Wann fährt Japan wie­der hoch?

Screen­shot: youtube/​FNNnewsCHPrä­ze­denz­fall AKW Sendai.

Erst­mals seit ihrer Grün­dung im Sep­tem­ber 2012 hat die Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de (NRA) einem Atom­kraft­werk grü­nes Licht gege­ben. Die Reak­to­ren 1 und 2 des AKW Sen­dai in der Prä­fek­tur Kago­shi­ma auf der Süd­in­sel Kyus­hu erfül­len die neu­en, stren­ge­ren Sicher­heits­stan­dards, wie die Mai­ni­chi Shim­bun berichtet.

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Dafür waren mona­te­lan­ge Kon­troll­ar­bei­ten not­wen­dig. Zuletzt kam es noch zu Ver­zö­ge­run­gen, weil Doku­men­te nach­ge­reicht wer­den muss­ten (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Doch nun gibt es erst­mals ein OK von der NRA. Damit ist für den Betrei­ber Kyus­hu Elec­tric Power eine gros­se Hür­de, vor der noch 46 wei­te­re zur­zeit abge­schal­te­te Reak­to­ren ste­hen, aus dem Weg geräumt. Für ein Wie­der­hoch­fah­ren im Som­mer wird es jedoch nicht rei­chen. Denn nun stellt sich die Fra­ge, wer eigent­lich die letz­te Ent­schei­dung für die Wie­der­in­be­trieb­nah­me in die­sem neu­en Sys­tem fällt?

«Es liegt nicht an mir zu sagen, dass die AKW sicher sind»

Die NRA ist es nicht. Die­se über­prüft ledig­lich, ob die Reak­to­ren den Sicher­heits­stan­dards ent­spre­chen. Sie besitzt aus­ser­dem die Kom­pe­tenz, einen Reak­tor eigen­mäch­tig zu stop­pen. Über einen Start ent­schei­det die NRA jedoch nicht. «Es liegt nicht an mir zu sagen, dass die AKW sicher sind», zitiert die Mai­ni­chi Shim­bun den NRA-Vor­sit­zen­den Shu­ni­chi Tan­a­ka, der damit den Ball an Betrei­ber und Poli­ti­ker weitergibt.

Aber auch die Regie­rung in Tokio sieht sich offen­bar nicht wirk­lich in der letz­ten Ver­ant­wor­tung. Man fäl­le kei­nen poli­ti­schen Ent­scheid über das Wie­der­hoch­fah­ren von AKW, heisst es aus Tokio. «Wenn wir zur Schluss­fol­ge­rung kom­men, dass das AKW sicher ist, dann wol­len wir mit dem Ein­ver­ständ­nis der loka­len Behör­den den Weg der Wie­der­in­be­trieb­nah­me wei­ter­ge­hen», zitiert FNN News Pre­mier­mi­nis­ter Shin­zo Abe. Der Ent­scheid der NRA sei ein wei­te­rer Schritt nach vorne.

Inbe­trieb­nah­me wohl erst im Oktober

Laut Jiji News sieht der Fahr­plan nun vor, dass wäh­rend 30 Tagen öffent­li­che Mei­nun­gen und Fra­gen zu tech­ni­schen Ange­le­gen­hei­ten ein­ge­holt und die letz­ten Sicher­heits­ab­klä­run­gen getrof­fen wer­den. Anschlies­send begin­nen für den Betrei­ber Kyus­hu Elec­tric Power die Bera­tun­gen mit dem Bür­ger­meis­ter und der Ver­samm­lung der Stadt Sats­u­ma­sen­dai, die das AKW beherbergt.

Zuletzt wird das Prä­fek­tur­par­la­ment von Kago­shi­ma dar­über bera­ten, bevor Gou­ver­neur Yui­chi­ro Ito sei­nen Ent­scheid bezüg­lich Sen­dai fällt. Und so wer­den am Ende er und die Regie­rung in Tokio die letz­te Ver­ant­wor­tung über­neh­men müs­sen. Mit einem Start wir frü­hes­ten ab Okto­ber gerechnet.

Wirk­lich sicher?

Kri­ti­ker haben der­weil ihre Zwei­fel, was die Sicher­heit des AKW Sen­dai anbe­langt. So ver­wies die Asahi Shim­bun in einem Arti­kel Anfang Juli, dass ein von der Regie­rung gefor­der­tes exter­nes Not­fall­zen­trum für Behör­den und Betrei­ber im AKW-Kri­sen­fall in der Prä­fek­tur Kago­shi­ma noch gar nicht exis­tie­re. Die Bau­ar­bei­ten zie­hen sich womög­lich bis im März 2015 hin.

Aus­ser­dem gibt es in der Umge­bung des AKW Sen­dai 14 Vul­ka­ne. Für vie­le Exper­ten ist gera­de die­ses Kern­kraft­werk dies­be­züg­lich beson­ders ver­wund­bar (Asi­en­spie­gel berich­te­te). Die NRA sagt dazu, dass die Wahr­schein­lich­keit klein sei, dass die Sicher­heit der Atom­re­ak­to­ren durch einen Vul­kan­aus­bruch beein­träch­tigt wer­de. Man müs­se die Akti­vi­tät der Vul­ka­ne jedoch im Auge behal­ten, um vor­zei­tig reagie­ren zu können.

Vul­ka­no­lo­gen mei­nen laut Jiji News dazu, dass eine genaue Vor­her­sa­ge über einen Aus­bruch unmög­lich sei. Die Natur ver­hal­te sich nie so, wie es sich der Mensch ausmale.

Der Prä­ze­denz­fall

Das AKW Sen­dai wird für die NRA und die Regie­rung in Tokio zum Prä­ze­denz­fall. Sein Aus­gang wird dar­über ent­schei­den, wie schnell die ande­ren AKW ans Netz gehen wer­den. Zur­zeit unter­sucht die Nuklea­re Regu­lie­rungs­be­hör­de, inklu­si­ve AKW Sen­dai, 19 Reak­to­ren in 12 Kern­kraft­wer­ken. Noch sind alle 48 Reak­to­ren aus­ser Betrieb.

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