Ein Urteil gegen die AKW-Branche

Foto: wikimedia/​KEIDie Reak­to­ren Num­mer 3 und 4 im AKW Oi.

«Gewon­nen, gewon­nen, gewon­nen», twit­ter­te der ehe­ma­li­ge Pre­mier­mi­nis­ter Nao­to Kan. Der Grund für sei­ne Freu­de ist ein Urteil des Bezirks­ge­richts der Prä­fek­tur Fukui, das dem loka­len AKW Oi wegen Sicher­heits­män­geln unter­sagt, die Reak­to­ren 3 und 4 wie­der­hoch­zu­fah­ren. Zum ers­ten Mal seit dem Unfall im AKW Fuku­shi­ma hat damit ein Gericht in Japan den Betrieb eines AKW ver­bo­ten. Nao­to Kan schreibt von «einem äus­serst wich­ti­gen Grund­satz­ent­scheid». Der ehe­ma­li­ge Regie­rungs­chef hat sich nach sei­nem Rück­tritt zum offe­nen Anti-AKW-Akti­vis­ten gewan­delt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Die Kla­ge ein­ge­reicht hat­ten 189 Per­so­nen kurz nach­dem das AKW Oi im August 2012 wie­der­hoch­ge­fah­ren wur­de. Sicher­heits­mass­nah­men wie bei­spiels­wei­se ein Reak­tor­kühl­sys­tem für den Not­fall sei­en nur unge­nü­gend oder gar nicht vor­han­den, lau­te­te der Vor­wurf. Die dama­li­ge Regie­rung hat­te die Reak­to­ren nach einem zügi­gen Sicher­heits­test wie­der in Betrieb neh­men las­sen, um einen mög­li­chen som­mer­li­chen Strom­ver­sor­gungs­eng­pass in der Regi­on Osa­ka zu ver­hin­dern (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Nun hat das Gericht den Kri­ti­kern, die an der Sicher­heit des AKW zwei­fel­ten, Recht gege­ben. «Wenn eine rea­le Gefahr besteht, dann ist es nur natür­lich, dass man den Betrieb ver­bie­tet», sag­te Rich­ter Hidea­ki Higu­chi. Der Betrei­ber des AKW Oi, Kan­sai Elec­tric Power, hat der­weil ange­kün­digt, gegen das Urteil in Beru­fung zu gehen.

Im Zen­trum der Atombranche

Pikant am Urteil ist, dass die Nuklea­re Sicher­heits­be­hör­de (NRA) zur­zeit Sicher­heits­test im AKW Oi durch­führt und noch kei­nen Ent­scheid bezüg­lich einer künf­ti­gen Betriebs­be­wil­li­gung kom­mu­ni­ziert hat. So wur­de das AKW Oi im Sep­tem­ber 2013 für gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Kon­troll­ar­bei­ten wie­der vom Netz genom­men. Nach eini­gen bau­li­chen Anpas­sun­gen durch Kan­sai Elec­tric Power prüft die NRA nun, ob das AKW Oi die neu­en stren­ge­ren Sicher­heits­auf­la­gen erfüllt. 

Man wer­de unab­hän­gig vom Gerichts­ent­scheid die Tests fort­set­zen, liess Shu­ni­chi Tan­a­ka, der Vor­sit­zen­de der NRA, nach der Urteils­ver­kün­dung in Fukui ver­lau­ten. Wegen des lau­fen­den Ver­fah­rens hat­te das obers­te Gericht von Osa­ka Anfang Monat eine ähn­li­che Kla­ge loka­ler Pri­vat­per­so­nen in zwei­ter Instanz abge­wie­sen. Man kön­ne kein Urteil fäl­len, solan­ge die NRA kei­nen Ent­scheid getrof­fen habe. Die Jus­tiz hielt sich mit die­ser Argu­men­ta­ti­on bis­lang aus der AKW-Fra­ge her­aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Das Gericht in Fukui beschrei­tet mit sei­nem Urteil nun einen neu­en Weg. Das über­rascht, weil gera­de in die­ser Prä­fek­tur 14 von 48 Reak­to­ren behei­ma­tet sind. Nicht umsonst hat Fukui im Volks­mund den Über­na­men «nuklea­re Gin­za» erhal­ten. Die Atom­bran­che ist ein wich­ti­ger Arbeit­ge­ber in die­ser wirt­schaft­lich sonst armen Regi­on. Die Bewoh­ner sind ihr gut gesinnt (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Alle Reak­to­ren abgeschaltet

Ent­spre­chend gross ist die Freu­de bei den AKW-Geg­nern über das Urteil. Nicht nur Nao­to Kan, son­dern auch die Nik­kei Shim­bun ist der Mei­nung, dass das Urteil einen Ein­fluss auf die Arbeit der Nuklea­ren Regu­lie­rungs­be­hör­de haben könn­te. Die­se ist seit Mona­ten dar­an, rund 17 Reak­to­ren auf die neu­en Sicher­heits­stan­dards zu testen.

Erst wenn die NRA das OK gibt, kön­nen die Reak­to­ren wie­der ans Strom­netz ange­schlos­sen wer­den. Und so blei­ben zur­zeit alle 48 AKW-Reak­to­ren abge­schal­tet. Es wird ange­nom­men, dass das AKW Sen­dai auf der Süd­in­sel Kyus­hu als ers­tes Atom­kraft­werk wie­der ans Netz gehen könn­te. Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe möch­te der­weil lie­ber heu­te als mor­gen die ers­ten AKW wie­der­hoch­fah­ren las­sen (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Für ihn ist der Atom­strom ein wich­ti­ger Pfei­ler sei­nes Wirtschaftsprogramms. 

Der Fall Shika

Es ist übri­gens nach 2006 erst das zwei­te Mal, dass ein Gericht den Stopp eines Reak­tor­be­triebs anord­net. Damals ent­schied das Bezirks­ge­richt in der Nach­bar­prä­fek­tur Kana­za­wa das loka­le AKW Shi­ka abzu­schal­ten. Das Urteil wur­de jedoch in der zwei­ten Instanz verworfen. 

Auch für das AKW Oi könn­te sich das Blatt noch wen­den. Der dama­li­ge Rich­ter in Kana­za­wa, Keni­chi Ido, glaubt jedoch, dass die­ses Mal die Umstän­de anders sind, wie er gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Jiji sagt. Nach Fuku­shi­ma sei der Mythos von der abso­lu­ten Sicher­heit in sich zusam­men­ge­fal­len. Das Gericht in Fukui habe nun bestä­tigt, dass ein AKW-Unfall ein rea­lis­ti­sches Pro­blem dar­stel­le. Das Urteil könn­te durch­aus zu einem Umden­ken füh­ren, meint Ido. 

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