Ster­ben­de Städ­te und Dörfer

Foto: flickr/​Mike Ray­bourneGera­de auf Hok­kai­do ist der Bevöl­ke­rungs­rück­gang beson­ders akut.

Yuba­ri auf der japa­ni­schen Nord­in­sel Hok­kai­do war einst eine flo­rie­ren­de Stadt mit fast 120’000 Ein­woh­nern. Das war 1960, als man mit dem Koh­le­berg­bau noch viel Geld ver­dien­te. Dann kam das Erd­öl und irgend­wann schloss die letz­te Zeche. Arbeit gab es kei­ne mehr. Die jun­gen Leu­te zogen in die gros­sen Städ­te. Heu­te hat Yuba­ri nicht ein­mal mehr 10’000 Ein­woh­ner. Fast die Hälf­te ist über 65 Jah­re alt, 2007 muss­te die Stadt den Bank­rott anmel­den. Bes­se­rung ist nicht in Sicht. Yuba­ri steht stell­ver­tre­tend für eine Ent­wick­lung, die sich zur­zeit in ganz Japan abspielt.

Die gros­se Haupt­stadt­re­gi­on Tokio zieht die jun­gen Japa­ner in Mas­sen an. Hier fin­den Sie Arbeit und Wohl­stand. Auch die Gross­städ­te Nago­ya und Osa­ka haben eine ähn­li­che Magnet­wir­kung. Und so ent­zie­hen sie dem Rest des Lan­des die letz­ten Energie.

Die länd­li­chen Städ­te und Dör­fer ver­kom­men zuneh­mend zu Orten mit einer über­al­ter­ten Bevöl­ke­rung. Der drin­gend nöti­ge Nach­wuchs ist nicht in Sicht, die Zeit der Baby­boom-Gene­ra­ti­on der 50er- und 60er-Jah­re, als sich Japans Bevöl­ke­rung fast ver­dop­pel­te, schon lan­ge vorbei.

Ein radi­ka­ler Bevölkerungsrückgang

Mit einer tie­fen Gebur­ten­ra­te von 1,41 geht die Ein­woh­ner­zahl seit 2010 in Japan ste­tig zurück. Heu­te sind es rund 127 Mil­lio­nen, bereits 2048 wer­den es weni­ger als 100 Mil­lio­nen sein (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Eine Stu­die des pri­va­ten For­schungs­in­sti­tuts Japan Poli­cy Coun­cil hat erge­ben, dass 896 Gemein­den in Japan, also fast die Hälf­te aller 1800 Städ­te und Dör­fer, in den nächs­ten Jah­ren einen radi­ka­len Bevöl­ke­rungs­rück­gang erle­ben werden.

Gemäss der Stu­die wer­den die­se 896 Gemein­den bis 2040 nur noch halb so vie­le Frau­en im Alter von 20 bis 39 Jah­ren zäh­len. Mit der jet­zi­gen Gebur­ten­ra­te bedeu­tet dies nichts Gutes für die Zukunft die­ser Orte. Die Bevöl­ke­rung wird dort zuneh­mend älter, die Nach­fra­ge nach Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wird stei­gen. Gleich­zei­tig wer­den gera­de die Gemein­den mit zuneh­men­dem Per­so­nal­man­gel zu kämp­fen haben. Rund 523 Gemein­den sei­en dadurch akut in ihrer Exis­tenz bedroht, so der Japan Poli­cy Coun­cil.

Schrump­fen­de Städte

Aber auch grös­se­re länd­li­chen Städ­te sind von die­ser Ent­wick­lung betrof­fen, wie die Stu­die zeigt. Prä­fek­tur­haupt­städ­te wie Aki­ta und Aom­ori wer­den in den nächs­ten Jah­ren über 50 Pro­zent weni­ger Frau­en zwi­schen 20 und 39 Jah­ren zäh­len. So leben in der Stadt Aom­ori heu­te fast 300’000 Ein­woh­ner. Bis 2040 wer­den die Zahl schät­zungs­wei­se auf 192’000 sin­ken. Die­se Ent­wick­lung zieht sich durch die gesam­te Prä­fek­tur. Auch die Bevöl­ke­rung der tou­ris­ti­schen Stadt Hako­da­te auf der Nord­in­sel Hok­kai­do wird in den nächs­ten zwan­zig Jah­ren von der­zeit 280’000 auf vor­aus­sicht­lich 160’000 sinken.

Bereits heu­te wird die Pro­ble­ma­tik des Bevöl­ke­rungs­rück­gangs in Japans länd­li­chen Städ­ten ersicht­lich. In der wirt­schaft­li­chen Hoch­wachs­tums­pha­se mit einer gross­zü­gi­gen Infra­struk­tur aus­ge­stat­tet, wei­sen sie zuneh­mend lee­re Büro­häu­ser auf, die von bes­se­ren Zei­ten zeugen.

Vor­schlä­ge sind gefragt

So kämpft Japan nicht nur gegen einen anhal­ten­den Bevöl­ke­rungs­rück­gang, son­dern auch mit einer Land­flucht, wel­che die zahl­rei­che Gemein­den in ihrer Exis­tenz bedro­hen. Da die Gebur­ten­ra­te in Tokio die tiefs­te im gan­zen Land ist, wird der Bevöl­ke­rungs­rück­gang durch die Land­flucht gar noch beschleu­nigt. Und irgend­wann wird selbst Tokio der Nach­wuchs aus­ge­hen, mit allen wirt­schaft­li­che Fol­gen für das Land.

Für den Japan Poli­cy Coun­cil ist die Lage kri­tisch. Es sei falsch, eine opti­mis­ti­sche Sicht ein­zu­neh­men und das Pro­blem auf spä­ter zu ver­schie­ben. Das For­schungs­in­sti­tut schlägt daher eine Rei­he von Mass­nah­men vor. So müss­ten bei­spiels­wei­se die jun­gen Men­schen mit Steu­er­ge­schen­ken und ande­ren sozia­len Anrei­zen dazu gebracht wür­den, wie­der in die Regio­nen zu zie­hen. Es müs­se zudem ein Umfeld geschaf­fen wer­den, in dem Hei­rat und Kin­der­krie­gen wie­der attrak­tiv wer­den. Auch sei es drin­gend not­wen­dig, eine zur­zeit nicht exis­ten­te Ein­wan­de­rungs­po­li­tik zu gestal­ten, wel­che den Rück­gang eben­falls stop­pen hel­fen könnte.

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