Wo Japans Ehe­män­ner zögern

flickr/​jamesjustinVater mit Kin­dern beim Tem­pel­be­such in Ueno.

Wäh­rend die Frau die Kin­der gross­zieht und den Haus­halt erle­digt, geht der Mann arbei­ten. An die­sem klas­si­schen Rol­len­bild hat sich in Japans Fami­li­en bis heu­te kaum etwas ver­än­dert, wie eine aktu­el­le Stu­die des Natio­nal Insti­tu­te of Popu­la­ti­on and Soci­al Secu­ri­ty Rese­arch zeigt.

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Dem­nach erle­di­gen die japa­ni­schen Ehe­frau­en bis 50 Jah­ren mit Kin­dern, die jün­ger als 12 Jah­re alt sind, 79.8 Pro­zent der Auf­ga­ben bezüg­lich Haus­halt und Kin­der­er­zie­hung. Wenn der Mann im Haus­halt aus­hilft, gilt sein Fokus fol­gen­den Arbeiten:

… den Müll her­aus­tra­gen (40.6% der Ehe­män­ner machen dies min­des­tens zwei Mal die Woche)
… Lebens­mit­tel ein­kau­fen (36.6%)
… die Tel­ler nach dem Essen abräu­men (33.1%)
… das Bad put­zen (29.1%)
… die Wäschen machen (26%)
… kochen (21%)
… die Zim­mer auf­räu­men (19.2%)

Auch wenn sich vie­le Japa­ne­rin­nen mit die­ser Rol­len­ver­tei­lung abfin­den, sind den­noch 48.2 Pro­zent unzu­frie­den mit der man­geln­den Unter­stüt­zung des Man­nes bei den all­täg­li­chen Arbei­ten im Haus.

Der Vater in der Nebenrolle

Wenn es um die Kin­der­er­zie­hung geht, ist die Tole­ranz der japa­ni­schen Ehe­frau­en noch etwas grös­ser. 41.6 Pro­zent fin­den, dass der Ehe­mann dies­be­züg­lich etwa mehr tun soll­te. So beschränkt sich die erzie­he­ri­sche Auf­ga­be des Vaters zumeist dar­auf, mit dem Kind zu spie­len (87.5%) oder es zu baden (82.1%). Nicht ein­mal die Hälf­te der Väter bringt das Kind ins Bett (46.3%) und schon gar nicht in den Kin­der­gar­ten (28.4%).

Das hat damit zu tun, dass die meis­ten Väter mit dem Beruf zeit­lich stark aus­ge­las­tet sind. In der japa­ni­schen Arbeits­welt ist es üblich, nach dem Arbeits­tag mit dem Chef und den Kol­le­gen gemein­sam essen und trin­ken zu gehen. Nach Hau­se kom­men vie­le erst, wenn die Kin­der schon längst schla­fen. Für die meis­ten bleibt nur das Wochen­en­de, um mit den Kin­dern Zeit zu ver­brin­gen. Den theo­re­tisch mög­li­chen Vater­schafts­ur­laub nimmt in der japa­ni­schen Gesell­schaft kaum jemand wahr (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Aber selbst wenn die Ehe­frau arbei­tet, liegt die Haupt­last für den Haus­halt und die Kin­der noch immer bei ihr, wie die seit 1993 alle fünf Jah­re durch­ge­führ­te Stu­die des Natio­nal Insti­tu­te of Popu­la­ti­on and Soci­al Secu­ri­ty Rese­arch zeigt. Zwar hel­fen die Ehe­män­ner in die­sen Fäl­len auto­ma­tisch mehr aus, einer von sie­ben Ehe­män­nern macht aber selbst dann nichts für den Haushalt.

Die Iku­men

In Japan hat sich erst in den letz­ten Jah­ren ein Bewusst­sein dafür ent­wi­ckelt, dass auch der Ehe­mann eine wich­ti­ge Rol­le bei der Kin­der­er­zie­hung und im Haus­halt ein­neh­men soll. Iku­men – ein Wort­spiel aus Ike­men (« gut aus­se­hen­der Mann») und Iku­ji («Kin­der erzie­hen») – nennt man die­se Männer.

Die­se Väter ste­hen am Mor­gen früh auf und kom­men am Abend nicht zu spät von der Arbeit nach Hau­se, um im Haus­halt aus­zu­hel­fen und mit dem Kind mehr Zeit zu ver­brin­gen (Asi­en­spie­gel berich­te­te).

Mehr Unter­stüt­zung, mehr Kinder

Obwohl die Zahl der Iku­men wächst, blei­ben sie eine Min­der­heit. Dabei könn­te eine tat­kräf­ti­ge­re Unter­stüt­zung durch den Mann im Haus­halt wesent­lich dazu bei­tra­gen, die sin­ken­den Gebur­ten­ra­te in Japan zu bekämpfen.

So hat die Stu­die bei Ehe­paa­ren, die noch kei­ne Kin­der haben, nach­ge­fragt. 70.4 Pro­zent der Frau­en, bei denen der Ehe­part­ner viel zuhau­se hilft, pla­nen dem­nach ein Kind zu haben. Wenn der Ehe­mann weni­ger oder gar nicht bei der täg­li­chen Arbeit aus­hilft, sinkt auch der Wunsch nach Nach­wuchs. Nur 48.1 Pro­zent der Frau­en wün­schen sich in die­sem Fall ein Kind.

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