Die Todes­stra­fe als Ablenkung?

Screen­shot: PTSPro­tes­te vor Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um: «Todes­stra­fe als Ablenkung».

Wäh­rend zehn­tau­sen­de Demons­tran­ten auf die Stras­se gehen, unter­zeich­net Tai­wans Jus­tiz­mi­nis­te­rin fünf Todes­ur­tei­le. Anfang Woche wur­den dar­auf fünf zum Tode Ver­ur­teil­te von einem Erschies­sungs­kom­man­do getö­tet. Gemäss Amnes­ty Inter­na­tio­nal wur­den weder die Anwäl­te noch die Ange­hö­ri­gen der zum Tode ver­ur­teil­ten Gefan­ge­nen zuvor über die Hin­rich­tung informiert.

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Kri­ti­ker wer­fen der Regie­rung vor mit den Hin­rich­tun­gen von ihren eige­nen Pro­ble­men ablen­ken zu wol­len. So lis­tet die Alli­anz zur Abschaf­fung der Todes­stra­fe eine gan­ze Rei­he von Fäl­len auf, in denen Hin­rich­tun­gen just in jenen Momen­ten voll­streckt wur­den, in der die Regie­rung in der Kri­tik war.

Ablen­kung von Protesten?

Seit Mit­te März kommt Tai­wans Regie­rung nicht mehr zur Ruhe: Erst wur­de wegen eines Abkom­mens mit Chi­na das Par­la­ment wäh­rend über drei Wochen besetzt, das Regie­rungs­ge­bäu­de gestürmt (Asi­en­spie­gel berich­te­te), und schliess­lich kam es zu meh­re­ren Demons­tra­tio­nen gegen ein Atom­kraft­werk (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Jus­tiz­mi­nis­te­rin Luo Ying-shay wies die Anschul­di­gun­gen zurück, und sag­te die Hin­rich­tun­gen hät­ten nichts mit Ablen­kung zu tun, berich­tet Tai­wans Chi­na Times. Noch im März wur­de der Jus­tiz­mi­nis­te­rin vor­ge­wor­fen Todes­ur­tei­le hin­aus­zu­zö­gern (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Bei den fünf Hin­rich­tun­gen han­delt es sich um die ers­ten, seit die Minis­te­rin im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res ihr Amt ange­tre­ten ist.

Bevöl­ke­rung für Todesstrafe

Die fünf Hin­ge­rich­te­ten soll­ten ins­ge­samt 11 Men­schen getö­tet haben, aus­ser­dem wur­den ihnen 33 Raub­über­fäl­le zur Last gelegt. Gemäss dem tai­wa­ni­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um steht ein Gross­teil der Bevöl­ke­rung hin­ter der Todes­stra­fe. Bis zu 80 Pro­zent der Tai­wa­ner sol­len gegen die Abschaf­fung der Todes­stra­fe sein (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Unter dem frü­he­ren Prä­si­den­ten Chen Shui­bi­an wur­de vom Dezem­ber 2005 bis zum Ende von Chens Amts­zeit im Mai 2008 ein inof­fi­zi­el­les Mora­to­ri­um ver­hängt. Seit dem Amts­an­tritt von Prä­si­dent Ma Ying-jeou gab es dage­gen ins­ge­samt 26 Hin­rich­tun­gen, rech­net die Chi­na Times vor.

*Update, 4. Mai 2014: Die Jus­tiz­mi­nis­te­rin wird von Tai­wans Kon­troll­hof vor­ge­la­den. Das Kon­troll­or­gan will eine der fünf Hin­rich­tun­gen genau­er unter­su­chen, da es im Pro­zess zu Unre­gel­mäs­sig­kei­ten gekom­men sein soll.*
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