Sies­ta am Bürotisch

Foto: flickr/​antrixPrak­tisch für die Sies­ta am Arbeits­platz: Das Kis­sen für unterwegs.

Japan schläft im Zug, im Bus, auf der Arbeit, in der Schu­le. Nur nicht im Bett. Die Kul­tur des öffent­li­chen Nicker­chens hat Tra­di­ti­on. Auf Japa­nisch nennt man die­ses Phä­no­men Ine­mu­ri, was wort­wört­lich über­setzt «anwe­send sein und schla­fen» bedeu­tet. In wohl kei­nem ande­ren Land wird so sorg­los vor sich hingedöst.

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Es ist der aku­te Schlaf­man­gel, der den Japa­ner in den Kurz­schlaf im öffent­li­chen Raum treibt. Auch sta­tis­tisch ist die Müdig­keit belegt. Gemäss einer aktu­el­len Aus­he­bung der OECD schla­fen die Japa­ner pro Tag durch­schnitt­lich 7 Stun­den 43 Minu­ten. Der Durch­schnitts­wert aller 26 erho­be­nen Län­der liegt bei 8 Stun­den 19 Minu­ten. Ein­zig die Süd­ko­rea­ner schla­fen mit 7 Stun­den 41 Minu­ten noch weni­ger als die Japaner.

Eine Stu­die der Uni­ver­si­tät Stan­ford ergab vor ein paar Jah­ren sogar, dass die japa­ni­schen Büro­ar­bei­ter, die Sala­ry­men, sich ledig­lich mit knapp 6 Stun­den Schlaf begnü­gen und damit die Kol­le­gen in den ande­ren Metro­po­len der Welt weit unter­bie­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Das rührt daher, dass in Japans Büros die Prä­senz­zeit beson­ders lang ist. Zusätz­lich erlaubt die obli­ga­te nächt­li­che Trink­tour mit den Arbeits­kol­le­gen nur unge­nü­gend Erholung.

Ein Mit­tags­schlaf am Bürotisch

Schlaf­man­gel führt bekannt­lich zu Inef­fi­zi­enz und einer erhöh­ten Feh­ler­quo­te am Arbeits­platz. Die Bear­bei­tung einer Auf­ga­be am Arbeits­platz zieht sich durch die Unkon­zen­triert­heit in die Län­ge. Das kos­tet Zeit und Geld. Immer mehr Arbeit­ge­ber in Japan erken­nen die­ses Pro­blem und begin­nen, ihren Ange­stell­ten nach dem Mit­tag ein 10 bis 20-minü­ti­ges Nicker­chen am Arbeits­platz zu ver­ord­nen, wie die Asahi Shim­bun berich­tet. So dür­fen sich bei­spiels­wei­se die Ange­stell­ten der Archi­tek­tur­fir­ma Oku­ta nach­mit­tags wäh­rend 20 Minu­ten unge­fragt ausruhen.

In Tokio hat sich der­weil ein Café auf den Mit­tags­schlaf spe­zia­li­siert. Das Cor­ne bie­tet Frau­en gemüt­li­che Lie­ge­räu­me, wo sie ganz der Erho­lung wid­men kön­nen. Selbst ein Pyja­ma darf sich die Kun­din aus­lei­hen. 10 Minu­ten kos­ten hier 160 Yen. Natür­lich bie­tet die Loka­li­tät auch ein Mit­tags­me­nü, Kaf­fee und Tee an.

Schla­fen in der Schule

Und weil der Schlaf­man­gel in Japan bereits in der Kind­heit beginnt, befas­sen sich auch die Schu­len zuneh­mend mit die­sem gesell­schaft­li­chen Phä­no­men. In einer Schu­le in der Stadt Chi­ku­zen in der Prä­fek­tur Fuku­o­ka machen die Schü­ler seit April zu den Klän­gen Mozarts ein 10-minü­ti­ges Mit­tags­schläf­chen, wie die Yomi­uri Shim­bun berich­tet. Die­se Mass­nah­me wur­de ergrif­fen, nach­dem eine Umfra­ge erge­ben hat­te, dass sich 63 Pro­zent der Schü­ler wäh­rend den Schul­stun­den müde fühlten.

Gewis­se Uni­ver­si­tä­ten beschrei­ten der­weil ande­re Wege. Ihren Stu­den­ten bie­ten sie in den Kan­ti­nen in den Mor­gen­stun­den ein reich­hal­ti­ges, tra­di­tio­nel­les japa­ni­sches Früh­stück zum Mini­mal­preis an (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Fisch, Reis, Miso-Sup­pe und zahl­rei­che klei­ne Gemü­se­bei­la­gen sor­gen für einen vol­len Magen bis zur Mit­tags­stun­de. Mit der mor­gend­li­chen Ver­pfle­gung stei­gert sich ganz natür­lich die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und die Stu­den­ten gewöh­nen sich ganz neben­bei an einen gere­gel­ten Tages­ab­lauf, zu dem auch aus­rei­chend Schlaf gehört.

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