News. Reisen. Japan. Von Jan Knüsel.

Kobe-Beef für Europa

Mit Fett durchzogen: Ein Kuroge-Wagyu aus der Präfektur Kagoshima. (Foto: flickr/nienfanhsun)

Mit Fett durchzogen: Ein Kuroge-Wagyu aus der Präfektur Kagoshima. (Foto: flickr/nienfanhsun)

Sollten Sie in einem Restaurant in Deutschland, der Schweiz oder Österreich schon mal Wagyu, japanisches Rind, bestellt haben, dann können Sie davon ausgehen, dass es nicht aus Japan, sondern von einem Züchter aus Australien, den USA oder sogar Europa stammt. Denn bis 2012 wurde das exklusive Wagyu-Fleisch aus Japan gar nicht exportiert.

Wagyu ist der Überbegriff für die vier japanischen Zuchtrassen Kuroge (Schwarz), Tankaku (Kurzhorn), Akage (Braun) und Mukaku (Hornlos). In ganz Japan werden diese Rinder mit einer speziellen Futtermischung und ohne Wachstumshormone geduldig grossgezogen. Das Merkmal von Wagyu ist ein gleichmässig mit Fett durchzogenes Muskelfleisch, das sich durch einen besonderen Geschmack auszeichnet. Dass die japanischen Bauern den Rindern Bier geben, gehört wohl eher ins Reich der Legenden.

Das berühmteste Wagyu ist das Kobe-Beef, das im Westen zum Synonym für japanisches Rindfleisch geworden ist. Dabei ist der Name in Japan, ähnlich wie beim Champagner, geschützt. Als Kobe-Beef dürfen nur Rinder bezeichnet werden, die einem Kuroge-Wagyu der Sorte Tajima aus der Präfektur Hyogo stammen und klar definierte Qualitätsstandards erfüllen. Jährlich werden lediglich zirka 4000 solcher Kobe-Rinder herangezüchtet, der Preis ist entsprechend hoch. 100 Gramm kosten bis zu 5000 Yen (35 Euro). Das Kobe-Beef macht aber nur einen kleinen Prozentsatz aller Wagyu-Rinder aus.

Export lange nicht möglich

Das Wagyu aus dem Ausland stammt derweil von einer paar wenigen japanischen Rindern ab, die vor zwanzig Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken in die USA exportiert wurden. Lange Zeit blieb das Original-Wagyu den japanischen Konsumenten vorenthalten. Einerseits war die Nachfrage im Inland für diese exklusive Ware hoch genug und das Exportinteresse dadurch gering.

Andererseits entsprach die Zubereitung des Fleisches in japanischen Schlachthäuser nicht den europäischen und amerikanischen Zulassungsbedingungen. Zwischen 2010 und 2012 erhoben die USA zudem ein Importverbot für japanisches Rindfleisch wegen der damals grassierenden Maul- und Klauenseuche (Asienspiegel berichtete).

Japans neuer Ansatz

Doch die Zeiten ändern sich. Durch den Bevölkerungsrückgang und die lange stagnierende Wirtschaft ist die Nachfrage nach Wagyu in Japan zurückgegangen. Gleichzeitig haben sich immer mehr Bauern aus wirtschaftlichen Überlegungen auf die Zucht von hoch qualitativem Rindfleisch konzentriert. Die heutigen Produktionsmethoden erlauben eine noch bessere Qualität als früher.

Um dieses Ungleichgewicht von abnehmender Nachfrage und zunehmend gutem Angebot auszugleichen, ist die mächtige japanische Landwirtschaftskooperative JA seit ein paar Jahren darum bemüht, das exklusive Wagyu und damit auch das Kobe-Beef in die Welt zu exportieren. 2012 kamen Macao, Hongkong und die USA als erste Länder in den Genuss des originalen japanischen Rindfleisches. In Beverly Hills hat JA sogar selbst ein Restaurant eröffnet, wo exklusives Wagyu aus Japan angeboten wird, wie die Sankei Shimbun berichtet.

Wagyu für die EU

Nach jahrelangen Verhandlungen wird nun auch der europäische Markt zum ersten Mal beliefert. Um dies zu ermöglichen wurden in den Präfekturen Gunma und Kagoshima Schlachthäuser umgebaut, um den EU-Hygiene- und Sicherheitsstandards zu entsprechen. Von den EU-Behörden haben die Schlachthäuser laut der Asahi Shimbun bereits das OK erhalten.

Voraussichtlich ab 9. Juni könnte der Export starten. Auch das exklusive Kobe-Beef soll künftig nach Europa geliefert werden. Es wird jedoch bei bescheidenen 300 Kobe-Zuchtrinder pro Jahr bleiben. Durch diese geringe Menge kann man davon ausgehen, dass der Preis des Kobe-Beefs in der EU wohl doppelt so teuer sein wird wie im Heimmarkt.

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