Die Blut­grup­pe und der Charakter

Foto: flickr/​MShadesTücher für die ver­schie­de­nen Blutgruppen.

Was in Euro­pa das Horo­skop ist, ist in Japan die Blut­grup­pe. Die Fra­ge, ob man A, B, 0 oder AB sei, gehört im Insel­staat zu den gewöhn­li­chen Small­talk-The­men. In den Augen der Japa­ner sagen die­se Buch­sta­ben alles über die Per­sön­lich­keit eines Men­schen aus (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Weil die Blut­grup­pe A in Japan am häu­figs­ten vor­kommt, wer­den ihre Ver­tre­ter – kaum über­ra­schend – als die Durch­schnitts­ty­pen ange­se­hen. Boden­stän­dig, orga­ni­siert, auf­op­fernd, aber auch anspruchs­voll, etwas ver­krampft und sor­gen­voll sol­len sie sein. Als A-Typ kann man kaum etwas falsch machen, mit dem Nach­teil, dass man ger­ne als etwas lang­wei­lig abge­stem­pelt wird.

Dis­kri­mi­niert wegen der Blutgruppe

Die Aus­ge­gli­che­nen, Ver­nünf­ti­gen, die gleich­zei­tig unent­schlos­sen und ver­gess­lich sein sol­len, sind offen­bar typisch Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten für Men­schen mit der Blut­grup­pe AB. 0 wird der­weil als selbst­be­wusst, opti­mis­tisch, gleich­zei­tig aber ego­zen­trisch und kalt beschrieben.

In einem hier­ar­chisch struk­tu­rier­ten Land, wo die Grup­pe über dem Indi­vi­du­um steht, wer­den beson­ders die B-Typen kri­tisch beäugt. Denn die­se sol­len gemäss der all­ge­mei­nen Anschau­ung lei­den­schaft­lich, krea­tiv, stark und gleich­zei­tig ego­is­tisch, lau­nisch sowie unver­ant­wort­lich sein. Das bedeu­tet aber nicht, dass einem des­we­gen der Erfolg ver­wehrt bleibt. So hat bei­spiels­wei­se Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe die Blut­grup­pe B.

Die­se Ansich­ten sind in der Gesell­schaft mitt­ler­wei­le so ver­an­kert, dass Per­so­nen auf­grund ihrer Blut­grup­pe dis­kri­mi­niert wer­den kön­nen. Bura­ha­ra nennt sich das, was einem Zusam­men­zug des Aus­dru­ckes Blood Type Harass­ment ent­spricht. Gleich­zei­tig las­sen sich mit der Blut­grup­pe ein­fach und schmerz­los Ver­feh­lun­gen begrün­den, für Poli­ti­ker und Wirt­schafts­füh­rer ist sie die idea­le Aus­re­de. «Schau­en sie nicht mich, schau­en sie mei­ne Blut­grup­pe an», heisst es dann.

Alles Unsinn

Die Blut­grup­pe hat sich ent­spre­chend zu einem Mil­lio­nen­ge­schäft ent­wi­ckelt. Bücher und Pro­duk­te, die sich ganz die­ser The­ma­tik wid­men, sind zu Ver­kaufs­schla­gern gewor­den. Ken­go Nawa­ta von der Uni­ver­si­tät Kyo­to Bun­kyo woll­te es jedoch ganz genau wis­sen. In einer gross ange­leg­ten Stu­die über­prüf­te er, ob die Blut­grup­pe tat­säch­lich in direk­tem Zusam­men­hang mit dem Cha­rak­ter steht. Dafür ana­ly­sier­ten er über 10’000 Umfra­gen, die in den USA und Japan durch­ge­führt wurden.

Die Fra­gen beschäf­tig­ten sich mit dem Glau­ben, dem Beruf, den Zukunfts­aus­sich­ten, den Freun­den oder Ängs­ten einer Per­son. Dabei stell­te sich her­aus, dass bei 65 von 68 Ant­wor­ten kei­ne signi­fi­kan­ten Unter­schie­de zwi­schen den ein­zel­nen Blut­grup­pen fest­ge­stellt wer­den konnten.

Selbst bei den rest­li­chen drei Ant­wor­ten sei­en ledig­lich gerin­ge Ungleich­hei­ten fest­ge­stellt wor­den. «Dies bedeu­tet, dass die Blut­grup­pe nur 0.3 Pro­zent der Abwei­chung in einer Per­sön­lich­keit erklärt.» Damit kön­ne man fest­hal­ten, dass es kei­nen direk­ten Zusam­men­hang zwi­schen Blut­grup­pe und Cha­rak­ter gebe, fol­gert Nawa­ta in sei­ner Stu­die, die in der aktu­el­len Aus­ga­be des Japa­ne­se Jour­nal of Psy­cho­lo­gy publi­ziert wur­de.

Dunk­le Ursprünge

Die Beschäf­ti­gung mit der Blut­grup­pe stammt übri­gens aus dem Japan der Zwi­schen­kriegs­jah­re, als die umstrit­te­ne Euge­nik, die in Nazi-Deutsch­land unter dem Begriff Ras­sen­hy­gie­ne bekannt war, vom Staat geför­dert wur­de. Damals unter­such­te das impe­ria­lis­ti­sche Japan die Blut­grup­pen ihrer Kolo­ni­al­völ­ker oder der indi­ge­nen Ainu.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wie­der­holt als wis­sen­schaft­lich gegen­stands­los ent­larvt, kam die Blut­grup­pen-Ana­ly­se in Ver­ruf. In den japa­ni­schen Köp­fen blieb sie jedoch hart­nä­ckig hän­gen. In den 1970er-Jah­ren erleb­te die Blut­grup­pen-Ana­ly­se, von ras­sis­ti­schen Unter­tö­nen ent­fernt, eine media­le und gesell­schaft­li­che Wiederauferstehung.

Und so wird auch die Stu­die von Ken­go Nawa­ta wohl kaum zu einem gesell­schaft­li­chen Umden­ken füh­ren. Zu stark hat sich die Blut­grup­pen-The­se in den Köp­fen eingeprägt.

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