Flug­zeug­trä­ger für Japan?

Foto: wikimedia/​jogrkimDie USS Makin Island.

Einst besass Japan 22 Flug­zeug­trä­ger, die fast alle im Zwei­ten Welt­krieg von den USA zer­stört wur­den. Die drei Rie­sen­schif­fe, die nach 1945 übrig blie­ben, wur­den schliess­lich ver­schrot­tet. Denn die 1947 ein­ge­führ­te Ver­fas­sung unter­sag­te Japan den Unter­halt einer Armee und den Krieg als Mit­tel zur Lösung inter­na­tio­na­ler Kon­flik­te (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

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Japan wand­te sich dem Pazi­fis­mus zu, aber lan­ge hielt das Ide­al nicht. Der Kal­te Krieg erfor­der­te schlag­kräf­ti­ge Alli­ier­te. Die USA schmie­de­ten mit Japan eine bis heu­te anhal­ten­de Sicher­heits­al­li­anz. Zudem begann man die Ver­fas­sung, neu zu inter­pre­tie­ren. So erhielt Japan in den 1950er-Jah­ren die soge­nann­ten Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te (SDF), mit der Begrün­dung, dass jedes Land ein Recht auf Selbst­ver­tei­di­gung habe.

Über die Jahr­zehn­te hat sich die­se pro­fes­sio­nel­le Armee, die offi­zi­ell die­sen Namen nicht tra­gen darf, zu einer der moderns­ten der Welt ent­wi­ckelt. Die Bevöl­ke­rung, die mehr­heit­lich hin­ter der Frie­dens­ver­fas­sung steht, hat sich mit der Exis­tenz der Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te über die Jah­re arran­giert, zumal sie gute Diens­te bei Natur­ka­ta­stro­phen leistet.

Ein gigan­ti­scher Hubschraubträger

Foto: wikimedia/​Dra­go­ner JPDie Izu­mo-Klas­se beim Sta­pel­lauf im August 2013.

Auf die Anschaf­fung von Flug­zeug­trä­gern hat die SDF stets ver­zich­tet, weil die­se als Mit­tel für Angriffs­krie­ge ange­se­hen wer­den und damit dem Geist der Selbst­ver­tei­di­gung wider­spre­chen wür­den. Bestä­tigt wur­de die­se Sicht­wei­se in einer Stel­lung­nah­me der Regie­rung von 1988, wonach die SDF weder Inter­kon­ti­nen­tal­ra­ke­ten, stra­te­gi­sche Bom­ber noch Angriffs-Flug­zeug­trä­ger besit­zen dür­fe. Statt­des­sen gab sich die SDF mit Hub­schraub­trä­gern zufrie­den. Drei sind es inzwi­schen an der Zahl.

Der letz­te wur­de im August 2013 vor­ge­stellt und über­ragt sei­ne Vor­gän­ger in jeder Hin­sicht. 250 Meter lang, 38 Meter breit ist der neus­te im Tarn­kap­pen-Design gebau­te Hub­schraub­trä­ger der Izu­mo-Klas­se. 14 Heli­ko­pter kann das Schiff theo­re­tisch laden. 2015 tritt es in Dienst, 2017 folgt ein Schwes­ter­schiff. Es han­delt sich um das gröss­te japa­ni­sche Kriegs­schiff seit dem Zwei­ten Weltkrieg.

Ganz der Ver­fas­sung ver­pflich­tend dient das Schiff offi­zi­ell als Mit­tel zum Schutz der mari­ti­men Gren­zen, als Ver­tei­di­gung gegen U-Boot-Angrif­fe und für den Trans­port von Trup­pen bei Natur­ka­ta­stro­phen, wie die Regie­rung damals betonte.

Kri­ti­ker jedoch hal­ten die Izu­mo-Klas­se für einen klei­nen Flug­zeug­trä­ger, der nach einer bau­li­chen Anpas­sung auch von Kampf­jets des Typs Lock­heed F35B, einem Kurz­start­flie­ger mit Senk­recht­lan­de­ka­pa­zi­tät, genutzt wer­den könn­te. Aus­ser­dem ent­spricht die Län­ge von 250 Meter fast der­je­ni­gen des fran­zö­si­schen Flug­zeug­trä­gers Charles de Gaul­le (264 Meter).

Der Besuch in San Diego

Seit Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe letz­te Woche die Ver­fas­sung so umin­ter­pre­tiert hat, dass Japan neu ein Recht auf kol­lek­ti­ve Selbst­ver­tei­di­gung hat(Asi­en­spie­gel berich­te­te), stellt sich nun die Fra­ge, wie sich die­se Poli­tik auf die künf­ti­ge Struk­tur der Selbst­ver­tei­di­gungs­kräf­te auswirkt.

Eine ers­te, indi­rek­te Ant­wort dar­auf hat der Besuch des japa­ni­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters Its­un­ori Onode­ra auf dem US-Mari­ne­stütz­punkt in San Die­go gege­ben, wo er die USS Makin Island besu­chen durf­te. Dabei han­delt sich um ein soge­nann­tes amphi­bi­sches Kriegs­schiff, ein Mini-Flug­zeug­trä­ger, der sowohl Hub­schrau­ber, F35B-Kampf­jets sowie amphi­bi­sche Fahr­zeu­ge und Boo­te für Lan­dungs­un­ter­neh­men trans­por­tie­ren kann. Die Bau­art der japa­ni­schen Izu­mo-Klas­se lässt grüssen.

Für die Ver­tei­di­gung von Inseln müs­se man sich über Trans­port­schif­fe Gedan­ken machen, die mul­ti­funk­tio­nal ein­setz­bar sei­en, sag­te Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Onode­ra nach sei­nem Besuch, wie die Sank­ei Shim­bun berich­tet. Es war ein indi­rek­ter Ver­weis auf den anhal­ten­den Kon­flikt mit Chi­na um die Sen­ka­ku-Inseln. «Japan prüft die Ein­füh­rung amphi­bi­scher Kriegs­schif­fe», hiess es spä­ter in den japa­ni­schen Medi­en. Beim Besuch einer Lock­heed-Werks­hal­le in Texas deu­te­te Onode­ra zudem den Kauf von mehr als den bis­her geplan­ten 42 F35-Kampf­jets an, wie NHK News berichtet.

Abschre­ckung anstatt Pazifismus

Die chi­ne­si­schen Medi­en haben kri­tisch auf Ono­das Besuch in den USA reagiert. Viel­mehr als um den Schutz der Sen­ka­ku-Inseln gehe es Japan nun um die all­ge­mei­ne Auf­rüs­tung ihrer mari­ti­men Streit­kräf­te, lau­tet ein Vor­wurf. Ein amphi­bi­sches Kriegs­schiff des Typs USS Makin Island mit F – 35B-Kampf­jets wäre dem bis­lang ein­zi­gen chi­ne­si­schen Flug­zeug­trä­ger Liao­n­ing (Asi­en­spie­gel berich­te­te) über­le­gen, heisst es weiter.

Nur weni­ge Tage nach der Neu­aus­le­gung des Kriegs­ver­zicht­ar­ti­kels 9 deu­ten sich damit bereits die Kon­tu­ren von Abes neu­er Aus­sen­po­li­tik an. Anstatt Pazi­fis­mus setzt Japan neu auf psy­cho­lo­gi­sche und mili­tä­ri­sche Abschre­ckung gegen das erstark­te Chi­na. Die Fol­ge ist eine noch schnel­le­re Auf­rüs­tung der bei­den Gross­mäch­te in Ostasien.

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