – unab­hän­gig, kos­ten­los und frei von Goog­­le-Wer­bun­­gen. Herz­li­chen Dank! Ich blei­be täg­lich dran, bis die­se Kri­se über­stan­den ist und dar­über hinaus.

In Japan gibt es sogar ein Onsen-Gesetz, das alle Details zum kul­ti­vier­ten Baden regelt. Die che­mi­sche Zusam­men­set­zung des Was­sers, die ver­schie­de­nen Varia­tio­nen von Onsen oder die Min­dest­tem­pe­ra­tur von 25 Grad wer­den hier unter ande­rem fest­ge­hal­ten. Die Besit­zer der Bäder wer­den ange­hal­ten, die Gäs­te über den Anteil an Lei­tungs­was­ser oder Zusät­zen zu infor­mie­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Es wer­den aber auch die Gefah­ren und die medi­zi­ni­schen Wir­kun­gen des heis­sen Ver­gnü­gens auf­ge­lis­tet. So wur­de 1982 der Zusatz ein­ge­fügt, dass Schwan­ge­re den Besuch im Onsen mei­den soll­ten. Beson­ders am Anfang und gegen Ende der Schwan­ger­schafts­zeit bestehe eine Gesund­heits­ge­fahr. Seit­her wird in den japa­ni­schen Onsen-Häu­sern pflicht­be­wusst dar­auf hingewiesen.

Schwan­ge­re dür­fen doch in heis­se Bad

Nun aber hat das Umwelt­mi­nis­te­ri­um nach 32 Jah­ren beschlos­sen, die­sen Zusatz zu kip­pen, wie NHK News berich­tet. Der Grund für den Mei­nungs­um­schwung: es gebe kei­ne medi­zi­ni­sche, wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, wel­che die­se Emp­feh­lung stüt­zen. Schwan­ge­re könn­ten beden­ken­los ins heis­se Bad stei­gen, heisst es nun.

Zu die­sem Schluss ist eine Exper­ten­kom­mis­si­on des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums gekom­men. Man wis­se ohne­hin nicht, wie die­ser Zusatz damals ins Onsen-Gesetz gekom­men sei. Man woll­te damals wohl dar­auf hin­wei­sen, dass Schwan­ge­re ganz all­ge­mein auf ihre Gesund­heit ach­ten soll­ten, mut­masst ein Mit­glied der Kom­mis­si­on gegen­über der Yomi­uri Shim­bun.

Gleich­zei­tig hat das Umwelt­mi­nis­te­ri­um beschlos­sen, die Lis­te der Krank­hei­ten, die auf eine Onsen-The­ra­pie anspre­chen, zu erwei­tern. So sol­len die heis­sen Quel­len nach neu­es­ten Erkennt­nis­sen eine hei­len­de Wir­kung auf Schlaf­stö­rung, Depres­sio­nen oder Stress­sym­pto­me haben.

Mehr Bade- als Verkehrstote

Der Wunsch, sich gründ­lich zu waschen und zu ent­span­nen, kann in Japan aber auch ganz ohne die gesund­heits­för­dern­den Bestand­tei­le der heis­sen Quel­le in den zahl­rei­chen öffent­li­chen Bädern, die fast in allen japa­ni­schen Stadt­vier­teln zu fin­den sind, befrie­digt wer­den. Die­se tra­di­tio­nel­len Insti­tu­tio­nen wer­den vor allem noch von älte­ren Bewoh­nern täg­lich genutzt. Vie­le Japa­ner bevor­zu­gen heu­te das heis­se Bad im eige­nen Haus.

Die­se inten­si­ve Bade­kul­tur hat dazu geführt, dass allei­ne in Tokio jähr­lich rund 14’000 Men­schen in der Bade­wan­ne ster­ben. Damit wird die Zahl der Ver­kehrs­to­ten um das Vier­fa­che über­stie­gen. Oft liegt die Todes­ur­sa­che am Tem­pe­ra­tur­schock, wenn man im Win­ter zu abrupt vom kal­ten Zim­mer ins heis­se Bad steigt. Aber auch über­mäs­si­ger Alko­hol­kon­sum kann zu einem plötz­li­chen Herz­ver­sa­gen in der Hit­ze der Bade­wan­ne füh­ren (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Im Shop
An alle Leser
Freiwilliges Abo

An alle Leser

Mit einem frei­wil­li­gen Abo sichern Sie die Zukunft die­ses unab­hän­gi­gen Blogs.

MEHR ERFAHREN

Jan in Japan – 60 Orte
Buch

Jan in Japan – 60 Orte

60 Orte abseits von Tokio und Kyo­to: Eine Rei­se durch den viel­fäl­ti­gen Inselstaat.

BUCH KAUFEN

In Japan - Der praktische Reiseführer
Buch

In Japan – Der prak­ti­sche Reiseführer

Der Best­sel­ler von Jan Knü­sel in der neu­en 6. Auf­la­ge / Edi­ti­on 2020.

BUCH KAUFEN

Shinsen
Sato
Shizuku
Kabuki
Gustav Gehrig
Negishi
Schuler Auktionen
Yu-an
Butcher
Bimi
Edomae
Japan Wireless
Aero Telegraph
Nooch
Asia Society
Depositphotos 1b
Prime Travel
Kokoro
Kalligrafie
Japan Rail Pass
Kabuki_2
Keto-Shop
Depositphotos 2
Depositphotos 1